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StartseiteForschung aktuellÜben für den Ernstfall30.08.2012

Üben für den Ernstfall

Vor Helsinki lief eine der größten Ölkatastrophen-Übungen aller Zeiten

Umwelt. - Tankerunglücke gehören zu den verheerendsten Unfällen auf See, lassen sich allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz nicht völlig unterbinden. Daher sind Übungen wichtig, mit denen Katastrophenschutz-Dienste testen können, ob sie mit einem eventuellen Ölteppich fertig werden. In der Ostsee hat jetzt eine solche Übung, Balex Delta, stattgefunden, mit 30 Schiffen, 500 Beteiligten und unter Beteiligung von einem Dutzend verschiedener Behörden.

Von Frank Grotelüschen

Spanisches Marinepersonal räumt Öl des gesunkenen Tankers Prestige von den Stränden Galiziens 20. November 2002 (AP)
Spanisches Marinepersonal räumt Öl des gesunkenen Tankers Prestige von den Stränden Galiziens 20. November 2002 (AP)

"Zwischen Helsinki und Tallinn ist am Montag um drei Uhr morgens ein großer Tanker mit einem anderen Schiff zusammengestoßen. Innerhalb von fünf Stunden sind 15.000 Tonnen Rohöl ausgelaufen. Dieser Ölteppich bewegt sich nun in Richtung Helsinki."

Die Nachricht klingt dramatisch. Doch zum Glück ist es nur das Szenario für eine Übung, das Kalervo Jolma beschreibt, der Kommandant von Balex Delta. Jolma beobachtet die Katastrophenübung auf einem Begleitschiff, das gerade auf der Ostsee vor Helsinki kreuzt, zwischen einer respektablen Flotte von Spezialschiffen. Diese versuchen, eines virtuellen, allerdings ziemlich großen Ölteppichs Herr zu werden.

"Dieser Ölteppich ist sieben Kilometer lang und einen Kilometer breit. Und unsere Flotte aus Ölbekämpfungsschiffen versucht im Moment, möglichst viel davon aufzusammeln."

Mit richtigem Öl zu üben, verbietet sich von selbst – das wäre viel zu riskant für die Umwelt. Stattdessen haben die Experten ein wenig Torf ins Wasser gestreut, um zumindest ansatzweise die Ausmaße des Ölteppichs zu simulieren. Jetzt fährt das Begleitschiff auf zwei Schlepper zu, die gerade dabei sind, einen kilometerlangen, luftgefüllten Gummischlauch in die Breite zu ziehen. Es ist eine Ölsperre. Sie soll verhindern, dass der virtuelle Ölteppich auf eine unbewohnte Insel zutreibt, sagt Marku Rissanen, Feuerwehrchef bei der Rettungsbehörde Helsinki.

"Wie Sie sehen, braucht es ziemlich schwere Schiffe, um diese Sperre auseinanderzuziehen und an die richtige Position zu bewegen. Man benötigt kräftige Schlepper, um die Ölsperre zu verschieben, wenn der Wind dreht und den Ölteppich in eine andere Richtung treibt."

Die beiden Schlepper, die sich mit der Ölsperre abmühen, bilden nur einen der Schauplätze der Übung. Ein paar Kilometer weiter löscht ein Feuerwehrschiff gerade den Brand auf einem Tanker – natürlich auch nur eine Simulation. Und überall versuchen Spezialschiffe aus neun Ländern, mit Pumpen und speziellen Förderbändern, das Öl-Imitat von der Wasseroberfläche zu schaben, um es in ihren Bordtanks zu lagern. Rissanen:

"Während dieser Übung wollen wir die ganze Kette der Ölbekämpfung proben – von der Alarmierung bis hin Bergung des Öls. Das ist eine Herausforderung, weil mehr als 500 Leute eingebunden sind, fast 30 Schiffe, zwei Hubschrauber und ein Dutzend verschiedene Behörden."

Dann nähert sich das Begleitschiff einigen langen, dicken Tonnen, die auf der Ostsee treiben. Sie fungieren als Schwimmtanks. "Whale", also Wal, so nennt sich das noch junge System. Rissanen:

"Mit diesen Schwimmtanks lassen sich die Kapazitäten unserer Ölbekämpfungsschiffe deutlich erhöhen. Bislang mussten sie, wenn ihr Bordtank voll war, einen Hafen anlaufen, um das aufgesammelte Öl loszuwerden. Jetzt können sie dieses Öl auf hoher See in die Schwimmtanks pumpen und gleich wieder mit dem Ölaufsaugen weitermachen. Das heißt: Man spart wertvolle Zeit."

Die Experten sind zufrieden, die Übung Balex Delta läuft nach Plan. Kein Wunder, die Sicht ist gut und die See ruhig – Idealbedingungen für die Ölbekämpfung. Nur: Nicht selten passiert eine Havarie gerade bei schlechtem Wetter, sagt Bernt Stedt von der schwedischen Küstenwache.

"Dann stoßen unsere Methoden natürlich an ihre Grenzen. Unsere besten Schiffe können bei Wellenhöhen bis zu 2,5 Metern operieren. Doch bei einem Sturm können die Wellen deutlich höher werden. Und dann geht nichts mehr. Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten."

Warten auf besseres Wetter, sodass die Schiffe – wie jetzt bei der Übung in Helsinki – ausrücken und fleißig Öl aufsammeln können.

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