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StartseiteKommentare und Themen der WocheWerteunion könnte für Laschet zum Problem werden 01.06.2021

Umgang der CDU mit der AfDWerteunion könnte für Laschet zum Problem werden

Der neue Vorsitzende der CDU-nahen Werteunion, Max Otte, habe bereits in der Vergangenheit für eine Zusammenarbeit der CDU mit der AfD geworben. Das zeige, wie sehr sich Teile dieses Vereins mittlerweile radikalisiert haben, kommentiert Katharina Hamberger.

Ein Kommentar von Katharina Hamberger

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Der Wirtschaftswissenschaftler Max Otte (Aufnahme aus dem Jahr 2017) (picture alliance / Karlheinz Schindler/)
Max Otte ist neuer Vorsitzender der Werteunion. Der CDU-nahe Verein habe weiterhin das Potenzial, zum Problem für Armin Laschet zu werden, vor allem nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, sagt Katharina Hamberger. (picture alliance / Karlheinz Schindler/)
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Die Wahl in Sachsen-Anhalt, sie ist eine weitere, nicht ganz einfach zu nehmende Hürde für Armin Laschet. Denn selbst wenn die CDU am Sonntag als stärkste Kraft hervorgeht, heißt das noch nicht, dass die Partei fokussiert in den Bundestagswahlkampf gehen kann. Denn nach wie vor besteht die Gefahr, dass bei einem guten Ergebnis der AfD, trotz aller Beteuerungen das nicht zu tun, so mancher Christdemokrat in Magdeburg doch wieder in deren Richtung schielt.

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CDU-Chef Armin Laschet sieht eine klare Abgrenzung seiner Partei gegen die AfD. Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sagte Laschet im Dlf, niemand könne wollen, dass eine rechtsradikale Partei stärkste Kraft in einem Landtag werde.

Zwar hat Laschet im Deutschlandfunk bereits deutlich gemacht, wer mit der AfD nur irgendwie zusammenarbeite, treffe auf den Widerstand des Vorsitzenden – aber, dass man sich von starken Worten aus Berlin nicht immer beeindrucken lässt, musste schon Laschets Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer feststellen.

AfD – im Osten oft der Hauptkonkurrent der CDU

Das Wahljahr ist sowieso kein einfaches für die Union, vor allem für die CDU – das macht die Partei nervös und das ist ihr anzumerken. Es geht in diesem Jahr auch darum, wie die CDU in die Post-Merkel-Ära geht. Unter anderem steht die Frage im Raum: Wie umgehen mit AfD-Wählerinnen und Wählern, vor allem im Osten, wo die AfD in den meisten Bundesländern der Hauptkonkurrent der CDU ist?

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Sollte sie versuchen, frühere CDU-Wähler zurückzuholen? Möglicherweise durch Fischen in Gewässern der AfD oder sogar durch eine Annäherung? Bei einem starken Ergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt hängt es vom CDU-Vorsitzenden ab, wie heftig diese Debatte weiter geführt wird und wie sehr sich auch die Fronten in der Partei dadurch verhärten können.

Die Wahl in Sachsen-Anhalt wird zeigen, wie es um die Autorität Laschets als Vorsitzender und Kanzlerkandidat in seiner Partei steht, ob die Brandmauer, die er gegen rechts einzieht, so auch stehen bleibt oder ob so mancher versuchen wird, sie abzubauen.

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Die Causa Max Otte

Beispielsweise die Werteunion, die nun nochmal einen weiteren Schritt nach rechts gemacht hat, indem sie Max Otte zu ihrem Vorsitzenden gewählt hat, dessen Parteiausschluss sie 2019 noch gefordert hat, weil er in einem Tweet im Zusammenhang mit dem Mord an Walter Lübcke Rechtsextremismus relativiert hat. Später hat er dies als Fehler bezeichnet. Otte hat auch keinerlei Berührungsängste mit der AfD, hat schon für deren Wahl geworben und für eine Zusammenarbeit der CDU mit der Partei.

Dass er nun an der Spitze der Werteunion ist, zeigt, wie sich Teile dieses Vereins mittlerweile radikalisiert haben. Im Moment macht es das Laschet leichter als zuvor, auf Distanz zu gehen, sich scharf von der Werteunion abzugrenzen, da ja selbst innerhalb des Vereins ganze Landesverbände die Wahl Ottes deutlich kritisieren. Dies dürfte die Werteunion also erst einmal schwächen. Aber da ist sie immer noch – und hat weiterhin das Potenzial, zum Problem für Laschet zu werden, vor allem nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Die Werteunion ist zwar keine offizielle Parteivereinigung, sondern ein eingetragener Verein mit laut eigenen Angaben rund 4.000 Mitgliedern, von denen die meisten aber eben auch Christdemokraten sind. Und wenn diese sich nun in Richtung AfD hin offen zeigen und es auch nach der Wahl in Sachsen-Anhalt für eine solche Annäherung Sympathisanten gibt, wird Laschet Teile des Wahlkampfs nicht damit verbringen, den politischen Gegner zu bekämpfen, sondern die Probleme in den eigenen Reihen.

Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio - Bettina Straub)Katharina Hamberger, Jahrgang 1985, hat Medienwissenschaft, Politikwissenschaft und Journalismus in Regensburg und Hamburg studiert. Während des Studiums arbeitete sie als freie Journalistin unter anderem für die "taz" und die "Passauer Neue Presse". Journalistische Erfahrung sammelte sie außerdem beim Bayerischen Rundfunk, der Talksendung "Anne Will" und dem "Hamburger Abendblatt". Seit Ende ihres Deutschlandradio-Volontariats 2012 arbeitet sie als freie Korrespondentin im Hauptstadtstudio von Deutschlandradio.

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