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StartseiteCampus & KarriereUniformierte Burschenschaftler unerwünscht23.11.2012

Uniformierte Burschenschaftler unerwünscht

Kodex der Berliner FU schließt farbentragende Burschenschaftler aus

An der Freien Universität Berlin sind Mitglieder von Studentenverbindungen in Uniform seit Jahrzehnten unerwünscht. Nach einem Zwischenfall bei einer Absolventenfeier ist das Tragen von Farben studentischer Verbindungen aber wieder ein Diskussionsthema.

Von Susanne Arlt

Rund 1000 Mitglieder von studentischen Verbindungen haben sich in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Rund 1000 Mitglieder von studentischen Verbindungen haben sich in Eisenach zum Deutschen Burschentag versammelt. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
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Thorsten (*) Elsholtz versteht die Aufregung nicht. Das Farbentragen an der Freie Universität Berlin sei doch längst wieder üblich, sagt der Vorsitzende der Berliner Burschenschaft Gothia. Einer seiner Bundesbrüder hatte an der Jura-Absolventenfeier teilgenommen. Er selber habe vor fünfzehn Jahren am Otto-Suhr-Institut sein Diplom in Politikwissenschaft erhalten. Herta Däubler-Gmelin und die anderen Teilnehmer hätten sich nicht daran gestört, dass er an diesem Tag die Farben seiner Burschenschaft trug, behauptet Elsholtz. Die Leitung der FU sieht das allerdings anders. Seit ihrer Gründung gehöre es zum Selbstverständnis der Freien Universität Berlin, dass sie eine gebührende Distanz zu studentischen Verbindungen und auch zu politischen Parteien halte, sagt Präsident Peter-André Alt. Auf Anregung der Studierenden hatte der akademische Senat dazu schon 1952 einen Beschluss gefasst und das Farbentragen auf dem Campus untersagt.

"Ich habe keine Veranlassung von diesem Beschluss abzuweichen. Er ist für mich bindend, ich bin der festen Überzeugung, dass Farben tragen nicht zu unserer Universität gehört. Der Beschluss des akademischen Senats ist nie durch ein anderes Gremium der Universität, durch spätere Senate aufgehoben oder in Frage gestellt worden."

Da man 60 Jahre später nicht davon ausgehen kann, dass jeder Hochschulprofessor oder Dozent diesen Beschluss kenne, habe er jetzt ein Rundschreiben an die Dekane und Vorsitzenden der Institutsräte verschickt. Darin verweist der Präsident noch einmal auf den Beschluss und das Selbstverständnis der Uni hin und bekennt ganz offen: Das Tragen von Farben studentischer Verbindungen ist unerwünscht. Präsident Peter-André Alt:

"Um deutlich zu machen, dass hier zwei Ebenen gemeint sind. Auf der einen Seite wir wünschen keine ostentative Präsentationen von Farben studentischer Verbindungen und wir sind auch der Meinung, dass es nicht zu uns passt. Die Formulierung unerwünscht war sehr wohl erwogen."

Martin Schwab, Dekan des Fachbereichs Jura, hält den Rauswurf des Absolventen, der die Anwesenheit der Farben tragenden Kommilitonen öffentlich kritisierte, für angemessen. Er wollte die Veranstaltung schützen, sagt Schwab. Hätte er jedoch von dem Beschluss aus dem Jahr 1952 gewusst, hätte er die vier Vertreter der studentischen Verbindungen ganz sicher damit konfrontiert.

"Juristen denken ja gerne in den Kategorien erlaubt oder verboten, sie denken nicht in den Kategorien unerwünscht. Aber ich hätte natürlich auf die vier farbentragenden Studenten zugehen können und sagen, hören Sie mal, wir haben das nicht so gerne, wir möchten gesellschaftspolitische Neutralität wahren, macht es Ihnen was aus, wenn Sie die Mützen und Bänder ablegen."

Experten wie die Politologin Alexandra Kurth von der Uni Gießen bezeichnen die Gothia als eine Studentenverbindung, die sehr weit rechts steht.

"Also die Burschenschaft Gothia in Berlin steht politisch weit rechts außen. Sie ist sowohl Mitglied in der Deutschen Burschenschaft, das ist ja der Dachverband, der seit Jahren immer wieder Schlagzeilen macht durch rechtsextreme Vorkommnisse und gleichzeitig ist die Activitas auch noch Mitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft. Also dem äußersten rechten Rand der deutschen Burschenschaft, die selber als Verband schon ein rechter Verband ist."

In beiden Verbänden werde ein volkstumsbezogener Vaterlandsbegriff vertreten. Einigkeit bestehe darin, dass das deutsche Vaterland größer sei als das Territorium der BRD. Über die Frage wie groß, werde kontrovers diskutiert, sagt Kurth. Ebenso, ob künftige Mitglieder nur einen deutschen Pass brauchen oder nicht doch einen ganzen Abstammungsnachweis vorlegen müssen. Thorsten Elsholtz negiert das. Die Debatte über den sogenannten Ariernachweis sei längst in der Deutschen Burschenschaft beendet, sagt der Vorsitzende der Gothia.

"Aus unserer Sicht ist das auch nicht realistisch. Die Berliner Burschenschaft Gothia hat selber Mitglieder, die, wenn sie so wollen, familiären Hintergrund haben, den Titel Migrationshintergrund verdienen würde und von daher kommt das für uns nicht in Frage."

Eines aber ließen sich die Mitglieder der Gothia nicht verbieten: das Tragen ihrer Farben auf dem Campus der Freien Universität.

"Das nehme ich zur Kenntnis, aber das wird sicherlich unsere Praxis nicht beeinflussen."

(*) Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle wurde der Name geändert. In einer vorherigen Fassung stand ein falscher Vorname.

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