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Umstrittene GeburtstagsfeierSpiegel-Kolumnist Fleischhauer kontert Kritik von Ex-Außenminister Gabriel

"Spiegel"-Redakteur Jan Fleischhauer. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
"Spiegel"-Redakteur Jan Fleischhauer. (Deutschlandradio - Andreas Buron)

In der Debatte um die Teilnahme an einem umstrittenen Journalisten-Geburtstag hat Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer den Einwurf des Ex-Außenministers und ehemaligen SPD-Chefs Sigmar Gabriel zurückgewiesen.

Er wolle nicht in einer Gesellschaft leben, in der die Frage, ob man an der Geburtstagsparty eines Freundes teilnehme, zur Mutprobe werde, schrieb Fleischhauer. Was die Verteidigung bürgerlicher Freiheitsrechte angehe, sei er dezidiert anderer Ansicht als Gabriel. Gabriel hatte getwittert, der frühere Spiegel-Redakteur Matthias Matussek feiere seinen Geburtstag "mit Weggefährten – und Rechtsradikalen. Ich finde: Die bürgerlichen Eliten sollten für Demokratie einstehen, anstatt an ihr zu sägen!" Ähnlich äußerte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Rix.

Unter den Gästen waren unter anderem Erika Steinbach, frühere CDU-Politikerin und heutige Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, Dieter Stein, der Chef der Wochenzeitung "Junge Freiheit“, und ein vorbestrafter Aktivist der Identitären Bewegung. "Die Welt" hatte sich 2015 von Matussek getrennt, nachdem dieser sich im Nachgang zu den Anschlägen von Paris abwertend über muslimische Männer geäußert hatte. Später sorgte Matussek, der zuvor Kulturchef beim "Spiegel" war, für Irritationen mit dem Auftritt bei einer "Merkel-muss-weg"-Demo in Hamburg.

Kritik auch an Jan Böhmermann und Reinhold Beckmann

Fleischhauer übte zudem Kritik an dem früheren ARD-Moderator Reinhold Beckmann und dem ZDF-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann. Dieser hatte die Spiegel-Chefredaktion öffentlich gefragt, ob sie "vorab Kenntnis von dieser Zusammenkunft und/oder davon, dass mehrere Mitglieder der Redaktion an dieser Feier teilnehmen?" gehabt habe. Neben Fleischhauer waren weitere Spiegel-Mitarbeiter bei der Feier zugegen. Böhmermann konterte im Übrigen via Twitter: "Es ist nicht normal und darf es nie werden, dass Journalisten privat mit Neonazis und Rechtsradikalen Party machen, sich weder vorher noch hinterher zur Offenlegung verpflichtet fühlen und sich dann jeglicher selbstkritischer, öffentlicher Reflexion darüber entziehen."

Beckmann war bei der Feier aufgetreten und hatte dies nachher als Fehler bezeichnet. Fleischhauer kommentierte, Beckmann habe alles erreicht, was man als Moderator erreichen könne. "Was muss ein Mann wie er fürchten, dass er sich so klein macht? Wie groß muss die Angst sein, wenn selbst ein erfolgreicher ARD-Moderator in die Knie geht?"


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir fälschlicherweise geschrieben, Reinhold Beckmann sei gemeinsam mit seiner Band auf dem Geburtstag aufgetreten.