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StartseiteWirtschaft und GesellschaftNach dem Börsengang ist vor dem AKW-Rückbau12.09.2016

Uniper und InnogyNach dem Börsengang ist vor dem AKW-Rückbau

Um ihren Verlusten seit der Energiewende entgegenzuwirken, haben Eon und RWE Teilbereiche ihres Angebots in die Töchter Uniper und Innogy ausgelagert. Uniper ist nun an der Börse gestartet, im Winter soll Innogy folgen. Doch auch ein Erfolg der Töchter-Unternehmen wird die Kosten der Energiewende für die Konzerne nicht mindern.

Von Stefan Wolff

Logos der Eon-Tochter Uniper und der RWE-Tochter innogy (dpa/picture alliance/Roland Weihrauch/Rolf Vennenbernd/Montage Deutschlandradio)
Logos der Eon-Tochter Uniper und der RWE-Tochter innogy (dpa/picture alliance/Roland Weihrauch/Rolf Vennenbernd/Montage Deutschlandradio)
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Vor der Energiewende haben die vier Energieriesen fast den gesamten Strom produziert, den die Deutschen benötigten. EnBW, Vattenfall, RWE und Eon kamen auf einen Marktanteil von 82 Prozent. Diese Zeiten sind vorbei. Im Stromgeschäft ist kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Und immer wieder, wenn davon die Rede war, die Talsohle sei nun durchschritten, türmten sich neue Probleme auf. Denn während der Anteil von Strom aus kleineren Wind- und Solaranlagen beständig wuchs, sanken die Preise für herkömmlich erzeugten Strom. Die großen Energieversorger schrieben Verluste, ein für sie völlig neues Phänomen.

Die Aufspaltung von RWE und Eon soll ein Befreiungsschlag sein. Die Gejagten wollen nun zu den Jägern werden. Uniper-Chef Klaus Schäfer sieht sein Unternehmen gut dafür aufgestellt:

"Ich glaube, wir wissen alle, dass die Energiewende uns vor große Herausforderungen gestellt hat. Die Energiewende braucht gleichzeitig ein Rückgrat und das ist Uniper. Wir haben die flexiblen Kraftwerke, wir haben gleichzeitig den Zugang zu den Weltmärkten für Energie und gemeinsam stehen wir damit für Versorgungssicherheit, was wichtig ist."

Uniper-Börsengang macht RWE Mut

Denn wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind an der Küste nicht weht, dann wird dennoch Strom benötigt, und der kommt vorerst eben noch aus herkömmlichen Kraftwerken, die mit Kohle, Gas oder Wasser betrieben werden.

"Zweifellos sind das Auslaufmodelle. Aber das wird sich noch einige Jahre, Jahrzehnte hinziehen. Und in der Zwischenzeit könnte Uniper noch sehr gute Geschäfte machen," urteilt Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck und Aufhäuser.

Gute Geschäfte erhofft sich auch der Energieriese RWE. Das Unternehmen hat nicht wie Eon die Vergangenheit ausgegliedert, sondern die Zukunft. Die Tochter Innogy bündelt das Ökostromgeschäft, die Stromnetze und den Vertrieb. Der Mutterkonzern RWE bei Stromerzeugung aus Gas und Kohle. Auch die Atomkraftwerke bleiben dort.

Der Börsengang von Uniper hat auch den Essenern Mut gemacht. Innogy liege gut im Plan, hieß es heute. Der Börsengang sei für das vierte Quartal geplant.

Rückbau der AKW kostet Geld und Arbeitsplätze

Doch mit der Aufspaltung ist die Energiewende noch lange nicht vollbracht. Schon kurz nachdem Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2013 den Ausstieg aus der Atomkraft verkündete, deuteten sich hohe Kosten und Probleme für die Energieriesen an. Jürgen Meyer, damals Fondsmanager bei SEB Asset Management:

"Wenn sie sich die Bilanzen der Unternehmen anschauen, die haben relativ hohe Verbindlichkeiten. Wenn sie dann weiter sehen, dass der Abriss eines Atomkraftwerks mehr kostet als sein Bau und durch die Energiewende der Abriss etwas früher geschieht als ursprünglich geplant, muss auch das finanziert werden."

Und das kostet nicht nur eine Menge Geld, sondern auch Arbeitsplätze. Uniper will Stellen streichen. Eine konkrete Zahl wurde noch nicht genannt. RWE wird bis 2020 im Bereich Stromerzeugung 2.300 Arbeitsplätze abbauen. Heute kündigte zudem der Stromproduzent Steag an, die Hälfte seiner Kraftwerksblöcke vom Netz zu nehmen. 1.000 Jobs - jeder vierte bei Steag - fielen so weg.

 

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