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StartseiteKultur heuteÜberfall auf ein Museum in Olympia17.02.2012

Überfall auf ein Museum in Olympia

Griechischer Kulturminister bietet Rücktritt an

In Griechenland wurde schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Museum überfallen, dieses Mal ein Museum in Olympia. "Das ist etwas, was die Griechen sehr berührt", sagt Alkyone Karamanolis.

Alkyone Karamanolis im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske

Schon der zweite Überfall in diesem Jahr aufr ein Museum. (AP)
Schon der zweite Überfall in diesem Jahr aufr ein Museum. (AP)
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Doris Schäfer-Noske: In Griechenland hat heute der Kulturminister seinen Rücktritt angeboten. Ob das Angebot allerdings angenommen wird, ist noch unklar. Hintergrund könnte jedenfalls sein, dass in Griechenland heute schon zum zweiten Mal in diesem Jahr ein Museum überfallen worden ist. Anfang dieses Jahres wurden aus der griechischen Nationalgalerie drei Bilder gestohlen, darunter ein Picasso und ein Mondrian. Diesmal galt der Überfall einem Museum in Olympia, dort sollen über 65 Kunstwerke gestohlen worden sein.

-Frage an Alkyone Karamanolis in Athen: Frau Karamanolis, was sind das denn für Kunstwerke?

Alkyone Karamanolis: Es sind 67 Gegenstände aus Kupfer und Ton, und zwar der geometrischen und der klassischen Periode. Es sind Votivgegenstände, Tongegenstände und ein Goldring der mykenischen Periode, der stammt eigentlich aus Mykene, sollte auch nach Mykene zurückgegeben werden, das ist dann aber nicht passiert, ... Museum. Es ist der einzige Goldgegenstand, der entwendet worden ist. Man muss vielleicht dazusagen, es gibt in Olympia ja das große Museum am Rande der Ausgrabungsstätte. Und es gibt das sogenannte Alte Museum, das ist ein Stückchen weiter weg, und dort, das ist überfallen worden. Und das ist der Geschichte der Olympischen Spiele gewidmet. Und die Gegenstände hatten dann auch mit den Olympischen Spielen zu tun.

Schäfer-Noske: Inwieweit sind denn solche Gegenstände überhaupt verkäuflich?

Karamanolis: Ja, ganz schwierig natürlich, weil die inzwischen - also es gab früher, so vor 20 Jahren etwa, eine ganze Reihe von Überfällen auf Museen, aber inzwischen sind die Artikel alle katalogisiert, alle inventarisiert. Es könnte sein zum Beispiel, dass das ein Auftrag war eines Sammlers, weil diese Sachen – das fragen sich im Grunde im Augenblick in Griechenland auch alle – im Grunde nicht zu verkaufen sind. Sogar die Gegenstände aus einem großen Überfall auf das Museum von Korinth, ungefähr 1990 war das oder 93, sind fast zehn Jahre später in Miami wiedergefunden worden in einer Lagerhalle, weil die einfach nicht zu verkaufen waren.

Schäfer-Noske: Was weiß man denn inzwischen über die Täter und wie sind sie vorgegangen?

Karamanolis: Die Polizei ist noch vor Ort. Es waren zwei maskierte Männer, die die Wärterin überfallen haben und die eigentlich nach Goldgegenständen gesucht haben. Dann gab es da eben nichts mehr, sie haben dann die Tongegenstände mitgenommen. Und es gibt natürlich auch die Befürchtung, nachdem sie da offensichtlich sehr rüde vorgegangen sind, dass auch einige dieser Gegenstände Schaden genommen haben könnten, wenn man sie überhaupt wiederfindet.

Schäfer-Noske: Inwieweit gibt es denn Parallelen zwischen diesen beiden Überfällen dieses Jahr?

Karamanolis: Also die Parallele, denke ich mal, ist der Personalmangel. Die Direktorin des Museums hatte auch vor einigen Monaten schon an die Öffentlichkeit appelliert und hatte gesagt, es sind ja viele Beamte die letzten Monate, die letzten Jahre in Rente gegangen und nicht ersetzt worden wegen des Einstellungsstopps im Grunde genommen – oder es gibt fast einen Einstellungsstopp im öffentlichen Sektor. Und sie hatte schon gesagt, dass sie mit dem Personal, das sie noch zur Verfügung hat, nicht zurechtkommt. Das war bekannt. Ähnlich war es ja in der Pinakothek in Athen auch, da gab es auch weniger Wärter, als anwesend hätten sein sollen. Und das hat den Dieben ihre Arbeit zumindest erleichtert.

Schäfer-Noske: Wie groß ist denn nun der Schaden, Frau Karamanolis?

Karamanolis: Also, dazu gibt es noch keine offizielle Stellungnahme, obwohl der griechische Kulturminister vor Ort ist. Es muss jetzt auch nicht unbedingt der materielle Wert sein, es ist vorstellbar, dass der materielle Wert gar nicht so hoch ist. Es sind natürlich diese Gegenstände einmal nicht zu ersetzen, das ist ganz klar, aber ich denke, was im Augenblick für Griechenland – es ist auch eine sehr große Nachricht im Augenblick in Griechenland –, was da viel wichtiger ist, ist, dass die Menschen eine sehr schwierige Zeit durchleben und natürlich die Kultur, die Geschichte, das nationale Erbe einfach einen Rückhalt bietet. Und das ist jetzt einfach ein Schlag ähnlich wie auch mit dem Tod des Filmemachers Theodoros Angelopoulos. Es war ein ganz, ganz schwieriger Zeitpunkt, zu dem diese Nachricht die Griechen ereilt hat. Und auch vor einigen Tagen bei den Randalen in Athen sind ja auch viele Kinos, also drei Kinos glaube ich, ausgebrannt und eine Buchhandlung. Das sind Sachen, die in solchen Zeiten noch schwerer wiegen und die Menschen noch stärker verunsichern, als in anderen Zeiten.

Schäfer-Noske: Gibt es denn schon erste Reaktionen auch in den Medien, vielleicht Forderungen, dass man die Sicherheiten in den Museen erhöhen muss?

Karamanolis: Ja, die gibt es, aber die verhallen relativ ungehört, weil es gibt ja diese Forderungen im Augenblick in Griechenland in ganz vielen Bereichen. Aber es ist natürlich, also es ist Nachricht Nummer eins, es ist Fernsehen und alles vor Ort, also es ist im Augenblick sehr, sehr wichtig, es war also wirklich die erste Nachricht in den Frühabendnachrichten heute auch in Griechenland. Das ist etwas, was die Griechen sehr berührt, die sowieso eine sehr enge Beziehung haben zum antiken Griechenland, also dieses nationale Erbe als sehr ihnen nahegehend empfinden. Und das ist etwas, was die Griechen im Augenblick sehr beschäftigt.

Schäfer-Noske: Alkyone Karamanolis war das über den Raubüberfall auf ein Museum in Olympia.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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