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StartseiteKommentare und Themen der WocheStartschuss für den Generationenwechsel28.06.2019

TV-Debatte der US-DemokratenStartschuss für den Generationenwechsel

Bei der TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten könnte der Startschuss für den ersehnten Generationswechsel innerhalb der Partei gefallen sein, meint Philipp May. Gegen einen unverbrauchten Hoffnungsträger würde es auch Donald Trump ungleich schwerer haben.

Von Philipp May

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Senatorin Kamala Harris, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, während der ersten TV-Debatte der Kandidaten in Miami (Cliff Hawkins /AFP / GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
Hoffnungsträgerin der Demokraten: Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris (Cliff Hawkins /AFP / GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
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20 Präsidentschaftskandidaten in zwei Tagen - jeweils zur besten Sendezeit im Fernsehen. Das war ein noch nie dagewesenes, durchaus spannendes Experiment. Und es ehrt die demokratische Partei, dass sie wirklich nur die hintersten aller Hinterbänkler im Vorfeld aussortiert hatte. Alle sollten zumindest einmal die Chance erhalten, sich im nationalen Fernsehen zu zeigen.

Noch immer schütteln sich die Demokraten, auch fast drei Jahre nach Trumps überraschendem Wahlsieg. Aber: Die Partei ist auch vitalisiert. Das ist ja auch der Grund, warum zwei Dutzend Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen haben. Doch genau jetzt ist es auch Zeit, dieses Experiment zu beenden. Nach diesen zwei Debatten ist klar, welche Kandidaten dafür in Frage kommen, es mit Donald Trump aufzunehmen. In ungeordneter Reihenfolge: Biden, Sanders, Warren, Harris, Buttigieg, Castro. Auf dieses Feld sollten sich die Debatten von nun an konzentrieren.

Linksruck kaum ein taugliches Mittel

Denn die demokratischen Wählerinnen und Wähler haben noch wichtige Fragen bis zu den ersten Vorwahlen im Januar zu klären. Eindeutig ist die Partei nach links gerückt seit der letzten Präsidentenwahl. Doch wie weit wollen Sie dabei gehen? Ist das jetzt wirklich die richtige Zeit, mit aus US-Sicht geradezu radikal anmutenden sozialdemokratischen Ideen in das Duell mit Trump zu ziehen? Gewinnt man damit wirklich die demokratischen Wähler im Rust Belt zurück, die vor vier Jahren zu Trump übergelaufen sind? Oder verschreckt man damit nicht eher Wähler der moderaten Mitte?

Und noch eine Frage muss spätestens seit letzter Nacht dringend gestellt werden: Können in diesen Zeiten der gigantischen Umbrüche durch Digitalisierung und Klimawandel wirklich zwei fast 80-Jährige die Hoffnungsträger der amerikanischen Opposition sein? Der moderate Joe Biden, 76, und der linke Bernie Sanders, 77, gingen als Umfragen-Könige in die erste demokratische Debatte, doch sie wirkten im Vergleich mit anderen Kandidaten fast schon wie aus der Zeit gefallen. Die 54-jährige afroamerikanische Senatorin aus Kalifornien, Kamala Harris und der erst 37-jährige Kleinstadt-Bürgermeister Pete Buttigieg waren durchdachter, wacher und zukunftsgewandter in ihrer Argumentation.

Partei braucht Generationswechsel

Gut möglich, dass der Startschuss für den ersehnten Generationswechsel innerhalb der demokratischen Partei in dieser Nacht gefallen ist. Ein Startschuss, der es übrigens auch Donald Trump schwerer machen würde. Egal, wen die demokratische Partei gegen ihn am Ende ins Rennen schickt, Trump wird mit hoher Sicherheit versuchen, kübelweise Schmutz über dem Gegenkandidaten auszukippen. Doch gegen einen unverbrauchten, jungen Hoffnungsträger, der noch als Projektionsfläche für die Wünsche vieler taugt, wird er es ungleich schwerer haben. Er könnte am Ende ebenso alt aussehen wie gestern Biden und Sanders.

Philipp May (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré) (Deutschlandradio/ Bettina Fürst-Fastré)Philipp May wurde 1980 in Schleswig geboren. Er studierte Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule in Köln mit dem Schwerpunkt Medien und Kommunikation. Nach diversen journalistischen Stationen in Deutschland und Australien volontierte er bei Antenne Bayern. Seit März 2011 ist er Redakteur und Moderator beim Deutschlandfunk; erst in der Sportredaktion, jetzt im Zeitfunk.

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