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StartseiteKommentare und Themen der WocheTrump irrlichtert durch den Nahen Osten07.01.2019

US-AußenpolitikTrump irrlichtert durch den Nahen Osten

Ist das die Kehrtwende? Kommt nun doch kein baldiger Abzug der US-Truppen aus Syrien, wie noch vor Weihnachten von Präsident Donald Trump angekündigt? Das Hin und Her im Nahen Osten sei kennzeichnend für die US-Außenpolitik, kommentiert Carsten Kühntopp. Überlegt und durchdacht wirke dabei nichts.

Von Carsten Kühntopp

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In einer Rede an die Nation erläutert US-Präsident Trump die Luftangriffe auf mehrere Ziele in Syrien. (AFP / Mandel Ngan)
US-Präsident Trump sendet widersprüchliche Signale zur US-Politik in Syrien. (AFP / Mandel Ngan)
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Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt weiß US-Präsident Donald Trump noch immer nicht, was er im Nahen Osten eigentlich will – welche Strategie seine Administration dort verfolgen sollte. Das jüngste Beispiel: Syrien. Dort haben die USA derzeit 2.000 Soldaten stationiert, mit dem offiziell postulierten Ziel, den Kurden beim Kampf gegen den IS zu helfen. Inoffiziell ging es darüberhinaus um mehr – nämlich darum, dem Einfluss des Iran im Land zu begegnen und darum, Druck auf den syrischen Präsidenten für einen politischen Wandel auszuüben.

Überall im Nahen Osten wollten die USA ihre Partner stärken und damit den Iran zurückdrängen. Das hatte Trump als zentralen Bestandteil seiner Nahost-Politik formuliert, sehr zur Freude vor allem Israels und Saudi-Arabiens. Doch damit ist es wohl schon wieder vorbei. Denn der von Trump Mitte Dezember angekündigte US-Abzug aus Syrien bedeutet freie Bahn für die Iraner im Land – erst recht, nachdem Trump vor Tagen lapidar sagte, der Iran könne in Syrien machen, was er wolle.

Niemand weiß, was Trump will

Nun aber sieht es plötzlich so aus, als würden die US-Soldaten vielleicht doch in Syrien bleiben. Denn Trumps Sicherheitsberater John Bolton hat Bedingungen für einen Abzug gestellt. So müsse unter anderem gewährleistet sein, dass der IS nicht wiedererstarken und erneut zu einer Bedrohung werden könne. Allein diese Bedingung könnte einen Verbleib der US-Truppen in Syrien über Jahre hinweg begründen.

Doch: Spricht Bolton tatsächlich für seinen Boss? Hat der Präsident plötzlich begriffen, welch starken Hebel er mit den gerade einmal 2.000 Soldaten in der Hand hat? Ist Trumps Abzugsorder nun wieder vom Tisch? Niemand weiß es. Genau das ist das Problem. Trumps Politik ist nie das Ergebnis eines Entscheidungsprozesses, bei dem er sich von Experten umfassend beraten lassen würde, bevor er schließlich die Richtung vorgibt. Bei ihm ist nichts überlegt und durchdacht.

Russland und Iran können sich zurücklehnen

Ohne einen blassen Schimmer von der Komplexität des Nahen Ostens zu haben, irrlichtert er durch die Region, von einer Tretmine zu anderen. Mit ihm an der Spitze sind die USA unzuverlässig geworden. Egal, ob Freund oder Feind – jeder weiß: Das Wort des Mannes im Weißen Haus ist nichts wert – denn vielleicht ändert Trump schon morgen wieder seine Meinung. 

Russland und der Iran dürften ihr Glück kaum fassen können. Sie können sich zurücklehnen und dem Spektakel vergnügt zuschauen. Eine eigene Strategie, mit der sie Amerika im Nahen Osten kontern könnten, brauchen sie nicht. Für sie reicht es, Trump auch weiterhin seine Fehler machen zu lassen. Und das nutzen Moskau und Teheran dann aus – sie stoßen hinein in das Vakuum, dass die USA in der Region hinterlassen.

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