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Umfrage zur InklusionLehrer fühlen sich allein gelassen

Die Inklusionshelferin Shadi Mirmousa betreut am 26.04.2017 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) in der Gemeinschaftsgrundschule Am Höfling das Mädchen mit Down-Syndrom, Hannalena (r). (dpa / Oliver Berg)
Manche Schulen setzen sogenannte Inklusionshelfer ein, um behinderte Kinder in Regelschulen unterrichten zu können. (dpa / Oliver Berg)

Die Lehrer in Deutschland sind mehrheitlich für die Inklusion behinderter Kinder in Regelschulen. Sie fühlen sich bei der Umsetzung aber von der Politik allein gelassen. Das geht aus einer heute veröffentlichten Forsa-Umfrage für den Verband Bildung und Erziehung hervor.

Befragt wurden 2.050 Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen, darunter 747 Lehrer, die selbst in inklusiven Klassen unterrichten. "Inklusion wird nicht gelingen, wenn die Lehrkraft alleine, ohne Unterstützung durch weitere Professionen und nicht ausreichend fortgebildet, in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen unterrichten muss", erklärte der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Udo Beckmann. Genau das sei jedoch nach wie vor die Realität an deutschen Schulen. Die Politik habe es bislang versäumt, die für eine gelungene Inklusion nötigen Rahmenbedingen zu schaffen, sagte Beckmann.

Laut Studie halten 54 Prozent der Befragten einen gemeinsamen Unterricht grundsätzlich für sinnvoll. 42 Prozent meinen, ein Unterricht von behinderten Kindern in speziellen Förderschulen sei besser. Vor zwei Jahren hatten sich noch 57 Prozent für gemeinsamen Unterricht ausgesprochen. Ein Fünftel der befragten Lehrkräfte ist der Meinung, dass die Regelschule den erhöhten Förderbedarf behinderter Kinder überhaupt nicht leisten kann.

Zu wenig Fachpersonal

Dass die bisherigen Förder- und Sonderschulen alle erhalten bleiben sollen, fordern 59 Prozent; weitere 38 Prozent sind zumindest für ein teilweises Fortbestehen. Für besonders schlecht halten die befragten Lehrkräfte die personelle Ausstattung an Regelschulen: 26 Prozent bewerten sie als ungenügend und 42 Prozent als mangelhaft. Besonders sogenannte Inklusionshelfer fehlten. 65 Prozent der Befragten teilen mit, dass die Inklusion noch immer von einer Lehrkraft allein gestemmt werden muss. 

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Lehrkräfte sind schlechter auf den Unterricht in inklusiven Klassen vorbereitet als noch vor einem Jahr. Damals sagten noch 17 Prozent von ihnen, dass es kein besonderes Vorgespräch oder Fortbildungen für die Aufgabe gegeben habe. Mittlerweile stimmen 36 Prozent der Lehrer dieser Aussage zu, also mehr als doppelt so viele. 

Schulen vielfach nicht barrierefrei

Mittlerweile gibt es an über der Hälfte der befragten Schulen inklusive Lerngruppen (54 Prozent). Dass ihre Schule vollständig barrierefrei - also zum Beispiel in allen Bereichen zugänglich für Rollstuhlfahrer - ist, berichten jedoch nur 16 Prozent. Nur ein Drittel der befragten Lehrkräfte hat eine Absenkung der Klassengröße bei Hinzukommen eines Kindes mit Förderbedarf erlebt. Die Mehrheit (61 Prozent) berichtet von gleichbleibenden Klassengrößen. Ein Unterricht, der sowohl den behinderten wie den nichtbehinderten Kindern gerecht werde, sei so nicht möglich, heißt es in der Forsa-Studie.

Der VBE lässt seit 2015 die Lehrer einmal im Jahr zur Inklusion befragen. In einigen Bundesländern - zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen - gibt es seit dem Schuljahr 2014/15 einen Rechtsanspruch, wonach Kinder mit Behinderungen eine Regelschule besuchen können. Eltern können ihr Kind aber auch weiterhin an einer Förderschule anmelden. 2015 besuchte bundesweit nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung jeder dritte Förderschüler eine Regelschule. 2002/03 waren es erst 13 Prozent.

(tzi/mw)

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