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StartseiteKommentare und Themen der WocheGuterres lobt Deutschland über Gebühr18.12.2020

UN-Generalsekretär im BundestagGuterres lobt Deutschland über Gebühr

Zu viel des Lobes für Deutschland und Angela Merkel, so kommentiert Dlf-Hauptstadtkorrespondent Frank Capellan die Rede von UN-Generalsekretär Antonio Guterres im Bundestag. Bei den Themen Föderalismus und Corona-Politik gibt es für die Politik aus Berlin noch Luft nach oben.

Ein Kommentar von Frank Capellan

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Guterres bei seiner auf Deutsch gehaltenen Rede anlässlich des 75-jährigen Gründungsjubliäums der UN (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Guterres bei seiner auf Deutsch gehaltenen Rede anlässlich des 75-jährigen Gründungsjubliäums der UN (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
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Sie müsste eigentlich rot geworden sein, sie muss verlegen gelächelt haben – leider ist in Corona-Zeiten nichts davon zu sehen: Angela Merkel hatte die Maske weit über die Nase gezogen.

Der Portugiese hat die Kanzlerin und ihr Krisen-Management über den grünen Klee gelobt, zudem auf Deutsch, das war sehr sympathisch. Ansonsten wirkte der Lobgesang auf die Bundesregierung allzu dick aufgetragen. Besonnen, beständig, mitfühlend und weise habe Merkel gehandelt. Ja, das sieht eine Mehrheit der Deutschen immer noch so, wirkt an einem Tag, an dem die Infektionszahlen einen neuen Höchstwert erreichen, allerdings etwas befremdlich.

António Guterres, UN-Generalsekretär, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tragen einen Nasen-Mund-Schutz, während sie im Bundestag an einer Sitzung zur Gründung der Vereinten Nationen vor 75 Jahren teilnehmen. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld) (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Guterres' Rede vor dem Bundestag
"Meine tiefe Anerkennung für die weise Hand von Angela Merkel" - der UN-Generalsekretär lobt die Kanzlerin und Deutschlands Coronapolitik. Und appelliert, den Corona-Impfstoff als globales Gemeingut zu sehen.

Dass sich Merkel auf die Wissenschaft stützt, dass auch deshalb der erste Impfstoff in Deutschland entwickelt wurde, dieses Lob hingegen dürfen wir gerne annehmen. "Wir müssen gegen das Virus der Fehlinformationen vorgehen", fordert der UN-Generalsekretär. Und blickt dabei auch auf AfD-Abgeordnete vor sich – die allerdings erröten nicht so schnell, trotz vieler kruder Thesen aus ihren Reihen.

Impfstoff muss für alle sein

Hängen bleibt eine Mahnung des 71-Jährigen. Der Impfstoff ist ein globales Gut, er muss überall und für jeden zugänglich und bezahlbar sein, verlangt Guterres.

Das erste Gerangel um die Impf-Rangfolge in Deutschland aber lässt erahnen, dass dies ein frommer Wunsch bleiben könnte. Nationale Egoismen haben die Pandemie immer wieder begleitet, Populisten in aller Welt haben die ohnehin nicht mächtigen Vereinten Nationen weiter geschwächt. Guterres setzt da große Hoffnungen auf Berlin: "Die Welt braucht Deutschland, Deutschland braucht die Welt!" Noch so ein pathetischer Satz aus seiner Rede.

Hemmschuh Föderalismus

Aber sind wir auch so erfolgreich, wie der Generalsekretär suggeriert? Wohl kaum! Wolfgang Schäuble setzte da einen selbstkritischen Kontrapunkt: Wir preisen die UN-Charta und handeln viel zu wenig nach ihr. Solche Wahrheiten gehören auch zu den heute zu hörenden Höflichkeiten. Und dass das Corona-Management nicht ganz so toll ist, wie es Antonio Guterres skizziert, ist ja auch dem Föderalismus geschuldet.

Das aber ist nicht Weltpolitik, sondern deutsches Kleinklein. Bundesratspräsident Haseloff saß auch in der ersten Reihe. Grund gehabt zu erröten hatte auch der Regierungschef aus Sachsen-Anhalt. Allerdings nicht aus Verlegenheit…

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.

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