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StartseiteWirtschaft am MittagKuka-Chef Reuter tritt vorzeitig zurück26.11.2018

Überraschender RückzugKuka-Chef Reuter tritt vorzeitig zurück

Der deutsche Hightech-Konzern Kuka steht ab Anfang Dezember ohne Vorstandschef da, nachdem der bisherige Chef Till Reuter mitgeteilt hat, dass er seinen Posten vorzeitig räumen werde. Spekulationen über ein gespanntes Verhältnis zum chinesischen Investor machen die Runde.

Von Michael Watzke

Der Stand des deutschen Roboterherstellers Kuka auf der Technologiemesse in Schanghai im August 2014.  (dpa / picture alliance / Weng Lei)
Messestand des deutschen Roboterhersteller Kuka (dpa / picture alliance / Weng Lei)
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Vor genau neun Monaten sagte der damalige KUKA-Chef Till Reuter über seine chinesischen Eigentümer:

"KUKA gehört zu 94,5% MIDEA. Und deshalb hat MIDEA Interesse, dass KUKA stark ist. Es gibt keinen Grund, jetzt eine neue Robotik aufzumachen. Robotik ist in KUKA."

Aber in KUKA ist jetzt kein Till Reuter mehr – der chinesische Mehrheits-Eigentümer MIDEA hat den Vorstands-Vorsitzenden überraschend abberufen – nach fast zehn Jahren an der Spitze eines der weltweit führenden Robotik-Unternehmen. Knall auf Fall.

Rücktrittsgründe werden nicht genannt

Über die Gründe schweigt Dr.Yanmin Gu, der geheimnisvolle KUKA- Aufsichtsrats-Vorsitzende, der auch Vize-Präsident der MIDEA-Gruppe ist. Bei KUKA in Augsburg äußerst sich derzeit niemand öffentlich. Die Deutsche Presse-Agentur will aus Konzernkreisen allerdings erfahren haben, dass die Chinesen stärker im operativen Geschäft durchgreifen und die deutsch-asiatische Integration beschleunigen wollen. Das Verhältnis zwischen Reuter und den Investoren aus Fernost hatte sich zuletzt verschlechtert. Ein Grund: Der Umsatzrückgang bei KUKA. Schon im Februar hatte sich Reuter zerknirscht gezeigt, als ihn der Deutschlandfunk auf die stagnierenden Gewinne ansprach:

"Auf der Margenseite hatten wir uns höhere Ansprüche gestellt und wollten da eine andere Marge zeigen."

Auf der Suche nach einem neuen Chef

Darum soll sich nun Peter Mohnen kümmern, der bisherige KUKA-Finanzvorstand. Schon am 6. Dezember übernimmt Mohnen den Vorstandsvorsitz. Allerdings nur interimsweise – das schwäbische Unternehmen sucht angeblich schon einen neuen Chef. Sollte der aus China kommen, dürften viele Skeptiker ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt sehen. "Jetzt wird sich zeigen, was die vertraglichen Garantien der Chinesen wirklich wert sind", sagt ein IG-Metall-Mitglied. Noch vor einem Jahr hatte die damalige bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner den neuen KUKA-Eigentümer MIDEA gelobt:

"Die Investitionen in Augsburg sprechen für sich: 100 Millionen Euro – das ist mehr als ein klares Bekenntnis zum Standort. Und hier bleiben und entstehen eben neue, hochqualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze. Und das ist auch gut so."

Kuka ist kein Einzelfall

Seitdem allerdings sind fast sämtliche Neu-Investitionen nach Asien geflossen. MIDEA hat den 13.700 KUKA-Beschäftigten in Deutschland vertraglich zugesichert, sie bis mindestens 2023 zu beschäftigen. Die IG Metall hat bisher nicht offen Stellung genommen zu der spektakulären Personalie – dem zweiten überraschenden Chefwechsel nach einer chinesischen Übernahme. Erst im September hatte der gesamte Vorstand des Autozulieferers Grammer hingeworfen. Das ebenfalls bayerische Aktien-Unternehmen ist seit kurzem im Besitz des chinesischen Konzerns Ningbo Jifeng. Die Parallelen zwischen KUKA und GRAMMER sind bezeichnend. Beide sind wichtige Automobil-Zulieferer, wenn auch in unterschiedlichen Produkt-Sparten. Und beide Unternehmen hatten zuletzt mit den stagnierenden Geschäften in der deutschen Automobilbranche zu kämpfen.

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