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StartseiteUmwelt und VerbraucherGrundwasserschutz mit Öko-Landbau 26.06.2019

UnterfrankenGrundwasserschutz mit Öko-Landbau

Gülle und synthetischer Dünger können in der Landwirtschaft das Grundwasser belasten - mit Nitrat, teilweise auch mit Pestizid- und Arznei-Rückständen. Auch im trockenen Unterfranken werden Grenzwerte überschritten. Die Bezirksregierung setzt auf Öko-Landbau und wirbt mit einem Praxistag auf einem Biohof.

Von Anke Petermann

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Das Bild zeigt einen Trecker auf einem trockenen Acker in Bayern, der eine Staubfahne hinter sich her zieht. (dpa / picture alliance / Peter Kneffel)
Im trockenen Getreideanbau-Gebiet Unterfranken ist das Grundwasser besonders gefährdet. (dpa / picture alliance / Peter Kneffel)
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Unterfranken gilt als Bayerns Steppe. Hier an der Grenze zu Hessen und Baden-Württemberg verschärft der Klimawandel die Trockenheit. In den Tiefen bildet sich wenig neues Grundwasser. Mangels Regen landet überschüssiger Dünger weitgehend unverdünnt darin als potentiell gesundheitsschädliches Nitrat.

In dieser Trockenzone, in Egenhausen bei Schweinfurt, bewirtschaftet die Familie Römert einen Biohof mit Zuckerrüben-, Kartoffel-, Getreide-Anbau und 80 Färsen, weiblichen Jungrindern. Einige bewegen sich soeben vom Maststall ins Freie. "Die Tiere haben überall Zugang zum Heu. Gefüttert wird Luzerne-Silage oder Luzerne-Grün. Der Aufwand ist natürlich enorm, aber durch diese Haltungsform ist für uns eigentlich Tierarzt ein Fremdwort," erzählt Andreas Römert mit Mini-Mikrofon, damit ihn auf dem Praxistag alle 80 Bauern verstehen, darunter biologisch wirtschaftende, konventionelle und umstellungswillige.

"Also, wenn ich mir überlege, was für einen Medikamenteneinsatz wir früher in der Bullenmast gehabt haben im Vergleich zu heute – das ist enorm, also das ist eigentlich gar nichts  mehr." Seit 1993 betreibt er Bio-Landbau, seit 2003 nach den strengen Richtlinien des Demeter-Anbauverbandes. Was Andreas Römert das gebracht hat? "Weniger Erträge, aber dafür bessere Qualität, gesündere Nahrungsmittel. Der Verbraucher muss das halt noch verstehen und dementsprechend einkaufen."

Bio-Landbau als praktizierter Wassersschutz

Keine Pestizid-Rückstände, so gut wie keine Tierarznei-Rückstände, das sei praktizierter Wasserschutz, findet Robert Hermanowski, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL). Das FiBL hat die Praxistage vor zwölf Jahren mit ins Leben gerufen. In der Umgebung von Tierställen mit konventioneller Haltung lasse sich dagegen beobachten, dass sich resistente Keime ergeben, durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika. Bernhard Schwab vom Amt für Landwirtschaft in Bamberg.  (Anke Petermann)Bernhard Schwab vom Amt für Landwirtschaft in Bamberg. (Anke Petermann) 

Die Aktion "Grundwasserschutz durch Öko-Landbau" zieht bei unterfränkischen Bauern. Allein in den ersten acht Jahren hat sich die Zahl der Biohöfe fast verdoppelt. Die Zuwachsraten für den Grundwasser schonenden Ökolandbau bleiben dynamisch. Koordinator Bernhard Schwab vom Amt für Landwirtschaft in Bamberg sagt, wenn auch wirtschaftlicher Erfolg erkennbar sei, gebe es Nachahmer.

Fünf bis zehn Prozent Marktwachstum

Lohnt sich die Umstellung auf Öko, wollen konventionelle Bauern von Wolfram Dienel wissen. Der Markt-Experte aus Leipzig antwortet: "Unter den Bedingungen, die wir haben, bin ich optimistisch, dass es mit fünf bis zehn Prozent Marktwachstum weitergeht." Es gebe immer mehr Kunden, die Bioware aus Deutschland wollten.

Tierhaltung ist im Ökolandbau an die Größe der Ackerfläche eines Hofes gebunden. Biobauern können also nur eine begrenzte Menge Tiere halten. Sie düngen ihre Felder hauptsächlich mit Mist, synthetischen Dünger dürfen sie nicht zukaufen. Stattdessen bauen sie auf eine Fruchtfolge mit Stickstoffsammlern wie der Luzerne. Mindestens zwei weitere Getreidebauern auf dem Praxistag überzeugt das. Sie wollen auf öko umsteigen. "So will ich auch nicht mehr weitermachen. Also mit der ganzen Düngerei, Spritzerei. Man sieht es ja mit dem Klima oder der  Artenvielfalt, dass es eher in eine schlechte Richtung geht." "Am Regen können wir selber nichts ändern. Deshalb müssen wir halt gucken, dass wir unsere Bewirtschaftung so ändern, dass wir das Wasser, das vom Himmel fällt, nutzen und nicht schädigen, dass wir es für die nächsten Generationen immer noch sauber halten." Herumgesprochen hat sich, dass Umstellungswillige Hilfe bekommen vom Staatlichen Amt für Landwirtshaft und den Anbauverbänden.

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