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TV-Hommage zu Ottos 70. GeburtstagGeheimakte Otto Waalkes

Viele seiner Sketche und Geräusche gehören längst zur Popkultur und können nicht nur von Fans auswendig rezitiert werden. Am Sonntag wird Otto Waalkes 70 Jahre alt und das ZDF würdigt den Komiker mit einer besonderen, nicht ganz ernst gemeinten Dokumentation.

Von Achim Hahn

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Otto Waalkes im Dezember 2017 in Düsseldorf beim "Deutschen Nachhaltigkeitspreis" (imago/Lumma Foto)
Otto Waalkes im Dezember 2017 in Düsseldorf beim "Deutschen Nachhaltigkeitspreis" (imago/Lumma Foto)
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"Waalkes, Otto. Geboren in Emden, Ostfriesland. Eltern zwei. Beide kriminell. Hauptverdächtiger in Sachen Komik in Tateinheit mit ruhestörendem Talent. Seit mehr als einem halben Jahrhundert erfolgreich auf der Flucht vor dem Misserfolg. Erfolgsgeheimnis: unbekannt."

Alles fängt an wie eine der üblichen ZDF-History Dokus mit Guido Knopp: "Liebe Zuschauer willkommen. Heute sind wir einem tiefverwurzeltem Geheimnis auf der Spur." Es geht um einen der größten Humordienstleister des deutschen Fernsehens. Denn dort wurde er erst richtig populär.

"Dann schalten wir jetzt um nach Ostfriesland. Zu Otto." Hier beginnt die Suche nach der Antwort auf die Frage aller Fragen: was ist das Geheimnis seines Erfolges? Einer will es genau wissen: "Hallo. Hier spricht Harry Hirsch." Eine der Hauptfiguren aus dem Figurenarsenal des Komikers, rasender Reporter mit zeitloser Prinz Heinrich Mütze und ebensolchem ewigmodischem Trenchcoat. "Ich nehme Ottos Erfolgsspur auf."

Otto spielt seine Biografie nach

Man könnte auch sagen: Otto spielt seine Biografie nach, ohne Gewähr, aber mit viel TV-Archiv-Konservenkost und jeder Menge Insiderwissen. Denn geschrieben wurde "Geheimakte Otto Waalkes" von Bernd Eilert. Langjähriger Weggefährte von Otto, Koautor seiner Bühnenprogramme und Drehbuchautor seiner Kinofilme.

"Wir sagen Otto - ich sag Watt? Wir sagen Otto - ich sag Watt?- Watt hat dat Watt wat dat Watt nur hat? - Watt." Auf der Suche nach den Wurzeln von Ottos Humor wird eben tief gegraben. "Wie vollzog sich Ottos Aufstieg in den Komikerolymp wirklich?"

Tiefer Blick ins Otto-Universum

Es geht um Ottos vermeintliche Kindheitserfahrungen oder um religiöse Erweckungserlebnisse; Alptraumtherapeuten werden zu Rate gezogen, eingeborene Ostfriesen befragt wie auch Sportreporter, eine Boulevard-Enthüllungsjournalistin oder Zwerge. Szenenausschnitte aus frühen Bühnenprogrammen werden in Spielszenen eingewoben, alte Spielfilme - viel Edgar Wallace - werden mit neu gedrehten Szenen verschnitten und auf die Otto-Spur gebracht. Ein wildes Gemenge aus Spekulation, Mutmaßung, falschen Fährten, gespickt mit realen Daten, die man aber nur herausfiltern kann, wenn man sich etwas in Ottos Œuvre auskennt.

"Doch Ottos Erfolgsweg führt weiter. Die Einschaltquoten seiner eigenen TV-Shows gehen durch die Decke. Kaum zwei Jahre später ist er auf dem Gipfel des Ruhms angekommen." Zeitgleich zur Otto Show: das WM Finale 1974 - vor leeren Rängen. Bertie Voigts attestiert den Wahrheitsgehalt im Interview: "Du spielst um die WM und keiner schaut zu. Du gewinnst sogar, aber keine Reaktion im Stadion. Kein Torschrei. Gar nichts. Totenstille! Alle sitzen zuhause vor dem Fernseher und wollen lieber die Otto Show sehen. Wir eigentlich auch."

"Er war Traumtänzer und ist Traumtänzer"

"Hat der Ruhm ihn verändert?" Detlev Buck: "Er ist sich treu geblieben. Er war Traumtänzer und ist Traumtänzer." Und auch Schauspielerin Ulrike Kriener oder die Comedians "Maddin" Schneider und Hans Werner Olm sind quasi als Zeitzeugen gefragt. Sogar Bums und Sid aus Ice Age als Handfiguren. Otto war die Synchronstimme von Sid.

"Und wie ist er dann berühmt geworden? - Naja, er ist entdeckt worden? - Wie Amerika? - Nee. da weiß man wenigstens, wer es entdeckt hat. - Wer denn? - Weiß ich doch nicht. Bei Otto lief es anders."

Ein Wiedersehen mit Ottos unvergleichlichem Blödel-Talent

Genau wie diese Fake-Doku, die vor allem eins ist: ein Wiedersehen mit Ottos unvergleichlichem Blödel-Talent, seinen Kalauern und Wortspielen, den Geräuschen und der Körpersprache, den Ottifanten, Werbeparodien, Liedern und Musikvideo-Covern aus Otto-Filmen, wie etwa die Zombie-Apokalypse wiederauferstandener Heinos mit Sonnenbrille, Gitarre und der zentralen Botschaft: "Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich."

Nicht alles ist komisch in dieser Fake-Doku, vieles wirkt altbacken. Die Machart aber ist schnell, rasant im Schnitt, - bieder jedoch in der musikalischen Themenwahl. Und die Recherchestory ist eher dürftig und langatmig. - "Das ist ja wohl n Witz?!"

Auch wenn Otto-Kenner garantiert ihren Spaß daran haben werden, die versteckten kleinen Hinweise zu dechiffrieren und mit dem realen Leben ihres Comedyhelden in Beziehung zu setzen. Was bleibt, sind die vielleicht wieder wachgerufenen Erinnerungen an eigene Humorerlebnisse, als man noch ganze Sentenzen seiner Sketche im Hirn und das Zwerchfell jede Menge damit zu tun hatte.

"Das ist interessant!" - und dann ist da natürlich noch die Doku-Frage aller Fragen: "Deswegen meine Frage. Ist es seine Heimatverbundenheit, die Otto die Kraft gegeben hat, seit 50 Jahren nichts als Unsinn zu machen? - Nö. - Was Otto zu dem gemacht hat, was er ist - es bleibt also ein Geheimnis? - Nö!"

"Geheimakte Otto Waalkes - Harry Hirsch auf Spurensuche", Sonntag, 22. Juli 2018, um 22 Uhr im ZDF

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