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StartseiteAndruck - Das Magazin für Politische LiteraturNYT-Reporter schreibt über Beziehungen zur Deutschen Bank17.08.2020

Trumps geheime FinanzenNYT-Reporter schreibt über Beziehungen zur Deutschen Bank

Die Geheimnisse um Donald Trumps Finanzen nähren zahlreiche Spekulationen. Immer wieder geht es um die Frage nach möglichem Einfluss russischer Oligarchen. Und Teil dieser Spekulationen ist die Deutsche Bank. "New York Times"- Reporter David Enrich hat dazu lange recherchiert.

Von Thilo Kößler

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Buchcover: David Enrich: "Dark Towers. Deutsche Bank, Donald Trump und eine Spur der Verwüstung"; Redline Verlag Im Hintergrund: Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main  (Buchcover: Redline Verlag; Hintergrund: dpa/Andreas Arnold )
Geschäfte im Verborgenen? David Enrich ist Donald Trump und der Deutschen Bank auf der Spur. (Buchcover: Redline Verlag; Hintergrund: dpa/Andreas Arnold )
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David Enrich heißt der Reporter, den die New York Times auf Donald Trump und dessen Geschäftsbeziehungen mit der Deutschen Bank angesetzt hat. David Enrich versucht seit Jahren, Licht in das Dunkel jener Kredite der Deutschen Bank zu bringen, die bis heute auch zwei Ausschüsse des Kongresses und den Generalstaatsanwalt von New York City beschäftigen.

  (picture alliance / photoshot) (picture alliance / photoshot)David Enrich - Der Mann, den die "New York Times" auf die Deutsche Bank angesetzt hat Der Journalist David Enrich hat über die Geschäftsbeziehungen der Deutschen Bank mit US-Präsident Donald Trump recherchiert. Er kam für die "New York Times" an brisante Informationen, die Trump umgehend zu Dementi-Tweets veranlassten. Eine wichtige Quelle ist eine ehemalige Mitarbeiterin der Bank.

Warum? Weil die Deutsche Bank die Hausbank der Familie Trump und aller Firmen der Trump Organisation ist. Der amerikanische Präsident steht noch immer mit etwa 300 Millionen Dollar bei dem Frankfurter Bankhaus in der Kreide. Er bekam die Kredite zu einem Zeitpunkt, als amerikanische Banken ihm wegen seiner Geschäftspraktiken schon längst keinen Cent mehr gaben.

Die Deutsche Bank dienst als Decoder der Trump-Geschäfte

Das macht die Deutsche Bank zum Dreh- und Angelpunkt der Ermittlungen der Staatsanwälte. David Enrich nennt sie den "Rosetta-Stein", also den Decoder zum Verständnis des Firmenkonsortiums Donald Trumps. Die Deutsche Bank ist im Besitz der Steuererklärungen, die Donald Trump der Öffentlichkeit vorenthält; sie ist im Besitz der wesentlichen Finanzdokumente seiner selbst, seiner Familie und aller Beteiligten seiner Firmen. David Enrich sagte dem Deutschlandfunk im Mai letzten Jahres, dass der Kongress eine Menge aus den Bankunterlagen erfahren könnte.

Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen Deutscher Bank und Donald Trump: Warum bekam Trump die Kredite, obwohl die Bank bereits schlechte Erfahrungen mit ihrem Großkunden gemacht hatte – weshalb Trump bei der Bank in Frankfurt bereits als persona non grata galt? Doch die fraglichen Kredite über insgesamt 350 Millionen Dollar wurden über die Private Equity Branch der Deutschen Bank in New York abgewickelt. Zu Konditionen, für die sich Staatsanwälte und Kongress gleichermaßen interessieren. Ihr Verdacht lautet, dass Trump möglicherweise zahlungskräftige Bürgen aufbot. Waren es russische Oligarchen? Ist vorstellbar, dass Donald Trump von russischen Geldgebern abhängig ist?

Auch David Enrich kann diese Frage nicht beantworten. Er habe keinerlei Belege für diese These gefunden, sagt er – was nicht heiße, dass sie nicht dennoch stimme.

Das US-Geschäft der Deutschen Bank

Der "New York Times"-Journalist David Enrich (David Enrich privat)Der "New York Times"-Journalist David Enrich (David Enrich privat)Um Belege dafür zu liefern, dass diese These dennoch plausibel ist, zeichnet David Enrich den Weg der Deutschen Bank in den USA nach. Die Entscheidung Ende der 1980er-Jahre, vom "stolzen Nationalsymbol", wie Enrich schreibt, zum internationalen Player an der Wall Street zu werden, sei ein Paradigmenwechsel in der Geschäftspolitik gewesen:

"Bald schon stand sie in Konkurrenz zu den abgebrühten US-Investmentbanken, handelte mit Aktien und Anleihen und verhökerte komplexe Finanzprodukte aller Formen und Größen. Das Machtzentrum verlagerte sich von Frankfurt und Berlin nach London und New York."

