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StartseiteKommentare und Themen der WocheTrump hat ein Rad ab17.10.2019

US-PolitikTrump hat ein Rad ab

US-Präsident Donald Trump glaubte, er könne mit dem Rückzug aus Nordsyrien vom Thema Impeachment ablenken, kommentiert Martin Ganslmeier. Das sei gründlich schief gegangen. Seitdem sei Trump vor allem eines: wütend. Die Welt müsse sich ernsthaft Sorgen machen.

Von Martin Ganslmeier

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United States President Donald J. Trump answers reporter's questions as he and and President Sergio Mattarella of the Italian Republic conduct a joint press conference in the East Room of the White House in Washington, DC on Wednesday, October 16, 2019. Credit: Ron Sachs / CNP | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / CNP / Ron Sachs)
US-Präsident Donald Trump (picture alliance / dpa / CNP / Ron Sachs)
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Was in diesen Tagen im Weißen Haus passiert, das beschreiben erfahrene US-Korrespondenten mit dem Bild: "The wheels are coming off" – "die Räder lösen sich vom Wagen". Treffender kann man die innen- und außenpolitische Geisterfahrt des US-Präsidenten nicht auf den Punkt bringen. Trump verhält sich zunehmend wie ein in die Ecke Gedrängter, der wild um sich schlägt.

Dass jetzt sogar die Republikaner im Kongress mit großer Mehrheit seinen Rückzug aus Syrien verurteilt haben, war für Trump eine nicht erwartete Klatsche. Eine solch starke Distanzierung der Republikaner von ihrem Präsidenten hatte es bislang nicht gegeben.

Nur noch Ja-Sager in Trumps Umfeld

Und das ausgerechnet in einer Phase, in der Trump jede Unterstützung aus seiner Partei braucht. Längst ist ihm klar, dass er ein Impeachment-Verfahren nicht mehr abwenden kann. Zwar weiß er, dass ihn am Ende der republikanisch dominierte Senat freisprechen wird. Aber - und das ärgert den Symbolpolitiker Trump am meisten – damit würde er zu einem kleinen Club geschasster oder beinahe geschasster US-Präsidenten gehören.

Jetzt rächt sich, dass Trump nur noch Ja-Sager in seinem Umfeld duldet und selbst diese nicht mehr in Entscheidungen einbindet. Die Supermacht USA wird von einem Präsidenten regiert, der die Ministerien und das Fachwissen seiner Regierung als "Staat im Staate" ablehnt. Statt dessen verlässt sich Trump auf sein Bauchgefühl und sein "stabiles Genie". Die folgenreiche Entscheidung zum Rückzug aus Nordsyrien fällte Trump nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Erdogan - ohne Rücksprache mit seinen Ministern und den Bündnispartnern. Der US-Präsident glaubte, er könne damit politisch punkten und vom Thema Impeachment ablenken.

Wer ist "nicht ganz richtig da oben"?

Das ging gründlich schief. Seitdem ist Trump vor allem eines: wütend. Seinem Gast im Weißen Haus, dem italienischen Präsidenten, warf er die geringen Verteidigungsausgaben der Europäer vor. Kurze Zeit später verunglimpfte der erste Mann im Staate die Nummer drei der USA, die ihm gegenübersitzende Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi als "drittklassige Politikerin". Worauf diese zu Recht das Weiße Haus verließ.

Den ganzen Tag über beleidigte Trump die syrischen Kurden als "Kommunisten", die "keine Engel" seien. Dass 11.000 dieser Kurden als Verbündete der USA im Kampf gegen den IS starben, quittierte Trump mit der Bemerkung: Amerika habe ihnen dafür auch enorm viel Geld gezahlt. Und auf den Einwand, sein früherer Verteidigungsminister Mattis habe stets gemahnt, Amerika brauche gute Bündnispartner, meinte Trump: Mattis sei der "am meisten überschätzte General".

Ich hätte nie geglaubt, dies sagen zu müssen: Aber die Welt muss sich ernsthaft Sorgen machen. Trump twittert, Nancy Pelosi sei "nicht ganz richtig da oben". Wohl eher ist es der Mann im Weißen Haus, der mit Zugriff auf den Atomkoffer, der ein Rad ab hat.

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