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StartseiteCampus & KarriereUngewöhnliches Bündnis20.09.2006

Ungewöhnliches Bündnis

Hamburger Uni-Leitung und Asta planen Verwendung der Studiengebühren gemeinsam

Kooperation statt Opposition: An der Hamburger Universität haben sich Studierendenausschuss und Hochschulleitung zusammen getan, um für einen angemessenen Einsatz der Studiengebühren zu sorgen. Überfüllte Seminare, fehlende Bücher und zu wenige Tutorien - all das können die Hamburger Studenten der Arbeitsgruppe melden.

Von Werner Nording

Zu viele Studenten, zu wenig Platz - die Studiengebühren sollen auch für einen Ausbau der Tutorien eingesetzt werden. (AP)
Zu viele Studenten, zu wenig Platz - die Studiengebühren sollen auch für einen Ausbau der Tutorien eingesetzt werden. (AP)
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Campus Hamburg

Wenn in Hamburg zum Sommersemester 2007 Studiengebühren eingeführt werden, hat die Uni der Hansestadt pro Jahr bis zu 30 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen. Damit sollen zum Beispiel die Unterrichtsräume der Hochschule auf Vordermann gebracht werden, was die Ausstattung mit moderner Technik angeht. Den Gedankenspielen des Hamburger Wissenschaftssenators Jörg Dräger, mit den Studiengebühren zusätzliche Studienplätze zu finanzieren, erteilte Uni-Präsident Jürgen Lüthje eine klare Absage.

"Das kommt für uns überhaupt nicht in Frage, die zusätzliche Nachfrage nach Studienplätzen muss durch eine ergänzende staatliche Finanzierung sichergestellt werden, es kann nicht angehen, den Studierenden Studienbeiträge abzuverlangen und damit die Studienplätze anderer Studierender zu finanzieren."

Die Studiengebühren von 1.000 Euro im Jahr müssen ausschließlich und unmittelbar dafür eingesetzt werden, um die Studien- und Lehrbedingungen an der Uni Hamburg zu verbessern, sind sich Uni-Leitung und Asta einig. Deshalb haben sie gestern ein ungewöhnliches Bündnis geschmiedet und eine gemeinsame Vereinbarung unterschrieben.

Der alte Asta hatte in Sachen Studiengebühren eine Fundamentalopposition betrieben und jede Kooperation verweigert. Der gerade neugewählte Asta sieht in der Zusammenarbeit mit der Hochschulleitung dagegen eine Chance, mehr für die Studierenden herauszuholen, sagt der neue Asta-Vorsitzende Christian Höft.

"Wir haben als Interessenvertreter ein gesundes Misstrauen gegen den Senat, dass der sich vielleicht doch noch mal überlegt, die Studiengebühren zur Absenkung des staatlichen Hochschuletats zu verwenden und zweitens, dass es bisher keine gesicherte Datengrundlage gibt über die Probleme, die die Studierenden hier an der Uni im Alltag haben, die können sie über unser Portal direkt an die Arbeitsgruppe weiterleiten, die wird sie auch behandeln, das ist garantiert ."

Unter www.campus-hamburg.de können die Studierenden ab sofort mitteilen, welche Seminare überfüllt sind, wo welche Bücher fehlen oder welche Änderungsvorschläge sie sonst haben. Zum Sommersemester, wenn die Studiengebühren fällig sind, sollen die ersten Verbesserungen schon umgesetzt sein.

"Ein ganz entscheidender Punkt aus unserer Sicht ist die Betreuungsrelation, die Verbesserung des Verhältnisses von Studierenden und Lehrenden zahlenmäßig, das können Korrekturassistenten sein, das können studentische Tutoren sein, die am Anfang des Studiums den Studierenden den Weg weisen - also Tutorien sind ein wichtiger Punkt für uns."

Und was tun, wenn der Wissenschaftssenator mit Blick auf die Studiengebühren den Hochschuletat kürzt? Dann schlagen wir Alarm, sagt Uni-Präsident Lüthje.

"Dagegen gibt es rechtlich kein Instrument, wohl aber gibt es politische Mittel, dagegen vorzugehen und wir haben gerade mit dem Asta unserer Universität eine Vereinbarung abgeschlossen, dass wir eine gemeinsame Arbeitsgruppe einsetzen werden, die genau beobachtet, wie sich die Mittel für Lehre und Studium im staatlichen Haushalt entwickeln, die auch die Verwendung der Studiengebühren analysieren wird, und wenn wir feststellen, dass indirekt auf die Studiengebühren zugegriffen wird, dann werden wir die Öffentlichkeit informieren und durch geeignete Maßnahmen politischen Druck machen."

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