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StartseiteCorsoVerstörend nah an der Wirklichkeit07.05.2019

TV-Serie "Eden" über MigrationVerstörend nah an der Wirklichkeit

Die international besetzte Serie "Eden" schildert ganz unterschiedliche Flüchtlingsschicksale. "Was viele Migranten durchmachen müssen, ist schon fürchterlich", sagte Regisseur Dominik Moll im Dlf. Bei den Recherchen traf er außerdem Menschen, die sehr zynisch Geld von Regierungen abschöpfen.

Dominik Moll im Corsogespräch mit Fabian Elsäßer

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Hinter dem Zaun warten die Lastzüge auf die Fähre nach Italien. Amare (Joshua Edoze) hofft, dass ihn einer von ihnen mitnimmt (SWR/Pierre Meursaut)
Hinter dem Zaun warten die Lastzüge auf die Fähre nach Italien. Amare (Joshua Edoze) hofft, dass ihn einer von ihnen mitnimmt (SWR/Pierre Meursaut)

Der erste Teil der Serie beginnt mit einem fast surreal wirkenden Erlebnis: An einem gut besuchten griechischen Badestrand landet ein vollbesetztes Schlauchboot an. Dann springen dunkelhäutige Erwachsene und Jugendliche ins Wasser und rennen an den verdutzten Touristen vorbei in den Wald. Es sind Flüchtlinge, die die Fahrt über das Mittelmeer überlebt haben und die sich nun vor dem Zugriff der Behörden verstecken wollen.

Fürchterliche Fälle von Ausbeutung

Andere Szenen sind noch eindrücklicher und verstörender. Etwa, wenn ein zunächst freundlich wirkender Fernfahrer einen kleinen afrikanischen Jungen in seinem LKW über die Grenze schmuggelt und dann sexuelle Gegenleistungen verlangt.

Leider stecke sehr viel Realität in solchen Filmszenen, sagte Regisseur Dominik Moll im Corsogespräch: "Was viele Flüchtlinge und Migranten durchmachen müssen, ist schon fürchterlich." Zum einen gebe es in Europa Fälle von sexueller und wirtschaftlicher Ausbeutung. Außerhalb Europas, etwa in Libyen, würden Flüchtlinge aber auch gefoltert und entführt, um Geld von ihren Familien zu erpressen. "Eden" thematisiert aber auch, wie lukrativ legale Geschäfte mit der Migration sind.

Ein zynisches Geschäft

09.04.2019, Berlin: Regisseur Dominik Moll bei der deutschen Premiere der Serie "Eden" im Kant Kino. In der neuen Serie, die Arte im Mai starten will, soll in sechs Episoden die Geschichte von Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern erzählt werden. (dpa / ZB / Jens Kalaene)Regisseur Dominik Moll bei der deutschen Premiere der Serie "Eden" (dpa / ZB / Jens Kalaene)Als Beispiel steht dafür in der Serie die Unternehmerin Hélène, gespielt von Sylvie Testud. Sie will die Menschen in ihrem privaten gemanagten Flüchtlinscamp bestmöglich versorgen, kämpft aber gleichzeitig um Subventionen und mit skrupellosen Konkurrenten.

Diesen Zwiespalt zwischen Menschlichkeit und finanziellen Interessen hat Dominik Moll bei seinen Recherchen für die Serie nach eigenen Worten nicht gefunden: "In Wirklichkeit sind wir auf Leute gestoßen, die das sehr viel zynischer durchziehen. Vor allem in Schweden, wo ein Typ ganz krass ins Geschäft eingestiegen ist, um das Geld von der schwedischen Regierung in seine Taschen zu wirtschaften und so wenig wie möglich für die Flüchtlinge auszugeben."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

"Eden" ist die erste fiktive deutsch-französische Serienproduktion und ist ab Mittwoch, 08. Mai  2019 in der ARD zu sehen. Die ersten drei Folgen sind zudem bis zum 31. Mai in der Arte-Mediathek abrufbar, die letzten drei bis zum 07. Juni.

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