Sonntag, 21.07.2019
 
Seit 15:05 Uhr Rock et cetera
StartseiteVerbrauchertippAm besten einfach auflegen04.06.2019

Unerwünschte TelefonwerbungAm besten einfach auflegen

Ob Stromanbieterwechsel oder Zeitungsabos: Die Masche bei Telefonwerbung ist oft die Gleiche. Verbraucher werden mit neuen und besonders guten Angeboten geködert. Dass auch ein 'Ja' am Telefon für einen Vertragsabschluss reicht, wissen die wenigsten. Betroffene sollten schnell Widerspruch einlegen.

Von Stefan Römermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Frau sitzt in einem Wohnzimmer auf dem Sofa und telefoniert (gestellte Szene) (picture alliance / dpa Themendienst / Christin Klose)
Wer unerwünschten Werbeanrufen gleich aus dem Weg gehen will, dem raten Experten, einfach aufzulegen (picture alliance / dpa Themendienst / Christin Klose)
Mehr zum Thema

Gesetzentwurf zur Telefonwerbung Bezahlen erst nach schriftlicher Bestätigung

Mehr Schutz vor Internet- und Telefontricks

Die Telefongespräche beginnen meist vergleichsweise harmlos: Der Anrufer gibt sich häufig als ein Mitarbeiter des aktuellen Stromanbieters aus. Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen.

"Und dann geht es meisten darum, dass ein neues und besonders gutes Angebot für den Verbraucher da ist, was viel günstiger ist, als das was er jetzt hat. Und dass der Verbraucher sich doch mal überlegen soll, diesen Vertrag abzuschließen. Und man könnte ihm zum Beispiel dazu ein Angebot zuschicken."

Das Problem dabei: Die Anrufer sind oft gar nicht diejenigen, für die sie sich ausgeben, sondern Call-Center, die auf saftige Provisionen der Anbieter aus sind. Und sie schicken oft nicht einfach nur ein unverbindliches Angebot zu – sondern lösen dann häufig gleich einen Auftrag und damit einen Vertragsabschluss aus. Besonders häufig geht es bei solchen untergeschobenen Verträgen um Strom- und Gasverträge.

"Daneben geht es auch um Telekommunikationsanbieter – im Bereich Festnetz und im Bereich Mobilfunk. Aber genauso kommt es auch vor, dass Nahrungsergänzungsmittel untergeschoben werden oder Abos für Zeitschriften."

Für Vertragsschließung reicht auch ‚Ja‘ am Telefon 

Für Verbraucher kann das viel Ärger und Aufwand bedeuten, sagt Henschler.

"Was viele wahrscheinlich nicht wissen, ist, dass man durchaus einen Vertrag am Telefon, also einfach mündlich durch ein ‚Ja‘ schließen kann. Aber natürlich ist der Vertrag nur dann geschlossen, wenn beide Seiten auch das Gleiche wollen und meinen."

Theoretisch könnte sich der Verbraucher jetzt zurücklehnen und sagen: Es gibt keinen Vertrag. Denn im Streitfall muss eigentlich der Anbieter beweisen, dass es tatsächlich einen gültigen Vertragsabschluss gegeben hat. Doch die Sache aussitzen zu wollen ist riskant, warnt der Leipziger Rechtsanwalt Lars Knebel.

"Das Problem besteht einfach darin, dass man unter Umständen dann vor Gericht in der Situation ist: es gibt dann einen Zeugen, oder es gibt dann einen Vermerk, dass dann da tatsächlich telefoniert worden ist und man dann durch falsche Aussagen von Zeugen in Beweisnot gerät."

Betroffene sollten deshalb so schnell wie möglich von ihrem 14-tägigen Widerrufsrecht Gebrauch machen. Das gilt bei fast allen Verträgen, die per Telefon abgeschlossen werden.

"Schriftlich oder per E-Mail in Textform, per Fax – aber so, dass ich jedenfalls nachweisen kann, dass es auch widerrufen worden ist. Und muss sagen: Ich möchte den Vertrag nicht. Man sollte da das Wort ‚Widerruf‘ möglichst verwenden. Im Kern muss aber nur zum Ausdruck kommen, dass man mit dem nicht einverstanden ist und dass man das nicht möchte."

Rückabwicklung von Verträgen oft schwierig

Außerdem kann man kurz und knapp bestreiten, dass es einen gültigen Vertragsabschluss gegeben hat. Problematisch wird es, wenn im Hintergrund bereits die Auftragsabwicklung veranlasst wurde, warnt Verbraucherschützerin Henschler.

"Dass beispielsweise im Stromvertrag die Umstellung auf den neuen Anbieter dann schon läuft. Oder genauso beim Telefonvertrag: Dass zum Beispiel also ein Upgrade zu neuen Kosten mit neuen Modalitäten vom Anbieter veranlasst wird."

Die Rückabwicklung ist dann oft schwierig.

"Im Recht sind die Betroffenen fast immer. Aber sich zu widersetzen und angeblich geschlossene Verträge und tatsächlich geschaffene Fakten rückgängig zu machen, das gelingt allenfalls mit Unterstützung und Beratung."

Beispielsweise durch die Verbraucherzentralen. Wer solchen Problemen gleich aus dem Weg gehen will, für den hat die Henschler übrigens einen einfachen Rat im Umgang mit unerwünschten Werbeanrufen:

"Das Sicherste ist, dass man gar nicht weiterspricht und einfach auflegt."

Und zwar ohne falsche Skrupel, als unhöflich zu gelten. Werbeanrufe ohne vorheriges Einverständnis des Angerufenen sind schließlich illegal.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk