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StartseiteInformationen am MorgenAttacke versus Themen29.09.2020

TV-Duell zwischen Trump und BidenAttacke versus Themen

Coronakrise, Steueraffäre, gesunkene Umfragewerte: US-Präsident Donald Trump hat eine schlechtere Ausgangsposition im ersten Fernsehduell. Er wird seinen Herausforderer vermutlich hart angreifen und persönlich attackieren – Joe Biden hingegen auf Themen setzen.

Von Thilo Kößler

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Donald J. Trump und Joe Biden vor US-Flagge (Fotomontage) (picture alliance/Geisler-Fotopress)
Joe Biden bereitet sich seit Tagen auf das TV-Duell mit dem US-Präsidenten vor. Donald Trump dagegen nicht. (picture alliance/Geisler-Fotopress)
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Joe Biden weiß, was auf ihn zukommt: Donald Trump werde angreifen und versuchen, ihn als Verfechter linker Thesen zu attackieren. Biden weiß, dass Trump auch nicht davor zurückschrecken wird, persönlich zu werden und ihn als Kandidaten darzustellen, der mental nicht mehr auf der Höhe ist und deshalb ungeeignet für das Amt des Präsidenten. Trump bezeichnet Joe Biden abfällig als "sleepy Joe", als verschlafenen Joe. Und dieser Tage behauptete Trump ohne jeden Beleg, Biden nehme leistungssteigernde Medikamente, sonst wäre er dem Stress gar nicht mehr gewachsen. 

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Biden seit Tagen in Vorbereitung

Donald Trump hat sich nach eigenem Bekunden überhaupt nicht auf diese Debatte vorbereitet. Biden hingegen hat sich ein paar Tage zurückgezogen, um sich ganz auf das erste Duell auf dem Campus der Case Western Reserve University von Cleveland zu konzentrieren. Mehrfach setzte sich Biden Übungsduellen aus, wobei sein Berater Bob Bauer den Präsidenten mimte. Dabei kann man sich gar nicht auf ein Duell mit Donald Trump vorbereiten, sagt David Plouffe, der ehemalige Wahlkampfleiter von Barack Obama: Er sei viel zu unberechenbar. Joe Biden müsse auf alles gefasst und sehr flexibel sein.

Coronakrise wird Bidens zentrales Thema

Dabei hat sich Donald Trump mit seiner Strategie, Joe Biden abzuwerten und zu diskreditieren, vermutlich ein Bein gestellt, heißt es im Team der Demokraten: Er selbst habe dafür gesorgt, dass die Erwartungen an Joe Biden jetzt ganz tief hängen. Biden müsse versuchen, sich nicht von Donald Trump in die Defensive drängen zu lassen. Er solle nicht auf Provokationen eingehen und sich stattdessen ganz auf die großen Themen konzentrieren, sagt Kate Bedingfield, Bidens Wahlkampfmanagerin. Die zentrale Botschaft: Die Coronakrise sei Trumps Krise. Er habe sich als unfähig erwiesen, das Virus unter Kontrolle zu bringen.

Biden hingegen haben einen Plan: Er wisse, wie man mit dem Virus umgehen müsse und welche Maßnahmen getroffen werden müssten, damit die Kinder wieder zur Schule gehen können.

Trump mit schlechteren Umfragewerten muss angreifen

Trumps Hauptbotschaft hingegen werde sein, dass Joe Biden der Büttel der extremen Linken innerhalb der Demokratischen Partei sei, sagt Trumps Kommunikationsdirektor Tim Murtaugh: Biden plädiere für einen New Green Deal und plane Steuererhöhungen.

Indes dürfte die Wirtschaftskompetenz Donald Trumps, die er stets als schlagendes Kriterium für sich in Anspruch genommen hatte, mit der Teilveröffentlichung seiner Steuerunterlagen durch die New York Times Schaden genommen haben: Plötzlich steht Donald Trump als hochverschuldeter Finanzhasardeur mit bedenklicher Steuermoral da. Überhaupt ist der Amtsinhaber in dieser Schlussphase der Fernsehduelle in der schlechteren Position: Er muss die Bilanz seiner Amtszeit verteidigen. Und weiß, dass er in den Umfragen Joe Biden um sieben bis acht Prozent hinterherhinkt. Trump müsse jetzt angreifen, sagt David Plouffe, der Ex-Berater Obamas: Er muss an diesem Dienstag versuchen, das Ruder herumzureißen.

Wichtigstes Ereignis in diesem Wahlkampf

Allerdings zeigt die Geschichte der Fernsehdebatten, dass sie nur in ganz seltenen Fällen das Blatt gewendet haben – 1960 etwa bei dem berühmten Duell zwischen dem schwitzenden, unrasierten Vize-Präsidenten* Richard Nixon und dem jugendlich wirkenden John F. Kennedy. Allerdings schätzt David Plouffe das heutige Duell als das wichtigste Ereignis im noch verbleibenden Wahlkampf bis zum 3. November ein.

*Die Amtsbezeichnung wurde nachträglich korrigiert.

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