Mittwoch, 19.09.2018
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteVerbrauchertippNicht alle Mahnkosten sind rechtmäßig26.06.2018

Unbezahlte RechnungenNicht alle Mahnkosten sind rechtmäßig

Wer vergisst, eine Rechnung rechtzeitig zu begleichen, dem drohen Ärger und hohe Kosten. Eingeschaltete Anwälte oder Inkasso-Unternehmen verlangen oft zusätzliche Gebühren. Dabei ist nicht jeder Versäumniszuschlag gerechtfertigt.

Von Klaus Deuse

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Verbraucherschützer warnen vor zu hohen und teilweise unberechtigten Mahnkosten (Imago/Steinach)
Verbraucherschützer warnen vor zu hohen und teilweise unberechtigten Mahnkosten (Imago/Steinach)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Recht haben im Alltag Richtig kündigen, widersprechen und reklamieren

Inkasso-Branche Deutsche haben hohe Zahlungsmoral

Schufa-Auskunft Zu wenig Transparenz für Verbraucher?

Als Angelika Wiesner nach ihrem Urlaub ihre Post durchsah, wunderte sie sich über die Zahlungsaufforderung eines Inkasso-Unternehmens.

"Ursprünglich wollte ich nur zwei Wochen Urlaub machen, hab mich aber dann spontan entschieden, eine Woche zu verlängern. Und als ich dann nach Hause kam, fand ich eine Zahlungsaufforderung für eine Handwerkerrechnung für eine Reparatur, die drei Tage vor meinem Urlaub war. Und zu den 370 Euro für die Rechnung sollte ich dann noch zusätzlich knapp 100 Euro an Gebühren bezahlen."

Späteste Zahlungsfrist

Um solchen Ärger zu vermeiden, sollte man die Begleichung einer Rechnung nicht auf die lange Bank schieben, sagt Finanzexperte Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale NRW.

"Möglichst zeitnah. Oft steht auf der Rechnung schon eine Zahlungsfrist drauf. Die sollte man, wenn man kann, erfüllen. Spätestens sollte man innerhalb von 30 Tagen zahlen, weil sonst Verzug eintreten kann."

"Schuss vor den Bug"

Dann kann mehr als der ursprüngliche Rechnungsbetrag gefordert werden. In der Regel folgt aber meist erst eine Erinnerung in Form einer Mahnung.

"Die Mahnung ist so was wie ein Schuss vor den Bug. Das ist so die letzte Aufforderung: Jetzt zahlen Sie aber endlich."

Anerkannte Mahngebühr

Die von Gerichten anerkannte Mahngebühr liegt bei drei Euro. Richtig teuer aber kann es werden, wenn Anwälte oder Inkasso-Unternehmen auch ohne vorherige Mahnung eingeschaltet werden. Wie im Fall von Angelika Wiesner. Dazu ist der Aussteller der Rechnung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch übrigens berechtigt, erläutert Verbraucherberater Zerhusen.

"Und zwar muss der Verbraucher, wenn er die Forderung wirklich lange verschleppt, dann auch die notwendigen Kosten der Rechtsverfolgung des Gläubigers tragen."

Keine Gebührenordnung für Inkassobüros

Für Anwälte gibt es eine Gebührenordnung, nicht aber für Inkassobüros. Christoph Zerhusen kennt aus der Praxis etliche Fälle von deutlich zu hohen Gebührenforderungen. Betroffenen Verbrauchern rät er dagegen vorzugehen und zu sagen:

"Die Hauptforderung mache ich ja noch mit. Aber was die Gebühren angeht, damit bin ich nicht einverstanden. Ich bestreite diesen Teil der Forderung."

Inkasso-Forderungen zurückweisen

Bei Forderungen bis zu 500 Euro verlangen Inkasso-Unternehmen oft 70 Euro und mehr an Gebühren. Für angemessen halten Verbraucherberater dagegen allenfalls 27 Euro. Der Schuldner sollte außerdem überprüfen, wer diese Zahlungsaufforderung geschickt hat. Denn:

"Wenn man Post von einem Inkasso-Unternehmen bekommt, kann man unter www.rechtsdienstleistungsregister.de schon nachschauen, ob dieses Inkasso-Unternehmen registriert ist oder nicht. Und wenn ein Inkasso-Unternehmen nicht registriert ist, kann man die Inkasso-Leistung auch zurückweisen."

Unberechtigten Forderungen sollten Verbraucher darum umgehend schriftlich widersprechen und sich auch von Drohungen mit einem Schufa-Eintrag nicht ins Bockshorn jagen lassen. Denn solange eine Forderung und die Gebühren strittig sind, darf ein Gläubiger einen Schufa-Eintrag nicht veranlassen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk