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StartseiteCampus & KarriereUniversität im Wettbewerb26.03.2003

Universität im Wettbewerb

Erste Bilanz der Stiftungsuniversität Göttingen

<strong> Seit diesem Januar ist die Universität Göttingen eine Stiftungsuni. Das niedersächsische Hochschulgesetz der ehemaligen SPD-Landesregierung hat diese Umwandlung ermöglicht. Sie soll die Uni langfristig aus der Verantwortung des Ministeriums entlassen. Die Universitätsleitung erhofft sich von diesem Schritt mehr Autonomie, schnellere Entscheidungen, mehr Geld und noch mehr internationale Studenten. </strong>

Mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit, das heißt auch mehr Wettbewerb. Denn die Stiftungsuniversität muss sich weiterhin beim Land Niedersachsen um finanzielle Mittel bewerben. Auch innerhalb der Fakultäten werden die Dozenten stärker um Geld für Personal und Projekte konkurrieren. Davon haben allerdings einige Studierende noch nichts bemerkt.

Ich studiere Jura im dritten Semester. Für mich hat sich nichts verändert, ich habe nur gemerkt, dass das Mensaessen teurer geworden ist, aber woran das liegt kann ich nicht sagen. Konkurrenz ist immer gut und Wettbewerb, auf jeden Fall. Ich denke, dass sich Professoren dann bisschen mehr anstrengen werden, um Kohle zu bekommen. Die Freiheiten finde ich gut, es bleibt aber abzuwarten, ob der Uni nicht die finanziellen Mittel gekürzt werden.

Ob die Konkurrenz das Lehrangebot verbessert und die Stimmung an den Fakultäten hebt - Professoren und Unimitarbeiter sind geteilter Meinung.

Ich denke bezüglich des Kündigungsschutzes wird sich einiges ändern, aber prinzipiell ist Konkurrenz richtig, weil sie mehr Schwung in Uni bringt, weil die Uni verschnarcht ist, das weiß jeder. Professor Eike Schomburg von der medizinischen Fakultät verspricht sich von der Stiftungsuni keine positiven Veränderungen.

International sind wir sowieso und praxisbezogen, und ich glaube nicht, dass Unternehmen Schlange stehen, um zu stiften. Die USA haben eine andere Kultur. Wir haben diese Stiftungskultur nicht. Ich glaube nicht, dass sich das positiv entwickelt. Ich glaube, dass sich die Uni mehr an wirtschaftlichen Interessen orientieren muss, um Geld zu bekommen und langfristig, dass das Land versuchen wird sich, aus Verantwortung herauszuziehen.

Bisher stellt das Land Niedersachsen einen Großteil des Stiftungskapitals zur Verfügung: etwa 300 Millionen Euro pro Haushaltsjahr für Universität und Humanmedizin zusammen. Zusätzlich soll ein Fundraising Gremium Sponsoren werben, erklärt Vizepräsident der Universität Matthias Schuhmann:

Wir denken, dass wir auch mittelfristig nur sehr kleine Beträge einwerben können, die uns kleine Spielräume ermöglichen, etwa einstellige Millionenbeträge. Wir werden froh sein, wenn wir überhaupt in diese Größenordnung kommen.

Zwar besitzt die Uni Göttingen Gebäude im Wert von mehr als 650 Millionen Euro. Aber allein die Sanierung maroder Häuser würde fast 400 Millionen Euro verschlingen. Geld, das die Universität zur Zeit nicht übrig hat.

Wie die Universität investiert, wie sie ihr Lehrangebot strukturiert, darüber wird künftig der Stiftungsrat entscheiden. Er hat die Funktion eines Aussichtsrates und kontrolliert das Unipräsidium. Für dieses verantwortungsvolle Amt hat der Senat der Universität schon fünf Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft vorgeschlagen. Wissenschaftsminister Lutz Stratmann wird den Stiftungsrat in Kürze bestätigen. Der Rat wird dann an Stelle des Ministeriums die strategische Entwicklung der Universität bestimmen.

Der Schwerpunkt soll weiterhin auf Lehre und Forschung liegen, sagt Vizepräsident Schuhmann. Außerdem soll die Universität ihren Weg zu einer internationalen Uni weiter gehen. Schon jetzt bietet sie beispielsweise Bachelor- und Master - Abschlüsse in den Forst- und Wirtschaftswissenschaften für Studierende aus der ganzen Welt.

Ich bin internationaler Wirtschaftler, ich bin halb Japaner und Deutscher. Das Besondere ist, dass man hier BWL, VWL und Wirtschaftsenglisch und Spanisch macht. Am Ende bin ich Master of Businessadministration. Hört sich toll an, aber so besonders ist es auch nicht, Grundstudium ist bisher nur eine Qual gewesen, das Gleiche was die anderen BWLer auch machen: Statistik, Mathe, ziemlich nervig.

Bisher sind 23.000 Studierende an der Universität Göttingen eingeschrieben, jeder 10. davon aus dem Ausland. Die Universitätsleitung erhofft sich von der internationalen Stiftungsuni, dass die Studentenzahlen wieder auf 30.000 ansteigen, so wie in den besten Jahren der Georg August Universität Göttingen.

Autorin: Elke Drewes

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