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UkraineTausende Kontaktdaten von Journalisten veröffentlicht

Ein Panzer der prorussischen Separatisten in der Region um Donezk (dpa / picture-alliance / Mikhail Sokolov / TASS)
Ein Panzer der prorussischen Separatisten in der Region um Donezk (dpa / picture-alliance / Mikhail Sokolov / TASS)

Eine ukrainische Webseite hat Kontaktdaten von Tausenden Journalisten veröffentlicht, die aus den ostukrainischen Separatistengebieten berichtet haben. Unter ihnen ist auch ein Korrespondent des DLF. Auf der Seite wird den Journalisten unterstellt, mit "Terroristen" zu kooperieren. Einige Reporter sollen daraufhin schon bedroht worden sein.

Die anonyme ukrainische Internetplattform mit dem Titel "Blauhelm" veröffentlichte die Kontaktdaten von Tausenden Journalisten, die sich im Informationsministerium der sogenannten Volksrepublik Donezk haben akkreditieren lassen. Knapp über 4.500 Einträge umfasst die Liste. Die Seite trägt den Titel "Friedensstifter". Es handelt sich nach Angaben der Urheber um ein Forschungszentrum, das unter anderem Verbrechen gegen die nationale Sicherheit der Ukraine untersuche. Wer tatsächlich hinter den Seiten steckt, ist unklar.

Auch viele deutsche Journalisten auf der Liste

Die Liste umfasst Journalisten unterschiedlichster Medien und Länder: Zeitungen, Radio, Fernsehen und Online. Aus Deutschland sind etwa Reporter von den Zeitungen Die Zeit, FAZ und Süddeutsche Zeitung betroffen, ebenso wie Journalisten der Deutschen Welle, des ZDF und der ARD oder Agenturkorrespondenten von AFP und dpa. Auch unser Korrespondent Florian Kellermann steht auf der Liste. Einige Journalisten sind gar mit privat anmutenden E-Mail-Adressen und Telefonnummern aufgelistet.

Auf der Seite werden den Medienvertretern kriegerische Akte gegen die ukrainische (*) Armee vorgeworfen, , die früher Korrespondentin des Deutschlandfunks in Moskau war. Die überwiegende Zahl auf der Liste seien russische Journalisten - darunter vor allem Helfer wie Kameramänner, Fahrer oder Producer, so Adler. Der Berater des Innenministers, Anton Geraschtschenko, hat sich bei Facebook hinter die Veröffentlichung gestellt. Diese hätte sicherheitspolitische Gründe.

EU-Botschafter verlangt Sperrung der Liste

Der EU-Botschafter Jan Tobìnski hatte zuvor die Sperrung der Seite verlangt. Er machte darin die ukrainischen Behörden dafür verantwortlich, dass Journalisten gefährdet würden. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nannte das Datenleck besorgniserregend. Es gefährde die Sicherheit von Journalisten. Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte eine klare Stellungnahme der Ukraine gegen die Veröffentlichung.

Die Staatsanwaltschaft in Kiew leitete Ermittlungen wegen der Behinderung journalistischer Arbeit ein. Einzelne Journalisten seien nach den Veröffentlichungen bereits bedroht worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. In einem offenen Brief wiesen einige betroffene Medienvertreter darauf hin, "dass eine Akkreditierung keine Partnerschaft von Journalisten mit einer der Konfliktparteien bedeutet und auch niemals bedeutet hat". Seit sie aber beschuldigt wurden, "für Terroristen zu arbeiten", hätten sie Droh-Anrufe oder -Briefe erhalten.

(nch/am)

(*) Anmerkung: Fehlerkorrektur durch die Redaktion. An dieser Stelle stand ursprünglich "russische" Armee.

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