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Umkämpfte MeerengeDas Ringen um die Straße von Hormus

Das Foto von 2006 zeigt die Straße von Hormus. (imago / StockTrek Images)
Immer wieder umstritten: Die Straße von Hormus. (imago / StockTrek Images)

Immer wieder fällt in den vergangenen Wochen der Begriff "Straße von Hormus". Die Meerenge ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt und von enormer Bedeutung für den Öltransport. Und sie ist ein Politikum - seit vielen Jahren.

Wo liegt die Straße von Hormus genau?

Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, der über das Arabische Meer bis zum Indischen Ozean führt. Die angrenzenden Länder sind der Iran im Norden sowie die Vereinigten Arabischen Emirate und der Oman im Süden. Die Spitze der Südküste gehört zum Oman, auch wenn sie durch Gebiete der Emirate vom Rest des Landes getrennt ist.

Die Straße von Hormus mit Rohölexporten angrenzender Länder 2016. (picture-alliance/ dpa-infografik)Die Straße von Hormus (picture-alliance/ dpa-infografik)Die Meerenge ist an ihrer schmalsten Stelle weniger als 50 Kilometer breit. Damit ist sie zwar breiter als die Straße von Gibraltar, die an der engsten Stelle etwa 14 Kilometer misst. Die Schiffsrinne in Hormus ist aber schmal - sie liegt nur bei rund drei Kilometern Breite pro Fahrtrichtung.

Was bedeutet die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr?

Sie ist ein wichtiges Bindeglied - zwischen den Ölproduzenten in der Region (Saudi-Arabien, Iran, Emirate, Kuwait, Irak) und den Märkten in Asien, Europa und Nordamerika. Immerhin werden mehr als 30 Prozent des Erdöls, das verschifft wird, durch die Straße transportiert. Katar benötigt die Straße für den Transport seines Flüssiggases. Das bedeutet: Wird die Straße blockiert, steigt die Furcht vor Rohstoffknappheit. Preissteigerungen könnten die Folge sein.

Warum ist die Straße ein solches Politikum?

Weil etwa der Iran immer wieder damit droht, sie als Druckmittel zu benutzen. Das liegt daran, dass ein Teil der schiffbaren Route durch iranische Hoheitsgewässer führt. Sollten etwa die USA einen Militäreinsatz im iranischen Interessenbereich oder gar auf iranischem Territorium anvisieren, könnte der Iran die Straße von Hormus blockieren. Zuständig ist die Revolutionsgarde - im Iran die zweite militärische Macht neben der Armee und zugleich einer der bedeutendsten Player in der Wirtschaft der Islamischen Republik. Der Gegenspieler USA hat seine Fünfte Flotte in Bahrain stationiert. Das liegt einige hundert Kilometer weiter im Persischen Golf.

Zwischenfälle gab und gibt es immer wieder. Das US-Kriegsschiff Vincennes schoss 1988 einen iranischen Airbus mit 290 Passagieren an Bord ab. Alle Insassen starben. Die Besatzung der Vincennes gab an, den Airbus für ein feindlich gesinntes iranisches Kampfflugzeug gehalten zu haben.

2008 drohten die Revolutionsgarden mit Schiffskontrollen, sollten die USA einen Angriff vornehmen. 2012 drohte der Iran damit, die Straße zu schließen - als Vergeltung für Sanktionen von EU und USA. Ähnlich äußerten sich Irans Präsident Rohani 2018 und die Revolutionsgarden sowie die Armee im April 2019.

Das US-Militär verlegte im Mai 2019 einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in die Golfregion, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen ließ.

Festsetzung des britischen Tankers als Politikum

Mitte Juli setzte der Iran den britischen Öltanker "Stena Impero" in der Straße von Hormus fest. Die iranischen Revolutionsgarden hatten das Schiff mit der Begründung gestoppt, er habe internationale Vorschriften nicht beachtet und sei von der falschen Seite in die Straße von Hormus eingefahren. Zuvor hatte Großbritannien in Gibraltar einen iranischen Tanker wegen des Vorwurfs illegaler Öllieferungen an Syrien festgesetzt. Die iranische Gegenreaktion war erwartet worden.

Großbritannien fordert eine europäische Schutzmission für Schiffe in der Straße von Hormus. In Deutschland wird dazu eine politische Debatte geführt.

ARD-Korrespondentin Natalie Amiri hat die Straße von Hormus vor kurzem besucht.

(jcs)
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