Der Schritt auf das New Yorker Börsenparkett und in den Handel mit hochriskanten Papieren, Fonds und Derivaten sei mit einem dramatischen Kulturwechsel verbunden gewesen, schreibt David Enrich. Er ging einher mit "mit Gier, Schlamperei, Hybris und Kriminalität", so wörtlich:

Die Deutsche Bank "war bald in Geldwäscheskandale verwickelt, Steuerhinterziehung, Zinsmanipulation, Preismanipulation von Edelmetallen, Manipulation der Währungsmärkte, Bestechung von ausländischen Offiziellen, Bilanzbetrug, Verstoß gegen internationale Sanktionen […]. Die Liste ist endlos."

Die Russland-Beziehungen

Dieser Kulturwandel ist untrennbar mit dem Namen Josef Ackermann verbunden. David Enrich erklärt diesen Banker aus dem Schweizerischen Walenstadt quasi zur Nemesis der Deutschen Bank:

"Nun waren es die shareholder und allein die shareholder, die wirklich zählten […]. Die Priorität bestand darin, kurzfristige Profite zu maximieren. […] Bald war es nicht ungewöhnlich für die Toptrader, 30 Millionen Dollar Bonus am Jahresende einzustreichen."

Zu dieser Kultur der Geldvermehrung um jeden Preis gesellte sich Ackermanns Affinität zu Russland:

"‘Wir müssen ein europäisches Haus bauen und Russland ist ein Teil davon‘, schwärmte Ackermann. In Wahrheit lockten Russlands schnell wachsende und wenig regulierte Märkte mit der Möglichkeit ungebremster Profite."

Die Deutsche Bank reüssierte nicht nur in New York, sondern auch in Moskau – und schreckte nicht vor illegaler Geldwäsche im Auftrag russischer Oligarchen zurück. Das trug der Bank später Strafzahlungen in Höhe von 670 Millionen Dollar ein.

Diese Russland-Kontakte der Deutschen Bank sind ein Grund, weshalb hinter Donald Trumps Millionenkrediten russische Geldgeber vermutet werden: Die Hausbank Donald Trumps war führend im Russlandgeschäft und hatte sich immer wieder einmal darum bemüht,

"reiche Russen für die Trump-Projekte zu interessieren, zumindest laut Aussage der Leute, die an diesen Deals beteiligt waren."

Die Deutsche Bank, die Russland-Connection und die Trump-Kredite: Ist das das magische Dreieck bei der Aufdeckung der Trump-Finanzen und der gesamten Russland-Affäre? Standhaft verweigert der Präsident jede Einsicht in seine Unterlagen.

Schwierige Quellenlage

Allerdings fällt bei der Lektüre dieser und anderer Passagen auf, dass David Enrich ein Problem mit seinen Quellen hat. Die Informanten bleiben in der Regel anonym. Nur auf eine einzige ehemalige Mitarbeiterin in der bankinternen Abteilung für Finanzdelikte in Jacksonville/Florida kann sich Enrich namentlich berufen. Und auf Val Broeksmit, den Sohn eines ehemaligen Top-Traders und späteren Leiters einer Schlüsselabteilung für das Amerika-Geschäft. Er hatte unter dubiosen Umständen Suizid begangen, aber jede Menge geschäftlicher Dokumente hinterlassen. Doch Val ist kein zuverlässiger Zeuge aus erster Hand - er ist drogenabhängig, ein Aufschneider und Wichtigtuer. Und: Er treibt Handel mit den Dokumenten seines Vaters, die sich als nicht besonders ergiebig erweisen.

Sie liefern aber doch Hinweise auf Geschäfte mit russischen Oligarchen – abgewickelt über die Bank of Cyprus in Strovolos bei Nikosia. Zypern ist gewissermaßen Russlands finanzieller Flugzeugträger in der EU. Und die Bank of Cyprus war bekanntermaßen eine Art Waschmaschine für unsaubere Gelder aus Russland.

Bis zu Trumps Amtsantritt hieß der stellvertretende Chairman der Bank Wilbur Ross. Er ist heute Trumps Handelsminister. 2015 sorgte Ross dafür, dass ein Mann mit exquisiten Russland-Kontakten zum Chairman der Bank of Cyprus gewählt wurde: Josef Ackermann. David Enrich sieht diese Hinweise zwar. Aber er geht der Spur nicht nach.

Bleibt zu sagen, dass die Geschäftsbeziehungen mit Donald Trump für die Deutsche Bank spätestens mit dessen Wahl zum Präsidenten zu einer schweren Belastung geworden sind. Und Trumps verborgene Steuer- und Finanzunterlagen könnten noch rechtzeitig vor dem Wahltermin am 3. November zu einer "October-surprise", einer unangenehmen Oktober-Überraschung für ihn werden. Dann hätte Donald Trump ein ernstes Problem. Und das Buch von David Enrich wäre nur noch Makulatur.

David Enrich: "Dark Towers. Die Deutsche Bank, Donald Trump und eine Spur der Verwüstung",
Redline Verlag, 382 Seiten, 24,99 Euro.

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