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StartseiteInformationen am MorgenDer Mann, der "Putins Koch" genannt wird19.02.2018

US-Justiz klagt Russen anDer Mann, der "Putins Koch" genannt wird

13 Russen sind von der US-Justiz angeklagt, weil sie 2016 die Wahl in den USA beeinflusst haben sollen. Einer von ihnen ist Jewgeni Prigoschin, Spitzname: Putins Koch. Der Milliardär und Gastrounternehmer unterhält enge Verbindungen zu Präsident Wladimir Putin.

Von Thielko Grieß

Jewegenij Prigoschin  (imago/ITAR-TASS)
Jewegenij Prigoschin (imago/ITAR-TASS)
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Jewgenij Wiktorowitsch Prigoschin ist gebürtiger Leningrader. Noch zu Sowjetzeiten sitzt er wegen Raubs, Betrugs und Prostitution Minderjähriger einige Jahre im Gefängnis, kommt aber 1990 wieder frei, gerade rechtzeitig, um die Chancen der Perestroika zu ergreifen. Er beginnt, Hot-Dogs zu verkaufen und eröffnet gemeinsam mit einem Schulkameraden eine Supermarktkette. Dabei bleibt es nicht, zählt Oppositionsaktivist Alexej Nawalny auf: "Dann hat er ein Restaurant eröffnet. Und gerade dieses Restaurant hat ihm den goldenen Moment geschenkt, dank dem unser Held zu einem der reichsten Menschen Russlands wurde."

Putin zu Gast in Prigoschins Edelrestaurant

Nawalnys Video stammt aus dem vorletzten Jahr. Das meiste, was über Jewgenij Prigoschin, heute Milliardär und 56 Jahre alt, bekannt ist, haben Nawalnys Anti-Korruptionsfonds und Journalisten von Fontanka aus Sankt Petersburg zusammengetragen. Demzufolge ereignete sich der goldene Moment, als Wladimir Putin, Präsident Russlands, Anfang der 2000er-Jahre in einem der Edelrestaurants Prigoschins in Sankt Petersburg speiste. Der Unternehmer soll selbst serviert, für Heiterkeit gesorgt und so Zug um Zug einen Draht zum Kreml-Apparat aufgebaut haben.

"Im Jahr 2003 bereitet Prigoschin den Geburtstag von Putin vor. Exakt seitdem wird er nur noch 'Putins Koch' genannt. Zuerst bekocht er das ganze Petersburger Wirtschaftsforum, dann die Gäste der Amtseinführung Präsident Medwedjews. Dann macht er einen großen Sprung und beliefert die Kantinen in den Schulen Moskaus und für einige Zeit auch Sankt Petersburgs."

Prigoschin erhält weitere Staatsaufträge, Teile der Armee und den Katastrophenschutz zu verpflegen. Dabei soll der Unternehmer das Vergaberecht mit einem Netzwerk von Firmen und deren nur scheinbar konkurrierenden Angeboten ausgehebelt haben. Belege seines enormen Wohlstands waren eine Zeit lang auf Instagram dokumentiert – bis sie verborgen wurden: Tochter Polina postete Fotos der Jacht sowie des Privatflugzeugs und notierte deren Ausstattung gehobener Klasse. Um einen Eindruck vom Immobilienbesitz der Familie zu bekommen, ließ Nawalny außerdem eine Drohne über das Anwesen der Familie fliegen.

Auch andere Dienste im Angebot

Seit geraumer Zeit kursieren glaubwürdige Informationen darüber, dass Milliardär Prigoschin dem Kreml neben seiner Kochkunst auch andere Dienste erweist. Fontanka, RBK und andere russische Medien haben immer wieder Hinweise zusammengetragen, Prigoschin sei Financier der sogenannten Troll-Fabrik mit Sitz in Sankt Petersburg. Dort sind systematisch unzählige Netzkommentare und Postings mit dem Ziel geschrieben worden, in Russland selbst Widersacher des Kremls mit virtuellem Schmutz zu bewerfen und in den Vereinigten Staaten Wähler zu beeinflussen. Für Letzteres steht der Milliardär seit Ende 2016 auf der Sanktionsliste Washingtons. Neben dem Kampf um Stimmen wird ihm zugeschrieben, er lasse auch in der Realität kämpfen.

Der Kanal Doschd zitiert aus einer Recherche der Agentur AP. Ein geleakter Vertrag soll belegen, dass Prigoschin Geld in Syrien verdient. Sein Investment besteht in der Söldner-Truppe "Wagner". Der Deal: In den Gebieten, die "Wagner" vom "Islamischen Staat" erobert, kann das dahinter stehende Unternehmen Öl fördern und verkaufen. Die Firma soll Prigoschin gehören.

Beistand vom russischen Außenministerium

Über "Wagner"-Kämpfer ist erst jüngst viel berichtet worden. Angehörige der Truppe sind Anfang dieses Monats bei einem US-Angriff im Osten Syriens ums Leben gekommen. Sie hatten dort US-Verbündete angegriffen – es ging um die Herrschaft in einem ölreichen Gebiet. Offiziell gibt es in Syrien keine kämpfenden russischen Bodentruppen.

Die nun in Washington erhobenen Einmischungsvorwürfe streitet Prigoschin laut Agentur RIA Nowosti ab. Das russische Außenministerium pflichtet ihm bei: Die Behauptung, 13 Russen könnten gegen amerikanische Geheimdienste etwas ausrichten, nannte die Ministeriumssprecherin "absurd".

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