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StartseiteWirtschaft und GesellschaftPrivatbanken auf der roten Liste?06.03.2020

Übernahme von Bankhaus LampePrivatbanken auf der roten Liste?

Die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser übernimmt das Bankhaus Lampe vom Familienkonzern Oetker. Damit setzt sich ein Trend fort. Die alten Privatbanken-Namen verschwinden allmählich.

Von Brigitte Scholtes

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Der Name des Bankhauses Lampe steht am Mittwoch (25.04.2012) am Eingang der Zentrale. Das Bankhaus Lampe erläutert am 25.04.2012 in Düsseldorf seine Bilanzzahlen. Foto: Daniel Naupold dpa/lnw | Verwendung weltweit (dpa)
Zahl der Privatbanken sinkt: Auch Bankhaus Lampe wird übernommen (dpa)

Mit der Übernahme des Bankhauses Lampe sinkt die Zahl der Privatbanken weiter. Allerdings war weder das Düsseldorfer Bankhaus noch unabhängig – es gehört zum Lebensmittelkonzern Dr. Oetker – noch Hauck & Aufhäuser. Das Frankfurter Bankhaus wurde im Sommer 2015 an den chinesischen Fosun-Konzern verkauft.

Privatbanken mit langer Tradition

Dabei sind die Privatbanken, die von ihren Inhabern, vermögenden Privatleuten also, geführt werden, die ältesten Institute in Deutschland, sagt Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt:

"Die privaten Banken und das private Handelsgeschäft waren lange Zeit sehr eng miteinander verbunden. Das differenziert sich dann je nach Land in unterschiedlicher Weise aus, dass man seit dem 18. Jahrhundert dann regelrechte Privatbankiers hat, die berühmtesten sind hier unsere Frankfurter Rothschilds gewesen. Aber die Bethmanns könnte man nennen, die Metzlers könnte man nennen, in Berlin Mendelssohn."

Knapp 15 unabhängige Banken dieser Art gibt es noch, die zumindest teilweise noch in Familienbesitz sind. Das Bankhaus Metzler gehört dazu. Was eine solche Bank auszeichnet, beschreibt dessen operativer Chef, Emmerich Müller: "Wir sind in unserer Struktur extrem risikoavers aufgestellt, weil wir als Geschäftsziel den Erhalt unserer Unabhängigkeit haben.  Wir wollen das Geschäft von einer Generation in die nächste führen."

Geldgeschäft von einer Generation zur nächsten

Doch das gestaltet sich für viele Häuser immer schwieriger. Warum, das erklärt Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanzzentrums:

"Die Zahl der Privatbanken wird begrenzt durch neue Konkurrenten, Vermögensverwalter, durch Banken, die das Kundensegment für sich entdeckt haben. Und die Kosten der Regulierung sind so hoch geworden, dass eine Bank eine Mindestgröße braucht, um überhaupt existieren zu können, oder eine Bank muss sich ein ganz spezielles Feld aufbauen und nicht das gesamte Bankgeschäft betreiben. Insofern ist es hart, es werden nur ganz wenige überleben."

Das traditionelle Geschäft der Privatbanken ist die Vermögensverwaltung. Aus dem Kreditgeschäft haben sich die meisten wegen der hohen Eigenkapitalanforderungen zurückgezogen. Interessant aber sind Geschäftsfelder, bei denen es auf persönliche Beratung ankommt, etwa im Beteiligungsgeschäft oder in der Beratung für Familienunternehmer beim Generationenwechsel.

Bankkultur im Wandel

Denn dieses Problem kennen die Privatbankiers aus dem eigenen Haus. Viele Institute werden mittlerweile von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt, die dadurch eine viel engere Beziehung zu ihrer Bank haben als Aktienbanken, in denen auch die leitenden Mitarbeiter nur angestellt sind. Wolfgang Gerke:

"Die Bankkultur hat sich generell dramatisch geändert. Und da ist viel verloren gegangen, aber auch Neues hinzugekommen. Das ist der Trend der Zeit. Insofern mussten sich auch die Privatbanken wandeln. Dennoch: der Begriff Bankier drückt ja aus, dass jemand hier für seine Geschäfte voll selber haftet. Das heißt, er ist ein Inhaberbanker."

Der Nachteil der kleineren Institute: Ihre Dienstleistung ist häufig teurer als die der anderen größeren Geldhäuser oder Direktbanken. Viele Kunden aber sind nicht mehr bereit, mehr zu zahlen. Eine weitere Konsolidierung im Bereich der kleinen Privatbanken ist also über kurz oder lang wahrscheinlich.

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