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StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Ende der Zockerbude14.07.2019

Umbau der Deutschen BankDas Ende der Zockerbude

Nach dem größten Stellenabbau in der Geschichte der Deutschen Bank sei die Chance auf einen Neuanfang da, kommentiert Eva Bahner. Mit dem radikalen Schritt unter Vorstandschef Christian Sewing schließe das Geldhaus ein wenig ruhmreiches Kapitel und kehre wieder zurück zu seinen Wurzeln - zum Kunden.

Von Eva Bahner

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Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle (picture allliance/dpa/Arne Dedert)
Nach einem Jahr auf dem Chefsessel hat der Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Christian Sewing den harten Schnitt gewagt (picture allliance/dpa/Arne Dedert)
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Lange hat man warten müssen auf ein Zeichen der Demut von den Chefs der Deutschen Bank – von Josef Ackermann etwa, Anshu Jain oder John Cryan. Lange, bis ein Bankkaufmann aus Bielefeld an die Spitze der Deutschen Bank vorrückte. Nach gut einem Jahr im Chefsessel führt Christian Sewing die Bank wieder zurück zu den Wurzeln, zum Kunden. Leitet eine rasante Wende ein, setzt die Axt an, und befreit die Deutsche Bank von den Altlasten der Vergangenheit, die während der Finanzkrise und auch in den Jahren danach den Niedergang der fast 150 Jahre alten Bank beschleunigt hatten.

Nun also sollen wieder die Kunden im Mittelpunkt stehen und nicht die Milliardengewinne, die sich mit dem Handel von Wertpapieren und Derivaten erzeugen lassen. Das Investmentbanking wird radikal eingedampft, jede fünfte Stelle wird gestrichen – 18.000 insgesamt, und zwar nicht nur in Tokio, New York und London, wo Aktienhändler bereits Anfang der Woche vor die Tür gesetzt wurden mit dem Karton unter dem Arm, sondern auch in Deutschland.

Es ist der größte Stellenabbau in der Geschichte der Bank, und er wird auch hierzulande deutliche Spuren hinterlassen – auch wenn Arbeitnehmervertreter den Umbau mittragen. Es führt kein Weg daran vorbei. Die Deutsche Bank muss kleiner und damit schlagkräftiger werden. Deshalb ist es nur folgerichtig, sich von den Bereichen zu trennen, in denen viel Geld verbrannt wird, auch wenn das Investmentbanking die Deutsche Bank zeitweise zum größten Finanzkonzern der Welt hat aufsteigen lassen.

Raus aus der Weltliga der Bankenbranche

Mit diesem radikalen Schnitt verabschiedet sich die Deutsche Bank zwar offiziell aus der Weltliga der Bankenbranche, schließt aber gleichzeitig auch ein wenig ruhmreiches Kapitel, das der deutschen Traditionsbank letztlich den Ruf einer Zockerbude einbrockte. Für den Ausflug an die Wall Street, der vor 30 Jahren begann, hat die Deutsche Bank in den Folgejahren der Finanzkrise einen hohen Preis gezahlt: Skandale, Strafen an Aufsichtsbehörden und exorbitante Gehälter, die zum Teil noch heute über denen des Vorstands liegen. Nun gibt es eine Chance für einen Neuanfang, und auch für einen echten Kulturwandel, der nach der Finanzkrise immer wieder aufs Neue versprochen wurde – aber offensichtlich noch immer nicht Einzug gehalten hat.

Wie sonst ist zu erklären, dass in der Londoner Niederlassung am Montag ein Schneider einbestellt wurde, um Maß zu nehmen für neue Anzüge, während gleichzeitig Aktienhändler gefeuert wurden. Nicht nur dieser Vorfall ist ein Indiz für den Kontrollverlust der Konzernzentrale, der die Durchsetzung eines Kulturwandels hin zu mehr Respekt vor Kunden, aber auch Kollegen offenbar unmöglich gemacht hat.

Viel Vertrauen wurde verspielt, viel Zeit verloren von Sewings Vorgängern, die, zum Teil selbst Investmentbanker, nicht in der Lage waren, diesen harten Schnitt zu wagen.

Ein Selbstläufer ist Sewings Plan allerdings nicht. Über sieben Milliarden Euro soll der Umbau kosten, die Durststrecke wird mindestens zwei Jahre dauern, und das in der Zeit, in der auch ohne Großbaustelle die Erträge schwach sind und der Aktienkurs auf Rekordtief.

Sollte die Deutsche Bank nicht in der Lage sein, den Umbau aus Bordmitteln zu stemmen und die Aktionäre erneut um Kapital bitten, wäre das aus Börsensicht verheerend. Dazu kommen weltwirtschaftliche Risiken und Handelsstreitigkeiten, die Unternehmen vorsichtig werden lassen bei neuen Investitionen. Ganz zu schweigen von Kreditausfällen, sollte sich die Wirtschaft in Europa schneller abkühlen als gedacht.

Ohnehin ist das Kreditgeschäft schwierig geworden in Zeiten von Niedrig- und Strafzinsen. Daran dürfte sich auch absehbar mit Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank nichts ändern. Und der Kuchen in Europa ist weitgehend verteilt, da muss sich die Deutsche Bank erstmal behaupten gegen starke Banken in der Schweiz und in Frankreich. Und nicht zuletzt droht auch immer noch juristischer Ärger in den USA, aber auch in Europa.

Die Chance für einen Neuanfang ist da. Ob dieser gelingt, wird von äußeren Faktoren abhängen, aber auch davon, ob die Deutsche Bank nicht nur schrumpft, sondern nach der Rosskur auch wieder wächst, nachhaltig - mithilfe eines Geschäftsmodells, das zuverlässig Gewinne liefert und das die Bank auch besser macht und attraktiver für den Kunden. Um den soll es ja in Zukunft gehen.

  

Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Eva Bahner wurde 1973 in Baden-Württemberg geboren. Sie studierte Volkswirtschaft in Tübingen und Boston, danach Volontariat in der n-tv-Wirtschaftsredaktion und an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Heute arbeitet sie in der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion.

  

 

 

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