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StartseiteCampus & KarriereUnsichere Zukunft für zurückgekehrte Forscher13.02.2012

Unsichere Zukunft für zurückgekehrte Forscher

Das Rückkehrerprogramm in Nordrhein-Westfalen

Seit 2007 lockt das Land Nordrhein Westfalen deutsche Spitzenforscher aus dem Ausland mit einem Rückkehrerprogramm zurück nach Deutschland. 1,25 Millionen Euro Fördersumme stellen für fünf Jahre sicher, dass die Forscher ohne finanzielle Sorgen arbeiten können. Was danach kommt, ist ungewiss.

Von Raoul Festante

Stammzellforschung an der Ruhr-Universität Bochum. (Universität Bochum)
Stammzellforschung an der Ruhr-Universität Bochum. (Universität Bochum)
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"Also das ist dieses Photometer, das hat hier noch eine Kühlung eingebaut und noch eine Heizung, so dass man eben die Temperatur genau regeln kann. Der Plattenleser, weiß ich auch nicht, müsste auch so etwas um die 20.000 gewesen sein."

Dr. Lars Leichert ist Juniorprofessor an der Ruhr-Universität Bochum und erforscht, wie Sauerstoff Zellen angreift. Denn Sauerstoff ist nicht nur lebensnotwendig, in Zellen können sogenannte Sauerstoffradikale sogar für Schlaganfälle oder Tumore verantwortlich sein.

Der Biochemiker betreibt wichtige Grundlagenforschung und benötigt viele spezielle Geräte in seinem Labor, auch einen sogenannten Plattenleser für 20.000 Euro musste er anschaffen.

"Eigentlich jedes Gerät erleichtert uns hier irgendwie das Leben. Ich meine ohne das Rückkehrerprogramm hätte ich gar nichts machen können. Da hätte ich gar kein Geld."

Und vermutlich wäre der Traum von einem eigenen Labor dann auch für Leichert nur ein Traum geblieben. Wobei es für den Doktoranden der Ann Arbor Universität in Michigan eigentlich auch sonst gut lief. Vier Jahre hatte er dort für seine Promotion verbracht, danach zwei Jahre als Postdoc im gleichen Labor weitergearbeitet. Langfristig hätte Lars Leichert dort bleiben können.

"Nach zwei Jahren Postdoc ist es eigentlich auch in den USA nicht üblich, dass man dann auch schon seine eigene Gruppe aufbauen kann, und ich hab mir gedacht, ich probiere es einfach mal, hab mir nicht so viel Hoffnungen gemacht und war dann glücklich, als es doch geklappt hat."

Dass er seine eigene Forschungsgruppe mit eigenem Labor und jeder Menge Hightech ausstatten konnte, verdankt er dem Rückkehrerprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Land unterstützt seine Forschung seit 2008 mit jährlich 250.000 Euro. Das ist selbst verglichen mit anderen internationalen Programmen viel Geld, welches ihm einiges an Freiheit ermöglicht, sagt Leichert.

"Man kann sehr viele Mitarbeiter einstellen, man kann eben auch sehr viel Ausstattung beschaffen, ja man hat erst mal ein bisschen Ruhe an einem Projekt zu arbeiten und ein Projekt voranzubringen und muss sozusagen nicht, wie bei einem Zweijahresprogramm, wenn man dann das Geld eingeworben hat und gerade angefangen hat, sich schon um die Anschlussfinanzierung kümmern."

Die sorgenfreie Zeit dürfte für den 37-jährigen Leichert ab dem kommenden Jahr allerdings vorbei sein, denn ab 2013 endet seine Förderung. Ab dann muss er sich verstärkt um eigene Sponsoren für sein Labor kümmern. Und ob der Juniorprofessor irgendwann eine lebenslange Stelle als Professor an der Ruhr-Universität in Bochum bekommt, ist ebenfalls nicht sicher.

Sonja Brandt vom Wissenschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen kennt dieses Problem. Sie betreut Rückkehrer wie Lars Leichert bei der Finanzierung seines Labors. Die Sorgen um die Zeit nach dem Programm kann sie zwar verstehen.

"Aber auf der anderen Seite: Fünf Jahre finanziell sorgenfrei die eigene Forschung vorantreiben zu können und sich in der Wissenschaft als Leiter der Forschungsgruppe einen Namen machen zu können, das verbessert ja erst die Chancen auf eine spätere wissenschaftliche Karriere."

Man sei aber optimistisch, meint Brandt, dass die Hochschulen in Zukunft dafür sorgen werden, mehr Nachwuchsforscher durch langfristige Karriereplanung zu halten. Zum Beispiel mit dem sogenannten "Tenure Track Verfahren": Das garantiert den Jungwissenschaftlern nach sechs Jahren eine klare Perspektive - entweder eine Anstellung auf Lebenszeit oder eine Absage.

In Deutschland ist das Verfahren bisher allerdings eine Ausnahme. Allen Beteiligten ist deshalb bewusst, dass sich hier etwas ändern muss. Die unsichere Situation an den Hochschulen ist jedenfalls keine gute Werbung für den Standort Deutschland, sagt Lars Leichert , auch wenn er dankbar für das Rückkehrerprogramm ist. Er hofft, dass sein Labor weiter erhalten bleibt und sich die Investitionen in teure Messgeräte auch lohnen.

"Ja ich denke, dass ist eben für eine konstante wissenschaftliche Arbeit wichtig, dass man sozusagen eine Zukunftsperspektive für sich selber hat. Ich habe eben jetzt auch Mitarbeiter und wenn ich dann jetzt gehen müsste, dann hieße dass für die Gruppe auch das Ende oder eben für angefangene Projekte das Ende."

Programm zur Förderung der Rückkehr des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses aus dem Ausland

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