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StartseiteEine WeltTexaner kämpfen gegen Trumps Sperrwall09.03.2019

US-mexikanische GrenzeTexaner kämpfen gegen Trumps Sperrwall

Seit einem Monat gilt in den USA der nationale Notstand wegen der Lage an der Grenze zu Mexiko. Von der von Präsident Donald Trump angekündigten Mauer steht dort noch nicht viel. Die Pläne für den Sperrwall stoßen auf Widerstand - aus Sorge um die wirtschaftlichen Folgen, aber auch aus Naturschutzgründen.

Von Torsten Teichmann

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Blick durch Grenzzaun auf einen von drei Grenzübergängen in Brownsville (Deutschlandradio / Torsten Teichmann )
Blick durch Grenzzaun auf einen von drei Grenzübergängen in Brownsville (Deutschlandradio / Torsten Teichmann )
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Der Nationalpark Santa Ana, in Texas liegt am Ufer des Rio Grande. Also an der Grenze zu Mexiko. Durch den Park zieht sich ein Damm. Über den können Tiere flüchten, wenn der Fluss alle zehn Jahre mächtig über die Ufer tritt, erklärt Jim Chapman: "Wenn die hier eine Grenzmauer errichten, dann reißen sie diese Seite des Damms weg und ersetzen sie mit einer Betonmauer."

Es ist die Seite, die zum Ufer zeigt. Auf die etwa fünf Meter hohe Mauer könnte dann noch ein fünfeinhalb Meter hoher Zaun kommen, fürchtet Chapman: "Bei der nächsten Flut kommt kein Tier mehr raus."

Umweltschützer Jim Chapman blickt in die Kamera (Deutschlandradio / Torsten Teichmann)Umweltschützer Chapman sorgt sich um das Schicksal der Tiere an der Grenze bei der nächsten Flut (Deutschlandradio / Torsten Teichmann)

Gelder und Pläne für den Sperrwall sind wohl bewilligt

Chapman arbeitet für eine Umweltschutzorganisation im Rio Grande Flussdelta. Die Pläne für eine Grenzmauer regen den Texaner auf. In dieser Woche hatte fernab in Washington Kevin McAleenan vom US-Grenzschutz noch einmal den Wunsch nach einer Mauer bekräftigt:

"Wir müssen in Grenzsicherheit investieren, inklusive eines modernen Barriere-Systems, zusätzliches Personal, Technik sowie Unterstützung aus der Luft und zu Wasser."

Für den Südosten von Texas ist das nicht neu. Gelder und Pläne für den Sperrwall sind offenbar bewilligt. In Brownsville steht bereits eine Barriere aus Stahl. Von der Grenzbrücke über den grün schimmernden Rio Grande aus ist sie gut zu sehen. Elisa Filippone hält mitten auf der Brücke inne:

"Hier ist der Fluss, und da ist die Mauer, die bereits Präsident Bush gebaut hatte. Und das ist der Stacheldraht, den Präsident Trump anbringen ließ, als er 1000 Soldaten an die Grenze abkommandierte. Der ist neu. " Die Amerikanerin zieht regelmäßig mit einer roten Einkaufstasche auf Rollen in Richtung Mexiko los. Mit dabei sind Wasser, Snacks, manchmal auch Kleidung. Sie versorgt Flüchtlinge.

Farmer: Keine Krise der Sicherheit

Auf der mexikanischen Seite warten einige Familien in einem improvisierten Zeltlager neben dem Grenzterminal. Sie wollen ihren Platz nicht verlieren, um einen Antrag auf Asyl bei den US-Behörden zu stellen. Sie hoffe, dass sie ihren Fall den Behörden vorlegen kann und dass man ihr hilft, erklärt Melin. Die 32-Jährige sagt, sie sei mit ihrem Sohn aus Nicaragua geflohen. Sie versucht es an einem offiziellen Übergang. Andere probieren es an weniger gesicherten Stellen der Grenze.

