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StartseiteKommentare und Themen der WocheTrump spaltet Großbritannien03.06.2019

Umstrittener Staatsbesuch Trump spaltet Großbritannien

Die regierenden Torys rollten für Donald Trump den roten Teppich aus und hofieren den US-Präsidenten geradezu, kommentiert Friedbert Meurer. Doch dieser werde deshalb kaum von seinem Prinzip "America First" abweichen. Der Boykott der Opposition könne auch zum Bumerang werden.

Von Friedbert Meurer

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US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania werden beim Staatsbesuch in Großbritannien von Königin Elizabeth II. empfangen. Sie steht zwischen den beiden. (AFP / Mandel Ngan)
US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania werden beim Staatsbesuch in Großbritannien von Königin Elizabeth II. empfangen. (AFP / Mandel Ngan)
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Donald Trump spaltet auch das Vereinigte Königreich. Bis heute wird deswegen sogar darüber gestritten, ob ihm  überhaupt die Ehre eines Staatsbesuchs hätte gewährt werden sollen. Andere US-präsidenten wurden erst in ihrer zweiten Amtszeit zum Staatsbesuch gebeten.

Aber Theresa May machte Trump von Beginn an anbiedernd die Aufwartung, anders als zum Beispiel die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Beide handeln aber vor unterschiedlichem Hintergrund. Merkel nutzt es eher, auf Abstand zu Trump zu gehen. Das konnte sich May nicht leisten.

Konservative werfen sich vor Trump in den Staub

Insofern verhalten sich die politischen Akteure auf der Insel alle so, wie sie für sich einen Vorteil darin sehen. Labour-Chef Jeremy Corbyn und der Vorsitzende der Liberaldemokraten Vince Cable boykottieren das Staatsbankett, der Speaker des Unterhauses John Bercow auch. Von ihren Wählern bekommen sie dafür Applaus, Bercow vom liberalen Teil des Parlaments. Was wird aber Jeremy Corbyn  eigentlich tun, wenn er nach Neuwahlen schon demnächst britischer Premierminister sein sollte? Trump aus dem Weg zu gehen wird dann keine Option mehr sein.

Umgekehrt ist es ein wenig erschreckend, wie sehr sich die Politiker der Konservativen vor Donald Trump geradezu in den Staub werfen. Trump empfängt Boris Johnson? Dann muss wenigstens eine Begegnung mit Trumps Tochter Ivanka her, um beim Wettstreit um das Amt des Premierministers zu punkten

Die meisten beeilen sich auch, Trump in dessen China-Politik zu folgen. Die britische Regierung hat kein Problem damit, Atomreaktoren von chinesischen Konzernen finanzieren und bauen zu lassen. Beim 5G-Mobilfunknetz wollen sich die meisten aber der Linie Washingtons beugen und lehnen Mays Kompromiss ab, den Chinesen einen eingeschränkten Marktzugang zu gewähren.

Trump wird nicht von "America First" abweichen

Es ist auch geradezu naiv zu glauben, Donald Trump würde Großbritannien einen besseren Handelsvertrag gewähren, weil er jetzt endlich von der Queen mit allem Pomp empfangen wird. Trump wird kaum von seinem Prinzip "America First" abweichen, nur weil die königliche Garde im Garten des Buckingham Palasts ihr farbenprächtiges Zeremoniell für ihn aufbot.

Aber für London ist und bleibt die "special relationship" mit den USA ein Grundpfeiler der Außenpolitik. Es geht um das Verhältnis zweier Staaten zueinander, nicht um eine Person. Die Kompassnadel in London zeigt eindeutig nach Westen. Dem US-Präsidenten in London heute also den roten Teppich auszurollen, ist völlig richtig. Es gibt aber keinen Grund dafür, dass sich die britischen Konservativen deswegen gleich so zaghaft und unterordnend gegenüber Donald Trump aufführen müssen.

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Mainz und Bielefeld mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. 1986/87 gehörte er zum Gründungsteam des Privatradios RPR in Koblenz und volontierte dann 1988/89 beim Deutschlandfunk. 1995 bis 1999 arbeitete Meurer als Parlamentsreporter in Bonn mit dem Schwerpunkt Außenpolitik. Bis 2015 war er Ressortleiter Zeitfunk und moderierte u. a. "Informationen am Morgen". Seit August 2015 ist er Korrespondent von Deutschlandradio in London.

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