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StartseiteVerbrauchertippStrafbar und gefährlich26.07.2018

Tunen von E-BikesStrafbar und gefährlich

Wer E-Bikes aufrüstet, macht sich strafbar und riskiert nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der anderen Verkehrsteilnehmer. Und im Fall eines Unfalles haftet der Fahrer mit seinem Privatvermögen.

Von Katharina Peetz

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In Hamburg am Hafen fährt eine Familie mit ihren E-Bikes. (imago stock&people)
"Das Tunen von Pedelecs ist kein Kavaliersdelikt": Wenn man die Geschwindigkeitsbegrenzung von E-Bikes mit Tuning aufhebt, ist man mit einem Kfz unterwegs (imago stock&people)
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Bis zu 25 km/h schnell sind Radfahrer auf einem normalen Pedelec unterwegs. Ist diese Geschwindigkeit erreicht, wird der Motor, der beim Treten unterstützt, gedrosselt. Eigentlich.

Denn im Internet finden sich vielfach Anleitungen, wie man die Elektro-Räder tunen, also schneller machen kann. Die erforderlichen Bauteile wie Computer-Chips oder Aufsätze gibt es ebenfalls online zu kaufen. Thomas Müther vom ADAC Nordrhein erklärt, wie die Räder manipuliert werden.

"In den meisten Fällen geht es darum, die Software zu manipulieren. Das bedeutet vorzugaukeln, dass der Fahrer mit einer wesentlich geringeren Geschwindigkeit unterwegs ist. Zum Beispiel schlicht den angezeigten Tacho-Wert dann auch zu halbieren und schon hilft das Fahrrad, das Pedelec, das eigentlich bis 25 km/h unterstützt wird, theoretisch bis Tempo 50 nach."

Unterwegs ohne Pflichtversicherungsschutz 

Der Verkauf dieser Bausätze ist legal. Und auf privatem Grundstück dürfen getunte Pedelecs auch fahren. Wer aber im öffentlichen Raum mit einem manipulierten Elektro-Fahrrad unterwegs ist, muss nicht nur mit einem Bußgeld rechnen. Er macht sich möglicherweise sogar strafbar, erklärt Michael Beyer von der Polizei Bonn.

"Das Tunen von Pedelecs ist kein Kavaliersdelikt, da können auch Straftaten im Raum stehen. Denn durch das Tunen, das ist ähnlich wie bei einem Mofa-Tuning, kann man dieses Pedelec auch zu einem Kraftfahrzeug machen. Also es ist rechtlich dann kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug, und müsste dann auch zugelassen werden, müsste auch versichert werden. Das heißt, man würde dann ein Kraftfahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr bewegen, ohne einen Pflichtversicherungsschutz zu haben. Und man müsste für dieses Kraftfahrzeug dann auch einen Führerschein haben."

Der Schutz der Privathaftpflichtversicherung erlischt bei einem getunten Pedelec. Kommt es zu einem Unfall, haftet der Fahrer mit seinem Privatvermögen. Gefahr besteht nicht nur für den Fahrer selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer, erklärt Thomas Müther vom ADAC.

Fahrrad-Bauteile sind nicht auf hohe Geschwindigkeit ausgelegt

"Zum einen rechnen die anderen Verkehrsteilnehmer ja gar nicht damit, dass jemand auf dem Radweg ankommt, der quasi fast so schnell ist wie ein Auto. Das erhöht vor allem die Unfallgefahr, gerade in Kreuzungssituationen ist das ein großes Problem. Zum anderen sind die Bauteile der Pedelecs, zum Beispiel Bremsen, Gabeln, Lenker, überhaupt nicht auf die höheren Geschwindigkeiten ausgelegt. Das bedeutet, man riskiert sowohl seine eigene Sicherheit, als auch die der anderen Verkehrsteilnehmer."

Fahren ohne Führerschein, Verlust der Versicherung und Nutzung ohne Betriebserlaubnis - diese Liste ist lang, aber noch nicht vollständig. Denn auch die Garantie des Herstellers erlischt, wenn das Pedelec manipuliert worden ist.

Michael Beyer erklärt, wie die Polizei getunte Räder aus dem Verkehr zieht.

"Es ist natürlich grundsätzlich erst mal schwierig, ein Pedelec, ein getuntes Pedelec, von außen so zu identifizieren, natürlich erkennt man das an der höher gefahrenen Geschwindigkeit. In der Regel werden diese Verkehrsteilnehmer dann angehalten, und wenn wir den Verdacht haben, dass dort etwas technisch verändert wurde, wird das Fahrzeug sichergestellt und im Anschluss von einem Sachverständigen untersucht."

Wer gerne schneller mit dem Elektro-Fahrrad unterwegs sein will, kann sich ein so genanntes Speed Pedelec zulegen: Es ist für Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h gebaut. Mit Helm, Führerschein, Zulassung und Versicherung steht dem schnelleren Fahrspaß auf der Straße nichts mehr im Weg.

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