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StartseiteThemaTrump, Corona und der Wahlkampf02.10.2020

US-Präsident infiziertTrump, Corona und der Wahlkampf

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania sind nach eigenen Angaben positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Arzt des Präsidenten erklärte, beiden gehe es gut. Je nach Verlauf der Erkrankung könnte der US-Wahlkampf beeinträchtigt werden.

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump laufen über eine Wiese (AFP/ Andrew Caballero-Reynolds)
US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump sind positiv auf das Coronavirus getestet worden (AFP/ Andrew Caballero-Reynolds)
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US-Präsident Donald Trump hatte zunächst auf Twitter mitgeteilt, dass bei seiner Beraterin Hope Hicks eine Coronavirus-Infektion festgestellt worden sei und er und seine Frau Melania sich deshalb in häusliche Quarantäne begeben würden. Hicks hatte Trump zu mehreren Terminen begleitet. "Wir verbringen viel Zeit mit ihr", sagte Trump in einem Interview mit "Fox News". Später twitterte er, auch der Coronatest bei seiner Frau und ihm sei positiv ausgefallen. Der Arzt des Präsidenten bestätigte die Angaben und erklärte, Trump und seine Frau blieben im Weißen Haus und er gehe davon aus, dass Trump sein Amt ohne Unterbrechungen weiterhin ausüben könne.

Der 74-Jährige wird regelmäßig auf das Virus getestet. Derzeit könnte er sich in der präsymptomatischen Phase einer COVID-19-Erkrankung befinden. Dem üblichen Verlauf zufolge könnte es mehrere Tage dauern, bis erste Symptome auftreten. Schwerere Symptome würden vermutlich erst eine Woche später folgen. Da der Präsident mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs zur Präsidentschaftswahl am 3. November steckt, hat seine Corona-Infektion möglicherweise weitreichende Auswirkungen.

US-Präsident Donald Trump am 1. Oktober 2020 (dpa / newscom / Yuri Gripas) (dpa / newscom / Yuri Gripas)Politologe: "Das Thema Corona ist Trumps Hauptproblem"
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Wahlkampfauftritt abgesagt, Finanzmärkte unruhig

Trump war zuletzt mehrmals vor mehreren tausend Menschen aufgetreten - eine Maske trägt er meist nicht. Ein anstehender Wahlkampftermin in Florida wurde bereits gestrichen. Was aus weiteren geplanten Wahlkampfauftritten wird und wie lange er sein Programm einschränken muss, ist noch nicht bekannt, berichtet ARD-Korrespondent Torsten Teichmann. Unklar ist auch noch, was aus den beiden weiteren geplanten Fernsehdebatten von Trump mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden wird, von denen die nächste am 15. Oktober stattfinden sollte.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) Alle Beiträge zur US-Präsidentschaftswahl in unserem Dossier (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Etwas von seinem Mythos verschwindet

Im ersten TV-Duell am 29. September hatte Trump Biden noch verspottet, weil dieser häufig einen Mundschutz trägt. Trump hat zudem wiederholt die Gefahr durch die Coronavirus-Pandemie öffentlich heruntergespielt. In den USA sind bislang mehr als 200.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind das mehr als fünf Mal so viele wie in Deutschland. Mit der Corona-Infektion verliere Trump etwas von seinem Mythos, sagte Dlf-Korrespondent Marcus Pindur, der 2012 bis 2016 für Deutschlandradio in Washington war. "Er hat immer so getan, als könne das Virus ihm, dem Land und den Menschen in den USA nicht so richtig etwas anhaben." Die Infektion zeige, dass er verwundbar sei. "Das ist die große Schwäche seiner Wahlkampfargumentation."

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Die Nachricht von Trumps Positiv-Test löste auch einen weltweiten Kursrutsch an den Finanzmärkten aus und der Ölpreis gab nach. In Japan hatte der Aktienindex Nikkei im Plus begonnen, drehte dann jedoch ins Minus. Auch in London, Paris und Frankfurt verloren die Börsen, der Dax gab mehr als ein halbes Prozent nach. Der Dollar wird als Leitwährung jedoch weiter als sicherer Hafen gesehen, genauso wie Gold: Der Goldpreis kletterte auf über 1900 Dollar.

Im Umfeld von Trump hat es schon früher Corona-Infektionen gegeben. Hope Hicks ist allerdings die dem Präsidenten am nächsten stehende Person, von der bekannt ist, dass sie sich infiziert hat. Hicks war nach Medienberichten am Dienstag (29.09.2020) mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One zur TV-Debatte nach Cleveland gereist, am Tag nach dem Duell reiste sie mit zu einem Wahlkampfauftritt nach Minnesota. Die "New York Times" berichtet, Mitarbeitern des Weißen Hauses sei seit Mittwochabend bekannt, dass sich Hicks angesteckt habe. Ihr sei es in Minnesota nicht gut gegangen und sie sei noch während des Rückflugs unter Quarantäne gestellt worden, berichtete der Sender Bloomberg. Trump suggerierte, dass sich Hicks bei einem Termin mit Angehörigen des Militärs oder Polizeibeamten angesteckt haben könnte.

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