Sonntag, 26. Juni 2022

Debatte über Antisemitismus
Umstrittenes Banner auf der documenta ist abgehängt

Nach tagelanger Kritik an der großflächigen Banner-Installation auf der documenta in Kassel wird das umstrittene Werk endgültig abgehängt. Dies solle noch heute geschehen, sagte Kassels Oberbürgermeister Geselle. Das Werk des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi war in Kassel auf einem zentralen Platz in der Stadt zu sehen.

21.06.2022

Documenta-Mitarbeiter bauen das umstrittene Großbanner "People's Justice" des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz in Kassel ab.
Documenta-Mitarbeiter bauen das umstrittene Großbanner "People's Justice" des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz in Kassel ab. (Uwe Zucchi/dpa)
Kulturstaatsministerin Roth sprach von einem überfälligen Schritt. Das Bild weise eindeutig antisemitische Bildelemente auf. "Die bloße Verhüllung und die Erklärung des Künstlerkollektivs Taring Padi dazu waren absolut inakzeptabel." Antisemitismus dürfe auf der documenta keinen Platz haben.
Roth ergänzte, die Entfernung des Bildes sei nur ein erster Schritt. "Es muss aufgeklärt werden, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass dieses Wandbild mit antisemitischen Bildelementen dort installiert wurde." Zudem forderte sie die documenta-Verantwortlichen und die Kuratoren dazu auf, sicherzustellen, dass nicht weitere solcher Werke gezeigt würden.

Generaldirektorin bittet um Entschuldigung

Die Generaldirektorin der documenta, Schormann, bat um Entschuldigung. Es sei versichert worden, dass auf der documenta fifteen keine antisemitischen Inhalte zu sehen sein würden. "Dieses Versprechen haben wir leider nicht gehalten. Und das hätte nicht passieren dürfen", sagte sie dem ZDF und dem Hessischen Rundfunk.
Antisemitische Darstellungen dürften in Deutschland, auch in einer weltweit ausgerichteten Kunstschau, keinen Platz haben. Dies gelte ausdrücklich auch bei allem Verständnis für die Belange des Globalen Südens und die dort verwendete Bildsprache.

Kollektiv sieht Werk als Teil einer Kampagne gegen Militarismus

Das Künstlerkollektiv Taring Padi hatte zuvor ebenfalls um Entschuldigung gebeten "für die in diesem Zusammenhang entstandenen Verletzungen". Die Installation sei "Teil einer Kampagne gegen Militarismus und die Gewalt, die wir während der 32-jährigen Militärdiktatur Suhartos in Indonesien erlebt haben und deren Erbe, das sich bis heute auswirkt".
Die Darstellung von Militärfiguren auf dem Banner sei Ausdruck dieser Erfahrungen. Soldaten seien daher als Schweine, Hunde oder Ratten zu sehen. Das Bild werde seit 2002 öffentlich gezeigt.
Lesen Sie hier die Erklärung des Kollektivs.

Soldat mit Schweinsgesicht und Davidstern

Das umstrittene Banner zeigt unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht, der einen Davidstern sowie einen Helm mit der Aufschrift "Mossad" trägt. Eine weitere Figur wurde mit Schläfenlocken, Reißzähnen, Schlangenzunge, blutunterlaufenen Augen und einer SS-Rune auf dem Hut gezeichnet.
Auch der Podcast "Der Tag" befasst sich mit dem Streit um die documenta, ebenso wie die Sendung "Kultur heute" mit zwei Beiträgen. Hören Sie außerdem einen Kommentar.
Diese Nachricht wurde am 21.06.2022 im Programm Deutschlandfunk gesendet.