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StartseiteInformationen am MorgenTrump schafft Fakten in Afghanistan und im Irak17.11.2020

US-AuslandseinsätzeTrump schafft Fakten in Afghanistan und im Irak

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump wird weitere Soldaten aus dem Irak und aus Afghanistan abziehen lassen. Selbst aus den Reihen der Republikaner gibt es dafür Kritik. Trump sorgt auch aus einem anderen Grund für Irritationen.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump auf Kurzbesuch bei den US-Soldaten in Afghanistan. Er steht an einem Redepult und hält sich die Hände an die Ohren, als warte er auf eine Reaktion des Publikums. (AFP/Olivier Douliery)
Trump bei einem Truppenbesuch in Afghanistan im vergangenen Jahr (AFP/Olivier Douliery)
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Trumps geschäftsführender Verteidigungsminister im Pentagon bestätigte Meldungen, wonach Trump bis zum 15. Januar die Truppenstärke in Afghanistan von rund 4.500 Soldaten auf 2500 Soldaten reduzieren wolle. Die Zahl der Soldaten im Irak solle gleichfalls um 500 auf dann 2.500 Kräfte gesenkt werden. Christopher Miller, der erst mit dem Rausschmiss von Verteidigungsminister Mark Esper vergangene Woche kommissarisch ins Amt gekommen war, teilte die Order des Präsidenten sichtlich nervös im Pentagon mit.

Gemeinsam einmarschiert, gemeinsam verlassen

An die US-Verbündeten gerichtet sagte der geschäftsführende Pentagon-Chef, man sei zusammen einmarschiert, man müsse sich gemeinsam der Lage stellen und wenn der Zeitpunkt gekommen sei, werde man gemeinsam Afghanistan und Irak verlassen. Miller suggerierte zudem, dass die überraschenden Abzugspläne unmittelbar vor dem Ende der Amtszeit Donald Trumps in Einklang mit bereits bekannten strategischen Zielen stünden.

Der Anführer im Senat, Mitch McConnell, kritisierte die Pläne des Präsidenten in ungewöhnlich scharfem Ton. McConnell, eigentlich ein Gefolgsmann und enger Vertrauter des Präsidenten, sagte im Senat, ein vorzeitiger Abzug würde weltweit als Symbol für die Niederlage und Demütigung der Vereinigten Staaten gesehen und als Sieg für den islamischen Extremismus interpretiert werden. Man dürfe das Feld nicht den radikal-islamischen Taliban und der Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat überlassen.

Warnung vor Propagandasieg der Taliban

Derzeit sind in Afghanistan noch 4.500 US-Soldaten stationiert, im Irak sind es noch 3.000. Trump plant offenbar, in beiden Ländern die Zahl der US-Soldaten auf jeweils 2.500 zu reduzieren – mit unabsehbaren Folgen für die Verbündeten der USA, wie McConnell betonte, aber auch für die Sicherheitslage in Afghanistan und im Irak: Ein verfrühter Abzug würde ein gefährliches Vakuum schaffen, das Russland und dem Iran in die Hände spielen würde, aber auch jenen Kräften vor Ort, die den Vereinigten Staaten Schaden zufügen wollten.

Mitch McConnell steht am Rednerpult. (Senate Television) Mitch McConnell (Senate Television)

McConnell warnte davor, den Taliban einen Propagandasieg zu bescheren – sie hielten sich bereits jetzt nicht an die ausgehandelten Bedingungen für ein Friedensabkommen und würden die Lage nach Abzug der US-Soldaten weidlich ausnützen. Die Konsequenzen eines verfrühten Abzugs könnten schlimmer sein als der von Barack Obama veranlasste Abzug aus dem Irak im Jahr 2011, so Mitch McConnell. Er habe damals zum Aufstieg des IS und zu einer neuen Runde weltweiten Terrors geführt.

Mitch McConnell beschwor sogar Erinnerungen an den spektakulären Abzug der US-Truppen aus Saigon/Vietnam im Jahr 1975 herauf. Noch sind Trumps Überlegungen nicht offiziell bestätigt worden – die Reaktionen lassen jedoch bereits jetzt kaum Zweifel an deren Authentizität.

Präsident fragte angeblich nach Militärschlag

Trump stellt sich mit seinen Plänen gegen weite Teile der militärischen Führung, die der Präsident mit der Entlassung von Verteidigungsminister Esper und etlichen führenden Militärs in der vergangenen Woche erheblich geschwächt hatte. Trump hat sie durch willfährige Generäle ersetzt. Gleichzeitig soll sich Trump am vergangenen Donnerstag im engsten Beraterkreis nach Optionen erkundigt haben, einen Militärschlag gegen den Iran zu führen.

Die Berater sollen ihm jedoch mit Blick auf die Eskalationsrisiken in der Region energisch abgeraten haben, berichtet die "New York Times" in ihrer heutigen Ausgabe. Trump könnte jedoch versucht sein, mit einem Militärschlag alle Pläne seines Nachfolgers Joe Biden zu durchkreuzen, den von Trump aufgekündigten Atomdeal mit dem Iran wiederzubeleben.

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