Eine Krise der Sicherheit gebe es deshalb aber nicht, versichert Fred Cavazos. Er lebt in Mission, eine Stunde Autofahrt nördlich von Brownsville. Fred fürchtet um seine Lebensgrundlage: Eine Mauer würde ihn von Weideland und Vieh trennen und von kleinen Häusern am Ufer des Rio Grande, die er vermietet und selbst nutzt:

"Das Land, das sie haben wollen, ist nicht sehr groß. Meiner Schwester und mir geht es auch nicht ums Geld. Aber wir sind hier groß geworden, das ist unser Haus."

"Die Mauer hat unseren Weg gekreuzt"

Der Blick vom grauen Holzsteg seines kleinen Gartenhauses fällt übers Wasser auf die wild wuchernden Pflanzen auf mexikanischer Seite. Die Geschichte der Familie Cavazos reicht ins 18.Jahrhundert zurück.

Fred Cavazos und sein Cousin Rey Anzaldúa sitzen auf einem Steg      (Thorsten Teichmann)Fred Cavazos und sein Cousin Rey Anzaldúa bekommen wohl ein neues Grenztor. (Thorsten Teichmann)

Die Familie sei nie über eine Grenze gekommen, vielmehr habe die Grenze irgendwann den Weg der Familie gekreuzt, sagt Freds Cousin Rey. Rey ist unsicher, ob sie den juristischen Streit gegen die Regierung gewinnen können. Ein nahe gelegenes Umweltzentrum für Schmetterlinge hat gerade erst einen Prozess verloren. Das Ingenieurscorps der Armee hat jetzt Familie Cavazos ein Grenztor versprochen – mit Zahlencode zum Öffnen.

Rey: "Ein Grenzbeamter sagt, es wird fünf Ziffern haben, die anderen sagen was anderes."

Fred: "Und womöglich funktioniert es nicht immer. Sollen wir dann einen Beamten rufen, um unsere Kühe zu füttern, weil das verdammte Ding nicht funktioniert?"

Keine Rücksicht auf die Umwelt?

Solche Tore stehen bereits etwas weiter flussabwärts. Dort, wo auch schon ein Teil der Barriere errichtet worden ist. Jim Chapman steuert sein Auto über eine Schotterpiste unterhalb der Grenzmauer.

"Das ist die schlechteste aller Möglichkeiten. Gäbe es einen Wettbewerb, um eine Grenzmauer mit den größten Folgen für die Natur zu gestalten, dann käme das dabei raus. Und wenn sie sagen, sie nehmen Rücksicht auf die Umwelt, dann ist das gelogen."

Den Naturpark in Santa Ana schützt im Moment noch politischer Druck vor dem grauen Beton einer Mauer. Chapman fürchtet, dass der Widerstand gegen die bereits geplante Grenzmauer zusammenbricht, sollte US-Präsident Trump seinen nationalen Notstand letztendlich vor Gericht durchsetzen. Die Kritik der Gegner einer Mauer konzentriert sich in Texas aber nicht nur auf die Trump-Administration.

Die US-Amerikanerin Filippone steht auf einem Parkplatz und blickt in die Kamera (Deutschlandradio / Thorsten Teichmann)Die US-Amerikanerin Filippone versorgt Flüchtlinge auf mexikanischer Seite (Deutschlandradio / Thorsten Teichmann)

Zurück vom Grenzübergang in Mexiko trifft Elisa Filippone ihre Mitstreiterin, Madeleine Sandefur zum Lunch. Sandefur schlägt vor, den lokalen Kongressabgeordneten Filemon Vela einzuladen: "Wir müssen ihn auf die Lage aufmerksam machen und ihn einladen, mit uns auf die mexikanische Seite zu gehen. Na wohl eher seinen Büroleiter, weil er sagen wird, er habe keine Zeit."

Vela hatte Trump als Präsidentschaftskandidat aufgefordert, sich die Mauer in den Hintern zu schieben. Das habe er tatsächlich vor zwei Jahren gesagt, klagt Madeleine Sandefur. Beide Frauen beschließen, dem Demokraten offiziell eine Einladung zu übergeben, damit auch er sich ein Bild im Rio Grand Delta machen kann.

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