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StartseiteKommentare und Themen der WocheJohn Boltons Abgang lässt nichts Gutes hoffen14.09.2019

US-AußenpolitikJohn Boltons Abgang lässt nichts Gutes hoffen

Nach dem Abgang von John Bolton könnte sich US-Präsident Trump einen Sicherheitsberater suchen, der ihm nicht widerspricht, meint Marcus Pindur. Jemanden, der Trumps fataler Neigung nachgibt, für einen Imagegewinn Diktatoren zu umwerben. Und das wäre weit schlimmer als der Ultrafalke John Bolton.

Von Marcus Pindur

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Das Foto zeigt John Bolton, den Nationalen Sicherheitsberater, mit einem gelben Notizblock. (dpa-Bildfunk / AP / Evan Vucci)
Im Gegensatz zu US-Präsident Donald Trump habe Ex-Sicherheitsberater John Bolton zumindest einen Blick für den Rest der Welt gehabt, meint Marcus Pindur (dpa-Bildfunk / AP / Evan Vucci)
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Donald Trump und John Bolton passten von Anfang an nicht zusammen, darüber waren sich die meisten Experten einig. Trump hat einen steten Rückzugsimpuls aus den internationalen Beziehungen. Gleichzeitig neigt er dazu, den Mund zu voll zu nehmen und wüste Beschimpfungen gegen seine Gegner auf der internationalen Bühne auszustoßen. Diese Rhetorik kann sich allerdings genauso gegen seine Verbündeten richten.

Doch wenn es darum geht, zu handeln, ist Trump eher vorsichtig. Er hat einen erkennbaren Respekt davor, die USA zum Beispiel im Nahen Osten in einen weiteren kriegerischen Konflikt hineinzuziehen. Deshalb verzichtete er auf Vergeltungsschläge gegen den Iran, nachdem das iranische Militär eine amerikanische Drohne abgeschossen hatte.

John Bolton dagegen hatte bereits 2015 vorgeschlagen, man möge den Iran bombardieren, um iranische Atomwaffen zu verhindern. Das war damals so falsch wie heute, alle Experten waren sich einig, dass man mit Militärschlägen die Anstrengungen Teherans, an eine Atombombe zu kommen, vielleicht um zwei Jahre hätte verzögern können. Aber man hätte gleichzeitig die Entschlossenheit der Mullahs gestärkt, sich auf jeden Fall nuklear zu bewaffnen. Bolton galt in Washington als leichtfertiger militärischer Ultrafalke.

Trump geht es darum, seine Stammwähler zu beeindrucken

Der Grund, warum Donald Trump sich John Bolton als Sicherheitsberater ins Weiße Haus holte, hatte nichts mit dessen Außenpolitik zu tun. Trump gefiel der stets rebellische, auftrumpfende und kompromisslose Gestus, den Bolton im Fernsehsender Fox TV vor sich her trug. Damit lassen sich die Stammwähler Trumps beeindruckend. Wie alle seine politischen Manöver war auch die Personalentscheidung für Bolton von innenpolitischen Erwägungen getragen.

Für Trump ist wichtig, wie er am meisten Eindruck bei seinen Fans und möglichen Wählern macht. Das hat nichts mit Außenpolitik zu tun, das ist lediglich eine Frage des Images, dass Trump von sich erzeugen will.

Ende der Liaison war vorhersehbar

So ist es auch kein Wunder, dass die Liaison von Trump und Bolton nur ein gutes Jahr hielt. Zu den politischen Differenzen kam noch etwas, was jeder weiß, der Washington auch nur ein Stück weit kennt: Bolton ist völlig kooperationsunfähig und rabulistisch. Die Aufgabe des Nationalen Sicherheitsberaters ist es aber, die verschiedenen Stränge in der Administration und den Sicherheitsagenturen zusammen zu führen und dann dem Präsidenten Handlungsalternativen vorzustellen. Bolton jedoch wollte diesen Prozess dominieren und dem Präsidenten seine Prioritäten aufdrängen.

Bolton ist den "Make-America-great-Trumpern" ein gutes Stück voraus

Doch in dem löchrigen Netz der Trumpschen Außenpolitik hatte Bolton trotz seiner schweren intellektuellen wie charakterlichen Defizite mehrere Funktionen, die in Zukunft fehlen werden. Zunächst einmal hatte er überhaupt einen Blick für den Rest der Welt und den Wert amerikanischer Verbündeter. Auch wenn er diesen Verbündeten gegenüber einen schwer zu ertragenden rechthaberischen Ton anschlug, so wusste er doch um die wirklichen Gefahren dieser Welt – und auch um den Wert von Verbündeten, so instrumentell er sie auch betrachten mochte. Damit ist er den isolationistischen "Make-America-great-Trumpern" ein gutes Stück voraus.

Bolton hat bis zum Schluss gegen einen Deal mit den Taliban angekämpft – aus guten Gründen. Trumps Gesprächsbereitschaft hatte die afghanischen Steinzeit-Islamisten nicht einen Deut kompromissbereiter gemacht. Ganz im Gegenteil, sie witterten ihre Chance, weil Trump die gegenwärtige, rechtmäßige afghanische Regierung von den Verhandlungen ausgeschlossen hatte. Eine völlig falsche Verhandlungsstrategie unter Inkaufnahme der Rückabwicklung der in Afghanistan erreichten Fortschritte.

Boltons Instinkte waren auch in Bezug auf Nordkorea richtig. Während Trump erklärte, er sei verliebt in den Diktator Kim Jong Un und diesem die Ehre gab, als erster amerikanischer Präsident die Demarkationslinie zu überschreiten, riet Bolton Trump dringend von dem einseitigen Handel ab, den Kim vorgeschlagen hatte. Damit behielt Bolton vollkommen Recht.

Das macht ihn nicht zu einem strategischen Genie. Es wirft aber die Frage auf, was oder wer nach Bolton kommen wird. Und das lässt nichts Gutes ahnen. Diesmal könnte sich Trump einen Sicherheitsberater suchen, der ihm nicht widerspricht. Jemand, der Trumps fataler Neigung nachgibt, für einen kleinen Imagegewinn die Verbündeten von gestern zu düpieren und die Diktatoren von heute zu umwerben. Und das wäre weit schlimmer als der Ultrafalke John Bolton.

Marcus Pindur, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Marcus Pindur (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Marcus Pindur hat Geschichte, Politische Wissenschaften, Nordamerikastudien und Judaistik an der Freien Universität Berlin und der Tulane University in New Orleans studiert. Er war Stipendiat der Fulbright-Stiftung, der FU Berlin sowie des German Marshall Fund. 1997 bis 1998 arbeitete er als Politischer Referent im US-Repräsentantenhaus. Pindur war ARD-Hörfunkkorrespondent in Brüssel, bevor er 2005 zum Deutschlandradio wechselte. Von 2012 bis 2016 war er Korrespondent für Deutschlandradio in Washington, D.C. Seit Anfang 2019 ist er Deutschlandfunk-Korrespondent für Sicherheitspolitik.

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