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StartseiteInformationen am MorgenProvokation am Nationalfeiertag03.07.2017

Trumps CNN-Video bei TwitterProvokation am Nationalfeiertag

US-Präsident Donald Trump hat mit einem Tweet erneut über Parteigrenzen hinweg für Empörung gesorgt. Er verschickte just am Vorabend des 4. Juli, des Nationalfeiertages, einen Tweet mit einem Video, in dem er am Rande eines Wrestling-Turniers auf einen Mann einprügelt, dessen Gesicht mit einem CNN-Logo verdeckt ist.

Von Thilo Kößler

Donald Trump während einer Pressekonferenz im Garten des Weißen Hauses (dpa picture alliance/ Ron Sachs)
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Das Video, das Donald Trump am Sonntagmorgen ins Netz gestellt hatte, sorgte umgehend für einen Sturm der Entrüstung im Kurznachrichtendienst Twitter: Die Reaktionen reichten von "des Präsidentenamtes unwürdig" bis hin zu dem Vorwurf, mit diesem Video Gewalt gegen Journalisten zu propagieren. In diesem Sinne äußerte sich auch Bruce Brown von der Journalistenvereinigung Reporters Committee for Freedom of the Press: Mit diesem Video werde Journalisten mit körperlicher Gewalt gedroht.

Das Video zeigt, wie Donald Trump am Rande eines Wrestling-Ringes einen Mann zu Boden reißt und auf ihn einprügelt. Wer der Mann ist, ist nicht zu sehen, weil das Logo des Fernsehsenders CNN über das Gesicht montiert wurde. Am Ende des Videos, in dem diese verstörende Prügelszene mehrfach wiederholt wird, erscheint das verfremdete CNN-Logo als FNN mit der Bezeichnung "Fraud News Network", das "Nachrichtennetzwerk der Betrüger".

Tatsächlich war dieses Video schon lange bekannt. Es entstand im Jahre 2007 am Rande einer Wrestling-Veranstaltung. Die Szene war dort als Showeinlage eingeplant. Allerdings entfaltet Donald Trump bei seinem Angriff auf seinen vermeintlichen Gegner derartige Energien, dass das Video tatsächlich als Gewaltvideo eingeschätzt werden kann.

Provokation vor dem Nationalfeiertag

Dass Donald Trump dieses Video unmittelbar vor dem Nationalfeiertag am 4. Juli ins Netz stellte, wirkte dabei besonders provozierend, gilt dieser Tag doch eigentlich der Beschwörung der Einheit des Landes. Die Reaktionen fielen zunächst ungläubig, dann immer empörter aus. Nancy Pelosi, die Fraktionschefin der Demokraten im Abgeordnetenhaus, verurteilte den Eintrag auf Twitter. Trumps Berater für Heimatschutz im Weißen Haus, Tom Bossert, verteidigte das Video indes: Trump werde von den Fernsehanstalten derart verprügelt, so wörtlich, dass er das Recht habe, darauf zu reagieren, sagte er.

Ein Screenshot vom Twitter Account Donald Trumps zeigt ein Video, indem er selbst auf einen Mann einprügelt, dessen Kopf mit dem CNN-Logoi verfälscht wurde. (Screenshot Twitter Account Donald Trump, erstellt am 02.07.2017)Donald Trump "prügelt" bei Twitter auf CNN ein. (Screenshot Twitter Account Donald Trump, erstellt am 02.07.2017)

Der republikanische Senator Ben Sasse indes kritisierte den Präsidenten und sagte, es gebe einen Unterschied zwischen einer angemessenen Antwort auf Kritik und dem Versuch, Misstrauen zu einer Waffe zu machen. In diesem Sinne äußerte sich auch Senator Lee Zeldin aus New York, auch er ein Republikaner: Dieses Video stehe nicht für die Würde des Amtes und das vorbildliche Rollenmodell, das der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika eigentlich abzugeben habe.

Konflikt mit den Medien verschärft sich

Für den attackierten Fernsehsender CNN meldete sich Moderator Brian Stelter zu Wort, der Trumps Tweets als Fenster in dessen Seele bezeichnete – es gehe ihm darum, seinen Aggressionen gegenüber CNN freien Lauf zu lassen.

CNN veröffentlichte eine Erklärung, in der es wörtlich heißt: Es ist ein trauriger Tag, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Gewalt gegen Reporter fördert, Zitat Ende. Anstatt sich auf seine Reise nach Europa vorzubereiten und auf sein erstes Treffen mit Vladimir Putin auf dem G 20 Gipfel in Hamburg, lege er ein unreifes Verhalten an den Tag, das weit unter der Würde seines Amtes liege.

Donald Trump selbst hatte am Vorabend in einer Rede vor Veteranen in Washington nochmals seinen ganzen Hass auf die Medien zum Ausdruck gebracht. Sie hätten versucht, ihn auf dem Weg ins Weiße Haus zu stoppen, sagte er. Aber jetzt sei er Präsident und nicht sie.

Der Konflikt mit den Medien hatte sich in den vergangenen Tagen dramatisch verschärft, nachdem er zwei Moderatoren des Fernsehsenders MSNBC persönlich angegriffen hatte. Moderatorin Mika Brezinski beschimpfte er als "verrückte Mika mit dem niedrigen IQ". Moderator Joe Scarborough verunglimpfte er als "Psycho Joe", als Psychopathen.

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