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StartseiteComputer und KommunikationUS-Forscher untersuchen die Anonymität im Internet28.02.1998

US-Forscher untersuchen die Anonymität im Internet

Philadelphia: Studie zur elektronischen Kommunikation vorgestellt

<strong>Auf dem Jahrestreffen der amerikanischen Wissenschaftsgesellschaft AAAS, die in dieser Woche zu Ende ging, diskutierten Experten die Risiken und Chancen der Anonymität im Internet. Die Motivationen, seine Identität bei der elektronischen Kommunikation zu verbergen, seien vielfältig, so die Autoren einer Studie zum Thema.</strong>

Klaus Herbst, David Post, Albert H. Teich

"Das Internet eröffnet die Möglichkeit zur anonymen Kommunikation in einem Ausmaß, das in der Geschichte der Menschheit bisher unbekannt war", meint der Jurist Professor David Post von der Temple University in Philadelphia. Er ist Mitautor einer Studie über die ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen der anonymen und pseudonymen elektronischen Kommunikation. Unter anderem wollte er die Motivation der Nutzer ergründen, ihre Identität geheimzuhalten. Post stellte fest, daß die Beweggründe sehr unterschiedlich sind: "Manche wollen anonym bleiben, weil sie peinliche Dinge zu verbergen haben. Sie wollen nicht in der Öffentlichkeit bloßgestellt werden und wollen keinen Ärger." Eine Entscheidung, ob Anonymität gesetzlich reguliert werden sollte, will Post nicht treffen. "Wie sollten wir zwischen guter und schlechter Anonymität unterscheiden. Jemand, der zum Beispiel über schlechte Arbeitsbedingungen sprechen möchte, darf nicht fürchten müssen, gefeuert zu werden." Auf einem Symposium über anonyme Kommunikation auf dem Internet kamen die Experten zu dem Ergebnis: Es gibt keine praktikablen Techniken der Überwachung. Die Kommunikation auf dem Internet bleibt besser unreguliert.

Albert H. Teich, der Direktor der Abteilung Wissenschaftspolitik in der AAAS, berichtet allerdings von Versuchen, die Diskretion auf dem Netz einzuschränken. Sogenannte anonyme Remailer, mit denen Nachrichten anonymisiert werden können, könnten von Polizei oder Geheimdienst betrieben werden. "Das ist eine technische Möglichkeit, anonyme Nachrichten abzuhören", so Teich. "Eine andere ist das gesetzliche Einschränken der Verschlüsselung. Wir brauchen aber die Verschlüsselung, um sicher zu sein, daß unsere Nachrichten nicht abgehört werden." Mehr über anonyme Kommunikation im Internet unter der URL: http://www.aaas.org/spp/anon/

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