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StartseiteKommentare und Themen der WocheErstmals seit Wochen wieder Wind unter den Flügeln13.09.2021

Unionskanzlerkandidat nach dem TriellErstmals seit Wochen wieder Wind unter den Flügeln

Im Triell sei es der SPD-Kandidat gewesen, der in die Defensive geraten sei, kommentiert Stephan Detjen. Für Unions-Kandidat Armin Laschet genüge das, um den eigenen Leuten zu demonstrieren, dass es sich lohne, zu kämpfen. Laschet könne erstmals seit Wochen wieder Wind unter den Flügeln verspüren.

Ein Kommentar von Stephan Detjen

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Der CDU-Vorsitzende und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet. Er steht vor einer blauen Wand mit CDU-Schriftzügen und hat die rechte Hand gehoben. (dpa/Kay Nietfeld)
Armin Laschet versucht mit einem Sofortprogramm den Abwärtstrend zu brechen (dpa/Kay Nietfeld)
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Fernsehdebatten wie gestern Abend, die Vorstellung eines 100-Tage Programms wie heute bei der CDU oder eine Kommunalwahl wie am 12.09.2021 in Niedersachsen sind im Wirbelsturm der Informationen jeweils für sich genommen keine Gamechanger, keine Ereignisse, die den Strom der Meinungen in einem Wahlkampf von einem Tag auf den anderen umlenken.

Bis zum Ende der letzten Woche ging es für die Union bergab und auch wenn die Stimmungsmacher bei CDU und CSU heute die erfolgreiche Trendwende verkünden, geht es nicht schon allein deswegen wieder bergauf. Aber Armin Laschet kann erstmals seit Wochen wieder Wind unter den Flügeln verspüren.


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Der CSU Parteitag in Nürnberg Ende letzter Woche blieb zwar die Inszenierung einer Scheinbegeisterung für den Kanzlerkandidaten. Aber in dem rasant flimmernden Bilderrausch, in dem die wechselhaften Stimmungen dieses Wahlkampfes entstehen und medial multipliziert werden, genügte der minutenlange Jubel der Delegierten in Nürnberg, um Laschet für ein paar Augenblicke in einem neuen Licht erscheinen zu lassen.

Bundestagswahl 2021 - zum Dossier (Deutschlandradio / imago images / Alexander Limbach)Das Wichtigste zur Bundestagswahl im Überblick (Deutschlandradio / imago images / Alexander Limbach)

Kommunalwahl-Erfolg in Niedersachsen zum bundespolitischen Signal überhöht

Gestern Abend war es Olaf Scholz, der in den hitzigen ersten 30 Minuten des Fernsehtriells auf einmal in der Defensive zu erleben war. Die Entscheidung der Moderatoren, die Sendung mit Fragen zu Koalitionen und den Hausdurchsuchungen im Bundesfinanzministerium zu eröffnen, zwang den Vizekanzler aus der Komfortzone, aus der er den Wahlkampf bis dahin bestritten hatte. Scholz, brauchte jetzt seine Hände, die er zuletzt bequem zur Raute zusammengelegt hatte, um gegen Laschet anzugestikulieren.

Armin Laschet, CDU-Vorsitzender und Unions-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, stellt die "Agenda für ein sicheres Deutschland" der Union auf einer Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus vor einer blauen Wand mit CDU-Logo vor (picture alliance/dpa - Michael Kappeler) (picture alliance/dpa - Michael Kappeler)Laschet: Europäischer Schulterschluss bei internationalen Krisen nötig 
Armin Laschet dringt auf eine stärkere europäische Zusammenarbeit in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Bei den nächsten EU-Gipfeln müsse etwa erörtert werden, wie man auch dann souverän und handlungsfähig bleibe, wenn die USA sich nicht beteiligten.

In der Defensive ließ der bis dahin merkelhaft nüchterne Vizekanzler Verwundbarkeit erkennen. Armin Laschet genügt das in seiner jetzigen Lage, um den eigenen Leuten auf den Straßen und Marktplätzen zu demonstrieren, dass es sich noch lohnt, zu kämpfen. Als Beleg dafür, dass in diesem Wahlkampf tatsächlich noch alles möglich ist, wurde der Erfolg der Union bei der Kommunalwahl in Niedersachsen zum bundespolitischen Signal überhöht.


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Optionen nach der Wahl - fast alles ist möglich

Selbst inhaltliche Positionierungen, wie sie die Union heute mit ihrem 100-Tage-Programm markierte, können in einem Wahlkampf wie diesem nur begrenzte Orientierung bieten. Was eine neue Regierung wirklich zu leisten vermag, wird sich erst am Ende von Koalitionsverhandlungen herauskristallisieren, die sich – ähnlich wie bei der letzten Bundestagswahl – leicht bis ans Jahresende oder darüber hinaus hinziehen können.

Die Farben Schwarz und Gelb liegen in einem Malkasten zusammen zwischen den Farben Rot und Grün  (picture-alliance/ dpa | Karl-Josef Hildenbrand) (picture-alliance/ dpa | Karl-Josef Hildenbrand)Welche Koalitionen sind denkbar? 
Eine künftige Regierungskoalition wird voraussichtlich aus mindestens drei Parteien bestehen müssen. Das legen die aktuellen Umfragewerte zur Bundestagswahl nahe. Doch nicht jedes Bündnis, das rechnerisch möglich erscheint, ist auch inhaltlich denkbar. Ein Überblick.

Die Optionen sind vielfältig wie nie und das Fernsehtriell hat einmal mehr bewiesen, dass die entscheidenden Fragen nach den Bündnispräferenzen der Parteien unbeantwortet bleiben. Fast alles bleibt möglich. Die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler wird deshalb zur schicksalhaften Richtungsentscheidung stilisiert. Tatsächlich aber werden sich nicht mehr als die Ausgangskonstellation für einen politischen Prozess herstellen, in dem danach allein die Parteien die Weichen stellen.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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