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StartseiteInformationen am AbendOrban-Freund kauft linksliberale Zeitung25.10.2016

UngarnOrban-Freund kauft linksliberale Zeitung

Nun ist es besiegelt: Die ungarische Tageszeitung "Népszabadság" geht an eine Firma, die eng mit einem regierungsnahen Oligarchen verbunden ist. "Népszabadság" erschien erstmals 1956 als Zeitung der Kommunistischen Partei. Immer wieder erschienen Enthüllungsgeschichten über Korruption und Vetternwirtschaft im Regierungsumfeld.

Von Stephan Ozsváth

Das Bild zeigt für die Pressefreiheit protestierende Regierungsgegner in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Einige halten Ausgaben der inzwischen eingestellten Tageszeitung "Nepszabadsag" in die Höhe. (dpa / picture alliance / Mohai Balazs)
Demonstration für Pressefreiheit in Budapest am 16.10.2016, eine Woche nach Schließung der Tageszeitung "Nepszabadsag". (dpa / picture alliance / Mohai Balazs)
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Käufer ist die Firma Opimus Press, sie gehört zu einem Firmengeflecht des Orbán-Freundes Lörinc Mészáros. Der Bürgermeister des Heimatortes von Viktor Orbán ist vom Installateur zum Millionär aufgestiegen. Auch im Beirat der Verkäufer-Firma Vienna Capital Partners sitzt ein Mann mit Beziehungen zum ungarischen Premier: der ehemalige ungarische Außenminister Mártonyi. Die Linksliberalen verlören eine Stimme, sagte Kai-Olaf Lang, Ungarn-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, im ARD-Interview.

Das Aus für "Népszabadság" wurde vom Verkäufer mit Verlusten begründet. Zuletzt hatte die Zeitung nur noch etwa 40.000 Exemplare verkauft. Verkäufer Vienna Capital Partners begründete in einer Pressemitteilung den Zuschlag an Opimus Press so: Der neue Besitzer erwäge ernsthaft einen Neustart der Zeitung, hieß es. Im Paket mit der linksliberalen Tageszeitung hat der neue Besitzer auch ein Dutzend Regionalzeitungen erworben. Die hatte der Mediaworks-Verlag kürzlich erst von der deutschen Funke-Gruppe erworben.

"Népszabadság" erschien erstmals 1956 als Zeitung der Kommunistischen Partei. Nach der Wende wurde das Blatt eine linksliberale Stimme. Immer wieder erschienen Enthüllungsgeschichten über Korruption und Vetternwirtschaft im Regierungsumfeld.

In den vergangenen zwei Wochen hatten Tausende Ungarn gegen das Aus für die Zeitung protestiert, zuletzt am Rande der Gedenkveranstaltung zum Ungarn-Aufstand 1956. Auf einem der Transparente stand: Die Botschaft von 1956 sei auch Pressefreiheit gewesen.

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