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StartseiteVerbrauchertippVerbraucherschützer sehen Gutscheinlösung skeptisch27.04.2020

UrlaubsstornierungVerbraucherschützer sehen Gutscheinlösung skeptisch

Viele Menschen sind in der Coronakrise verunsichert, wie sie gegebenenfalls für bereits gebuchten Urlaub entschädigt werden. Die geplante Gutschein-statt-Geld-Regelung soll wohl rückwirkend für Reisebuchungen vor dem 8. März 2020 gelten. Verbraucherschützer raten bei der Gutscheinlösung zur Vorsicht.

Von Margret Bielenberg

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Urlauber sitzen bei hochsommerlichen Temperaturen unter einem Sonnenschirm am Strand von Norderney. (dpa / Hauke-Christian Dittrich )
Wenn der geplante Sommerurlaub wegen der Coronakrise platzt, müssen Verbraucher genau hinschauen, wie sie entschädigt werden (dpa / Hauke-Christian Dittrich )
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Viele haben ihren Sommerurlaub bereits gebucht. Ob der wirklich stattfinden kann, ist fraglich. Vor allem, wenn es ins Ausland gehen soll, sind viele Menschen verunsichert. In welchen Fällen können sie stornieren, wann nicht und sollten Gutscheine akzeptiert werden?

Dorothee Bieske und ihr Mann haben im Februar ihren Sommerurlaub nach Schweden gebucht. Das Hotel kann kurzfristig storniert werden, der Flug wurde schon bezahlt. Ob sie den im Sommer wahrnehmen können oder wollen, wissen sie noch nicht.

"Wir hoffen natürlich, dass wir unseren Urlaub nach Stockholm antreten können, würden aber stornieren wollen, wenn sich die Infektionslage mit dem Coronavirus bis dahin nicht wesentlich verändert hat. Wir würden auch stornieren wollen, wenn beispielsweise der Grund unserer Reise, Museen zu besuchen und ähnliches nicht möglich wäre."

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Brüssel entscheidet über Gutscheinlösung

Handelt es sich um einen Städtetrip als Pauschalreise und im Sommer sind im Urlaubsort beispielsweise Museen, Veranstaltungen oder Restaurants geschlossen, dann könne man zu diesem Zeitpunkt stornieren, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Im Moment ist die Rechtslage so, ich bekomme mein Geld zurück, wenn der Reiseveranstalter die Reise nicht durchführen kann. Die Bundesregierung möchte das ja gerne ändern, kann das aber nicht allein, das ginge nur auf EU-Ebene, da hat sie es ja angeregt eine Gutscheinlösung zu finden, die es den Reiseveranstaltern ermöglicht Gutscheine auszustellen und wenn der Verbraucher dann bis Ende nächsten Jahres nicht neu gebucht hat für das Geld, gibt es das Geld zurück."

Was bei Einzelbuchungen zu beachten ist

Die Bieskes haben keine Pauschalreise abgeschlossen, sondern Hotel und Flug einzeln gebucht. Führt die Fluggesellschaft im Sommer den Flug nach Stockholm durch und einzelne Museen oder bestimmte Veranstaltungen sind beispielsweise geschlossen, können sie nicht kostenfrei stornieren und das Geld zurückverlangen. Anders sieht es aus, wenn sie auf einen anderen Flug umgebucht werden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten.

"Entweder mein Geld zurückzuverlangen oder eben zu sagen, okay Umbuchung oder anderweitige Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Und wenn ich dann nicht fliegen möchte an einem anderen Datum, dann bekomme ich auch mein Geld zurück. Aber auch da kann es natürlich sein, dass ich versucht werde mit einem Gutschein abgespeist zu werden, da sollte ich dann auch auf das Geld bestehen und mich sonst an die Schlichtungsstelle wenden, weil die ja für die Verbraucher auch kostenfrei arbeitet."

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Verbraucherschützer sehen Gutscheinregelung skeptisch

Die geplante Gutschein-statt-Geld-Regelung der Bundesregierung soll voraussichtlich rückwirkend für Reiseangebote gelten, die vor dem 8. März dieses Jahres gebucht wurden. Verbraucherschützer stehen der Gutscheinlösung grundsätzlich skeptisch gegenüber.

"Die Anzahlungen, die ich auf eine bestimmte Reise geleistet habe, die sind insolvenzgesichert, aber gilt das auch für Gutscheine, die dann nur ein Geldwert sind. Deswegen wäre ich jetzt sehr zurückhaltend damit, einen Gutschein zu akzeptieren und wenn, dann würde ich das nur dann machen, wenn der Versicherer mir die schriftliche Zusage gibt, dass dieses Geld auch von der Insolvenzversicherung umfasst ist."

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Lieber auf Auszahlung bestehen

Die Gutscheinlösung ist auch für reine Flugbuchungen geplant, sagt Julia Rehberg. Allerdings sei bei Flügen bisher keine Insolvenzsicherung üblich. Da wisse man nicht, ob man den Flug nächstes Jahr noch antreten könne.

"Einen Gutschein anzunehmen in der derzeitigen Lage, da wäre ich sehr zurückhaltend, weil es gut sein kann, dass der gar nicht gegen die Insolvenz gesichert ist, wenn der Veranstalter pleite geht. Also dann eher auf die Auszahlung meines Geldes bestehen und überlegen ob ich klage oder vielleicht nochmal zwei, drei Wochen warten wie sich das in Richtung Gutscheinlösung entwickelt. Wenn die kommt, dann werde ich ihn ja auch annehmen müssen."

Die Verbraucherzentralen bieten für 2 Euro pro Minute telefonische Beratung an. Wer möchte, kann vorab die Reiseunterlagen schicken und einen Telefontermin vereinbaren.

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