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StartseiteKultur heute"Man erobert sich eine verlorene Welt"18.07.2020

Über Reisen in die Vergangenheit"Man erobert sich eine verlorene Welt"

"Nah" und "fern" sind nicht nur räumliche Begriffe. Mit der Zeit rückt auch die Vergangenheit in immer weitere Ferne. Einer, der die Brücke in unsere Zeit schlägt, ist der Schriftsteller und Biograf Rüdiger Safranski. Im Dlf erklärt er sein Verhältnis zu den Menschen und Epochen, über die er schreibt.

Rüdiger Safranski im Gespräch mit Michael Köhler

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Der deutsche Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski in seinem Wohnhaus in Badenweiler (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald). (dpa/Patrick Seeger)
Rüdiger Safranski, Biograf großer Philosophen und Schriftsteller (dpa/Patrick Seeger)
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Gesprächsreihe nah und fern

Rein äußerlich, sagt Rüdiger Safranski, ist er ein Autor der Jetztzeit, der ganz normal am Computer arbeitet. Auf frühere Epochen müsse er sich vom Schreibtisch aus tief einlassen: "Diese Figuren, über die ich schreibe, verstehe ich nur, wenn ich mich von ihnen über den Tisch ziehen lasse." Man erobere sich eine verlorene Welt, in der man allerdings auch nicht Fragen von heute stellen könne, sondern solche, die man damals gestellt habe.

Ein schwäbischer Dionysos

Auch bei besonders fern wirkenden Gestalten wie Friedrich Hölderlin finde sich etwas, was sie uns nahebringe. Dass er wie andere Tübinger Studenten ein begeisterter Anhänger der französischen Revolution war, erinnerte Safranski an die 68er. Während Hölderlins Hingabe an die griechische Götterwelt ihm lange fremd und fern blieb. 

In einer Glaskugel spiegelt sich die Adriaküste, die im Hintergrund nur unscharf zu sehen ist. (imago images / Shotshop) (imago images / Shotshop)Gesprächsreihe "nah und fern" 
Nähe und Distanz sind keine feststehenden Größen. Wo das eine aufhört und das andere beginnt, empfindet jeder anders. Und jede Disziplin, jede Kunstgattung geht auf ihre Weise damit um.

Ein ebenso schwieriger, aber reizvoller Fall wäre für ihn der Dichter Eduard Mörike: Ein genialer Lyriker, gleichzeitig ein schüchterner braver Bürger. Falls Safranski über Mörike eine Biografie schreiben sollte, würde er ihn als "schwäbischen Dionysos" verewigen.

Rüdiger Safranski ist Philosoph und Literaturwissenschaftler und verfasste mehrere Biografien, unter anderem über Heidegger, Nietzsche, Schiller, E.T.A. Hoffmann. In seinem jüngsten Buch befasst er sich mit Friedrich Hölderlin.  

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