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StartseiteVerbrauchertippWohnungsangebote für Studierende nicht immer seriös04.12.2019

Unterkunft im AuslandWohnungsangebote für Studierende nicht immer seriös

Wer im Ausland studiert und dort eine Wohnung sucht, trifft häufig auf ein knappes und teures Angebot. Teilweise können kleine Apartments sogar mehr als 1.000 Euro kosten. Vor allem in großen Metropolen sowie zu Semesterbeginn ist die Nachfrage groß.

Von Annette Eversberg

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Studentin in einem Wohnheim (picture alliance / Cdsb / Imaginechina / dpa)
Für Studierende, die ihr Auslandsemester absolvieren wollen, ist die Wohnungssuche nicht immer einfach (picture alliance / Cdsb / Imaginechina / dpa)
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Ob in Paris, London, Malaga, Wien oder Zürich - dort eine Wohnung zu finden, ist für Studierende, die ihr Auslandsemester absolvieren wollen, nicht immer einfach. Je nach Studienort sind die Möglichkeiten sehr begrenzt, weil sie auf dem Wohnungsmarkt mit Menschen aus aller Welt konkurrieren.

Außerdem sind die Angebote nicht ohne weiteres zu überprüfen, weil man nicht vor Ort ist. Verbraucherschützer kennen die Probleme und empfehlen, wie man mit Wohnungsanzeigen im Ausland umgehen soll.

Wer im Ausland studiert und dort eine Wohnung sucht, trifft häufig auf ein knappes und teures Angebot. Ein Zimmer für 300 Euro monatlich ist da noch günstig. Teilweise können kleine Apartments sogar mehr als 1.000 Euro kosten. Vor allem in großen Metropolen wie Paris oder London. Vor Semesterbeginn ist zudem der Andrang besonders groß.

Diese Erfahrung machte auch Delia Kornelsen, die zurzeit in Bordeaux studiert. Bei der französischen Plattform CROUS für Studentenwohnheime hatte sie kein Glück. Nicht selten suchen dann Studierende in spezialisierten französischen Kleinanzeigenportalen nach Wohnungen, Zimmern oder WGs - oder auch bei Facebook.

Kornelsen: "Allerdings ist es ziemlich schwierig etwas zu finden, auch weil alle Anzeigen auf allen Portalen relativ kurzfristig reingestellt werden. Und da ich zu der Zeit noch in Deutschland war und keinen Besichtigungstermin gerade mal so eben vereinbaren kann."

Verlockende Angebote

Kurzfristige Besichtigungstermine können nach den Recherchen des Juristen des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz* in Kehl am Rhein, Onntje Hinrichs, bedeuten, dass das Angebot nicht seriös ist.

"Es gibt natürlich auch viele ehrliche Anbieter. Aber das Problem ist, dass es auch Betrüger gibt, die eine Wohnung inserieren. Aber in Wirklichkeit steht die Wohnung gar nicht zur Miete da." Außerdem werde versucht, Angebote besonders verlockend darzustellen.

Delia Kornelsen kann das bestätigen: "Das Klassische ist wirklich eine Anzeige, eine Wohnung, 30 Quadratmeter im Stadtzentrum und die Fotos wie aus einem Hotelkatalog. Genaue Lokalität wird nicht beschrieben, einfach nur Zentrum, und dann eben 300 Euro, was wirklich undenkbar für Bordeaux-Verhältnisse ist."

Seriöse und unseriöse Vermieter

In einigen Fällen werden die Wohnungsinteressenten aufgefordert, Geld zu überweisen. Onntje Hinrichs kennt ein häufiges Argument unseriöser Vermieter.

"Er könne jetzt leider keine Wohnungsbesichtigung machen, er möchte, dass die Miete und Kaution im Voraus bezahlt wird." In solch einem Fall kann das passieren, was Delia Kornelsen in Bordeaux erlebt hat, als ihr eine Anzeige seriös erschien.

"Dann hat mir diese Person geschrieben und dann kam irgendwann so der Punkt: Dann überweisen Sie mir die Kaution und dann können wir ein Treffen vereinbaren, wo Sie dann den Schlüssel kriegen."

Von Kommilitonen erfuhr Delia Kornelsen, dass solche Wohnungen oft gar nicht existieren, was auch die Europäische Verbraucherzentrale bestätigen kann.

Überprüfung von Wohnungsangeboten im Ausland

Onntje Hinrichs rät daher zunächst, die Seite eines Internetanbieters zu prüfen. Denn es komme auch vor, dass bekannte Internetseiten bewusst gefälscht würden:

"Da muss man genau schauen, ob man sich auch wirklich auf der richtigen Internetdomain befindet, oder ob das ein anderer Anbieter ist."

Adresse und Schreibfehler auf der Seite können auf eine Fälschung hinweisen. Keinesfalls sollte man Bankdaten und Ausweiskopien an Unbekannte schicken. Außerdem rät Verbraucherschützer Hinrichs grundsätzlich zu einem Blick in ein Streetview-Programm - um zu prüfen, ob unter der angegebenen Adresse überhaupt ein Haus steht.

Ob die Fotos schon anderweitig benutzt wurden, kann man über die umgekehrte Bildersuche auf den Suchmaschinen klären. Aber grundsätzlich gilt, so der Verbraucherschützer.

"Man sollte eigentlich erst die Wohnung selber besichtigen können. Man sollte den Vermieter kennenlernen, den Mietvertrag abschließen und erst dann sollte man - im Nachhinein - zahlen."

Wer auf einen Betrüger hereingefallen ist, sollte sofort Strafanzeige bei der Polizei erstatten, den Betrugsfall an das Online-Portal melden und - so Onntje Hinrichs - umgehend bei seiner Bank versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen.

*Die an dieser Stelle genannte Organisation hat sich umbenannt. Die ursprünglich im Text genannte Bezeichnung wurde aktualisiert.

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