Freitag, 21.09.2018
 
Seit 17:30 Uhr Nachrichten
StartseiteVerbrauchertippDas Geld zurückholen bei Fehlbuchungen15.08.2018

ÜberweisungenDas Geld zurückholen bei Fehlbuchungen

Wer bei einer Online-Überweisung nicht aufpasst, hat schnell eine falsche Kontonummer eingetippt. Das wird zwar meist von den Computersystemen der Banken als Zahlendreher erkannt. Geht trotzdem einmal Geld auf ein falsches Konto, bleibt nur, es sich wieder zurückzuholen.

Von Katja Scherer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Kugelschreiber liegt auf einem Blanko-Überweisungsträger. (Uwe Anspach dpa/lhe )
Wird bei einer Überweisung eine falsche Kontonummer angegeben, muss man selbst aktiv werden und sich das Geld zurückholen (Uwe Anspach dpa/lhe )
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Neue EU-Richtlinie PSD 2 Risikoloser grenzenlos zahlen

Auch wenn es auf den ersten Blick kompliziert erscheint, die 22-stellige IBAN-Kontonummer fehlerfrei einzutippen: In der Praxis ist das Verfahren tatsächlich nur wenig fehleranfällig. Baut man zum Beispiel einen Zahlendreher ein, so merken die Algorithmen der Banken das in der Regel sofort, sagt Sylvie Ernoult vom Bundesverband deutscher Banken:

"Wenn Sie die IBAN eingeben und Sie haben einen Zahlendreher, würde das Geld die Bank nicht verlassen. Das heißt, das System würde noch innerhalb der Sitzung diesen Fehler bemerken und Sie auffordern, die IBAN zu überprüfen."

Kontakt mit der Hausbank aufnehmen

Denn jede IBAN enthält am Anfang zwei Prüfziffern zur Kontrolle. Allerdings: Mit viel Pech kann es trotzdem passieren, dass ein Zahlendreher nicht ins Leere führt und als Fehler erkannt wird, sondern einer anderen, existierenden Kontoverbindung entspricht. Und dann ist das Geld in der Regel erst einmal weg, sagt David Riechmann von der Verbraucherzentrale NRW:

"Als Erstes sollte man natürlich mit seiner Bank in Kontakt treten und gucken, ob man die Überweisung stoppen kann. Dabei muss man allerdings wissen, dass – wenn man eine Überweisung freigibt mit seiner TAN – die dann eigentlich unwiderruflich ist. Also die Bank die dann theoretisch sofort ausführen kann."

Ist das Geld bereits auf dem falschen Konto gelandet, gilt es, die Summe zurückzuholen. Dazu sollten Betroffene zunächst die Kundenbetreuung ihrer Bank informieren, rät Riechmann. Seit Anfang des Jahres sind Banken nämlich verpflichtet, ihre Kunden in solchen Fällen zu unterstützen. Nach Angaben des Verbraucherportals Finanztip verlangen sie dafür in der Regel eine Gebühr zwischen zehn und 20 Euro. Ist das falsch überwiesene Geld auf einem Konto gelandet, das der gleichen Bank angehört, kann das Geldinstitut die Summe einfach auf das richtige Konto umbuchen. Schwieriger wird es, wenn eine andere Bank beteiligt ist. Dann muss die eigene Bank mit dieser Empfängerbank Kontakt aufnehmen:

"Erstmal wird dann der Empfänger von der anderen Bank angeschrieben und gefragt, ob er einverstanden ist, das Geld zurückzuüberweisen, also dass es zurückerstattet wird."

Kein Recht, das Geld zu behalten

Umgekehrt gilt also auch: Wer plötzlich einen unerwarteten Geldsegen auf dem Konto hat, sollte sich nicht zu früh freuen. Der Begünstigte muss seine Bank zwar nicht selbst aktiv auf den Fehler hinweisen. Fordert die Bank ihn aber auf, das Geld zurückzugeben, ist er verpflichtet, dem nachzukommen. Weigert sich ein Geldempfänger, die Rücküberweisung durchzuführen, leitet seine Bank seine Kontaktdaten an den Geldabsender weiter:

"Die Empfängerbank muss dann die Daten preisgeben, sodass man sich das Geld zurückholen kann."

Hilft auch ein persönlicher Brief oder ein Anruf beim Geldempfänger nichts, bleibt dem Absender wenig anderes übrig als rechtliche Schritte einzuleiten. Die involvierten Banken sind nicht verpflichtet, das verlorene Geld zurückzuerstatten. Bevor man tatsächlich vor Gericht zieht, sollte man mit einem Anwalt besprechen, ob sich das für die verlorene Summe lohnt. Theoretisch sei man auf jeden Fall im Recht, sagt Sylvie Ernoult vom Bundesverband deutscher Banken: 

"Also wenn man nicht rechtmäßiger Empfänger ist, dann ist man verpflichtet, das Geld wieder rauszugeben. Hier würde es sich ansonsten um eine ungerechtfertigte Bereicherung handeln. Man hat also kein Recht, das Geld zu behalten." 

Drei Jahre lang kann das Geld nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW zurückgefordert werden. Geht der Empfänger des Geldes allerdings zwischenzeitlich insolvent, wird es schwierig, sich den fehlenden Betrag zurückzuholen. Aber das wäre dann schon viel Pech auf einmal.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk