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StartseiteKommentare und Themen der WocheDonald Trump - tatsächlich ein Rassist16.07.2019

US-PräsidentDonald Trump - tatsächlich ein Rassist

Donald Trump habe mit seinen Hasstiraden gegen vier Abgeordnete Gewissheit geschaffen, kommentiert Thilo Kößler. Der Präsident der Vereinigten Staaten meine, was er sage. Aus voller Überzeugung. Der Trumpismus sei eine zutiefst rassistische Bewegung.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump beim Auftakt seiner Kampagne zur Präsidentschaftswahl 2020 in Florida (picture alliance/newscom/Joe Burbank)
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Mit seinen jüngsten Hasstiraden gegen vier Abgeordnete, allesamt "women of color", hat Donald Trump seinem Land und dem Rest der Welt einen wichtigen Erkenntnisgewinn beschert. Donald Trump ist kein taktischer Rassist, wie es bisher häufig hieß, der aus wahltaktischen Überlegungen heraus mit Bedacht und Geschick rassistische Reflexe seiner überwiegend weißen und männlichen Wählerschicht bedient. Jetzt ist Gewissheit: Donald Trump ist tatsächlich ein Rassist. Er meint, was er sagt. Aus voller Überzeugung.

Donald Trump bescherte seinem Land und dem Rest der Welt diesen Erkenntnisgewinn, indem er zur plattesten Plattitüde griff, die einem Rassisten gegenüber Andersfarbigen und Andersdenkenden zu Gebote steht: "Geht doch dorthin zurück, wo Ihr herkommt", rief er den vier Abgeordneten zu.

Eigentliches Trump-Motto: Make America white again

Donald Trump griff in die unterste Schublade des Rassismus, indem er sich auf das Credo der "white supremacists" berief - der Verfechter der These von der Überlegenheit der Weißen: Demnach sind die USA ein weißes Land, das von Weißen gegründet und aufgebaut und seither von Weißen regiert wurde. Barack Obama war dieser Ideologie zufolge ein historischer Betriebsunfall - allerdings mit Signalwirkung: Laut Erhebung des Forschungsinstituts Pew Research Center wird die Mehrheit der US-amerikanischen Staatsbürger Mitte dieses Jahrhunderts nicht mehr weiß sein.

Die Weißen fürchten also um ihre angestammte Rolle, ihre Privilegien, ihre Macht. Deshalb wählten sie Donald Trump - und der machte diese Ängste zum Kern seiner zentralen Botschaft: "Make America great again". Was eigentlich heißen soll: Make America white again.

Das wirklich Bemerkenswerte an dieser Erkenntnis, dass der Trumpismus eine zutiefst rassistische Bewegung ist, ist die Tatsache, dass man sie im öffentlichen Diskurs so lange verharmlost, vertuscht, wenn nicht gar verschwiegen hat. Donald Trump hat seinen ganzen politischen Aufstieg seiner rassistischen Grunddisposition zu verdanken. Das Anzweifeln der Geburt Barack Obamas auf amerikanischem Grund und Boden. Die Hetze gegen Muslime, Mexikaner, Minderheiten. Die abfälligen Äußerungen über Farbige, Indigene oder afrikanische Staaten, die er als "Drecksloch-Länder" bezeichnete.

Republikaner ducken sich weg

Deshalb ist nicht nur die politische Haltung Donald Trumps zu würdigen, sondern auch die seiner politischen Wegbegleiter und Steigbügelhalter: Die Republikaner, die GOP, die Grand Old Party, die Partei Abraham Lincolns, der das historische Verdienst der Abschaffung der Sklaverei zukommt, hat sich von Donald Trump vereinnahmen lassen, mehr noch: Sie ist zur Partei Donald Trumps verkommen. Ganze 13 republikanische Abgeordnete haben sich getraut, die rassistischen Äußerungen ihres Präsidenten zu kritisieren. 192 Republikaner haben sich laut Washington Post wieder einmal einfach weggeduckt.

Zum wahren Gradmesser für den Zustand dieses Landes dürfte also die Präsidentschaftswahl im November 2020 werden. Schafft Donald Trump die Wiederwahl, wird das auch ein Beleg dafür sein, dass die USA den Rassismus, der zur DNA ihrer Gründungsgeschichte gehört, strukturell noch nicht überwunden haben.

Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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