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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Ode an den nationalistischen Eigennutz24.09.2019

Trumps Rede vor der UNOEine Ode an den nationalistischen Eigennutz

US-Präsident Donald Trumps Rede vor den Vereinten Nationen sei eine einzige Absage an die multilaterale Weltordnung gewesen, kommentiert Thilo Kößler. Man dürfe aber nicht übersehen, dass sein Vortrag vor allem an die heimische Klientel gerichtet war. Denn da stehe Trump enorm unter Druck.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump spricht vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York und lächelt (dpa / UPI Photo / John Angelillo )
US-Präsident Donald Trump spricht vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen (dpa / UPI Photo / John Angelillo )
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So böse die Miene, so grimmig die Botschaft: Donald Trump hat in seiner Rede zur Eröffnung der Generalversammlung der UNO seine America-first-Doktrin in den Mittelpunkt gestellt und allen Nationen angeraten, ihm auf diesem nationalistischen Wege zu folgen. Damit hat er einmal mehr den exakten Gegenentwurf zur Idee der Vereinten Nationen geliefert – seine Rede war eine einzige Absage an die multilaterale Weltordnung und eine Ode an den nationalistischen Eigennutz.

Dass er mit diesem Rückgriff auf das Konzept der Nationalstaaten des späten 19. Jahrhunderts einem eklatanten Irrtum aufsitzt, scheint weder ihn noch seinen Beraterstab zu stören: Ob beim Klima, bei der nuklearen Aufrüstung, beim internationalen Handel oder irgendeinem anderen brennenden Thema in dieser vernetzten, globalisierten Welt – mit krudem Nationalismus ist all dem nicht mehr beizukommen. Die Welt ist eben deshalb in so einem kläglichen Zustand, weil im Windschatten dieses eigenmächtigen Spalters und Störers im Weißen Haus zunehmend jeder tut, was er für richtig hält: Der Iran und Nordkorea rüsten atomar auf. China unterläuft die Handelsregeln. Saudi-Arabien tritt ungestört die Menschenrechte mit Füßen. Die Probleme sind nur noch gemeinsam zu bewältigen. Die Ordnung ist nur mit multilateralen Ansätzen aufrecht zu erhalten, dem Klimawandel nur unter Beteiligung der gesamten internationalen Staatengemeinschaft beizukommen.

Die Kanzlerin setzt alles auf eine Karte

Dass Donald Trump just dieses große Thema der Vereinten Nationen und ihre Anstrengungen zur Vermeidung einer Menschheitskrise nicht ansprach, war nur eine der vielen Provokationen, die Donald Trump im Habitus eines Lord Voldemort vortrug. Trump teilte in alle Richtungen aus – China, Venezuela, Afghanistan. Und natürlich Iran. Immerhin drohte Donald Trump nicht mit Krieg, sondern lediglich mit weiteren Sanktionen, nachdem nun auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien den Iran als Schuldigen der jüngsten Anschläge auf saudische Öleinrichtungen ausgemacht haben. Ob das als gutes Omen für die Begegnung zu sehen ist, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande der Generalversammlung zwischen Donald Trump und Irans Präsident Hassan Rohani arrangiert hat, wird sich erst noch zeigen. Jedenfalls setzt die Kanzlerin alles auf eine Karte, um in diesem brandgefährlichen Konflikt zu deeskalieren.

Bei allem darf nicht übersehen werden, dass die Rede Donald Trumps sich vor allem an die heimische Klientel gerichtet hat. Donald Trump befindet sich im Wahlkampf und da ist ihm auch die Rednerbühne der Vereinten Nationen nur recht. Allerdings war der Mimik des Präsidenten anzusehen, unter welchem politischem Druck er steht: Die Demokraten prüfen immer ernsthafter ein Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump. Die Beweise dafür, dass er versuchte, den ukrainischen Staatschef und damit einmal mehr eine ausländische Macht gegen seine politischen Widersacher zuhause in Stellung zu bringen, sind evident. Doch noch ist der Wunsch der Vater des Gedankens, dass Donald Trump heute vor den Vereinten Nationen seine Abschiedsrede gehalten hat.

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