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TürkeiExperten zufolge ist die Meeresschleim-Plage noch nicht vorbei: Das Marmarameer wird zum "toten Meer"

Das türkische Marmarameer ist von einer durch Algen ausgelösten Schleimplage befallen.  (dpa / Hüseyin Aldemir)
Eine Aufnahme von Anfang Juni zeigt die von einer durch Algen ausgelöste Schleimplage im türkischen Marmarameer - inzwischen ließ die Regierung den Schleim oberflächlich abschöpfen. (dpa / Hüseyin Aldemir)

Experten zufolge ist die Schleimplage im türkischen Marmarameer nicht überstanden.

Auch wenn die Regierung in Ankara Teile des Schleims von der Wasseroberfläche des Binnenmeeres abschöpfen ließ, setzten sich Bestandteile über kurz oder lang am Meeresboden ab, warnte der Professor für Wasserressourcenmanagement, Mustafa Sari. Die schleimige Masse ist ein Ausscheidungsprodukt bestimmter Algen. Sari führte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur aus, die abgesunkenen Schichten begännen, sich zu zersetzen. Dabei werde unter anderem Sauerstoff im Wasser verbraucht, was wiederum die Bildung von neuem Meeresschleim befördere.

Die Hydrobiologen Levent Artuz betonte, in dem Ökosystem des Marmarameeres seien insgesamt bereits 60 Prozent der Spezies verschwunden. Das Abschöpfen des Schleims hält auch er für unzureichend: Die Einleitung unbehandelten Abwassers müsse sofort gestoppt werden, forderte Artuz. Nach drei Jahrzehnten intensiver Verschmutzung sei das Marmarameer inzwischen ein totes Meer. Er hoffe, den umliegenden Gewässern drohe nicht eine ähnliche Zukunft.

Der Meeresbiologe Ekin Akoglu sieht besonders für Organismen, die auf dem Meeresboden leben gravierende Folgen. Das Wachstum von Muscheln werde verlangsamt, weiche Korallen könnten von Schleim bedeckt nicht ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, nämlich das Wasser zu filtern, sagte er. Auf lange Sicht nehme durch den fehlenden Sauerstoff auch das Zooplankton im Wasser ab, von dem sich viele Fische ernähren.

Im Mai diesen Jahres war die Schleimkatastrophe deutlich sichtbar im Marmarameer ausgebrochen. Der Schleim trieb an vielen Stellen an der Oberfläche, wurde an Küsten gespült und machte Fischern zeitweise das Fischen unmöglich. Die Algen vermehren sich laut Experten etwa durch höhere Temperaturen, unbehandeltes Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird und geringe Fließgeschwindigkeit.