Kommentare und Themen der Woche 13.07.2020

Urteil zu Manchester CityFinancial Fairplay ist nicht mehr als ein PapiertigerVon Matthias Friebe

Beitrag hören Das Team von Manchester City vor dem Spiel gegen Dinamo Zagreb in der Champions League im Dezember 2019. (imago images / Pixsell)Manchester City darf nach einer CAS-Entscheidung nun doch an der Champions League teilnehmen. (imago images / Pixsell)

Der britische Premier-League-Club Manchester City darf, trotz Verstöße gegen das Financial Fairplay, in der Champions League antreten – gegen eine Geldstrafe in Höhe von zehn Millionen Euro. Dass Manchester damit durchkomme, sei bitter, kommentiert Matthias Friebe das "schmutzige Geschäft Fußball".

"Ein Skandalurteil", "eine Farce". Die ersten Reaktionen auf das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS kamen schnell. Das Gericht hatte entschieden, dass Manchester City doch weiter in der Champions League spielen darf. Die von der UEFA zuvor verhängte Zwei-Jahres-Sperre wurde kassiert.

Aufatmen in Manchester. Wäre es bei der Sperre geblieben, hätte der Club wohl kaum einen Topspieler halten können. Denn auch wenn City fürstliche Gehälter zahlt, ohne Teilnahme in Europa wäre die Mannschaft für viele Stars absolut uninteressant geworden. So muss lediglich eine Zehn-Millionen-Euro-Strafe aus der Portokasse überwiesen werden. Eine Geldstrafe in diesem Verfahren – nichts scheint lächerlicher zu sein, schwimmt gerade Manchester City doch förmlich in Geld.

Zwei Milliarden aus den Emiraten

Rund zwei Milliarden Euro sind in den letzten Jahren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Manchester geflossen. Der Club gehört Scheich Mansour, Emirates Airlines ist der Hauptsponsor. Bestraft wurde der Club, weil sich herausstellte, dass mit fingierten Belegen Einnahmen als Sponsorengelder definiert wurden, die faktisch keine waren. Verboten, denn nach UEFA-Recht dürfen durch das sogenannte Financial Fairplay kurz gesagt die Ausgaben eines Clubs nicht die Einnahmen übersteigen. Manchester City hat aber enorm viel Geld in die Hand genommen, um Topstars aus Europas Ligen zusammenzukaufen.

Dass Manchester damit durchkommt, ist bitter. Das Urteil des obersten Sportgerichts zeigt aber auch: Das Regelwerk an sich, das Financial Fairplay, ist nichts mehr als ein Papiertiger. Während viele kleinere Vereine schon wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay aus dem Wettbewerb ausgeschlossen wurden, hat es Manchester City trotz erdrückender Beweislast geschafft, um die Strafe herum zu kommen.

Zweifelhaftes Handeln der UEFA Mitschuld

Und das, weil die Vorwürfe nicht zweifelsfrei belegbar oder verjährt sind. Der Vorwurf ist hier dem mindestens zweifelhaften, wenn nicht korrupten Handeln der früheren UEFA-Spitze zu machen. Erste Ermittlungen im Jahr 2014 gegen Manchester City wurden eingestellt, nachdem in Hinterzimmern Deals ausgehandelt waren. Und zwar vom damaligen UEFA-Generalsekretär höchstselbst: Gianni Infantino, inzwischen FIFA-Präsident.

Viel zu wichtig war und ist der Emirate-Ableger-Verein für das Fußball-Geschäft, die luxuriösen Quellen wollte man nicht durch Strafen versiegen lassen. Es mussten erst geheime Dokumente über das Portal Football-Leaks veröffentlicht werden, die so eindeutig waren, dass selbst die UEFA nicht anders konnte, als den Club zu bestrafen.

Kein Skandalurteil, nur Beweis, wie schmutzig das Geschäft ist

Das heutige Urteil ist kein Skandalurteil, es zeigt einfach nur wieder einmal überaus deutlich, wie schmutzig das Geschäft Fußball ist und wie ausgeliefert er inzwischen arabischen Investoren ist, die sich mit dem Spielzeug Spitzenfußball weltpolitischen Einfluss erkaufen wollen. 150 Kilometer nördlich von Manchester, in Newcastle, wartet Saudi-Arabien gerade nur auf den Einstieg ins Geschäft.

Matthias Friebe (Deutschlandfunk – Aktuelles, freier Mitarbeiter)  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Matthias Friebe, Jahrgang 1987, Journalist, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Münster und Duisburg-Essen. Volontariat bei domradio.de und Ausbildung an der Journalistenschule ifp in München. Danach arbeitete er als Moderator und Redakteur für WDR, Deutschlandfunk und domradio.de. Heute ist er Redakteur in der Sportredaktion des Deutschlandfunks.

Mehr zum Thema

Empfehlungen