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StartseiteKommentare und Themen der WocheChaos ist das Machtprinzip des Donald Trump21.08.2019

US-Präsident will Grönland kaufenChaos ist das Machtprinzip des Donald Trump

Donald Trumps Grönland-Vorstoß ist symptomatisch für seine Großmannssucht, seine imperialen Allüren und sein unstillbares Ego, kommentiert Thilo Kößler. Sie seien Teil seiner nationalistischen "America first"-Ideologie, die weder politische noch moralische Grenzen kenne.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald Trump spricht am 21. August mit Reportern. (dpa/ picture alliance/ AP/ Alex Brandon)
Trumps Parole "Amerika zuerst" definiert Politik als Optimierung von Eigeninteressen, meint Thilo Kößler (dpa/ picture alliance/ AP/ Alex Brandon)

Absurd. Kafkaesk. Ein Aprilscherz mitten im Hochsommer. Dänemark und der Rest der Welt belächelten amüsiert die Offerte des Präsidenten, dem nordischen Königreich die Insel Grönland abzukaufen. Schluss mit lustig war erst, als Donald Trump die dänische Regierung mit der Absage seines Besuchs brüskierte, weil sie ihm seinen geopolitischen Großeinkauf vermasselt hatte. Trump hat es tatsächlich ernst gemeint. Wer hätte das gedacht?

Trumps Vorstoß ist symptomatisch für seine Grossmannssucht

Über diese Verwunderung kann man sich nur wundern. Denn Trumps Vorstoß ist symptomatisch für seine Großmannssucht, seine imperialen Allüren und sein unstillbares Ego. Sie sind Teil seiner nationalistischen "America first"-Ideologie, die weder politische noch moralische Grenzen kennt. Die Parole "Amerika zuerst" definiert Politik als Optimierung von Eigeninteressen. Regeln und Normen im zwischenstaatlichen Umgang spielen ebenso wenig eine Rolle wie Allianzen und Verträge.

Rückkehr zur Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts

Donald Trump hat einmal sinngemäß gesagt, kleine Staaten könnten gar nicht souverän sein. Dafür seien sie zu machtlos. Nur Großmächte verfügten über wahre Souveränität. Damit kehrte Donald Trump zum Prinzip des Rechts des Stärkeren zurück. Und markierte den ideologischen Rückfall in die Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts. Grönland als Exempel.

Chaos ist das Machtprinzip

Seit zweieinhalb Jahren mischt Donald Trump nun auf diese Art und Weise die internationale Weltordnung auf und das regelbasierte Wertesystem, das ihr zugrunde liegt. Von keinerlei moralischen Zweifeln geplagt, im höchsten Maße ignorant, aber mit bestechender Konsequenz fegt er mühsam ausgehandelte Verträge vom Tisch. Unterwandert Allianzen. Höhlt die internationale Sicherheitsarchitektur aus. Zettelt Handelskriege an. Setzt die Weltwirtschaft unabsehbaren Risiken aus. Düpiert Alliierte. Und schlägt sich im Übrigen auf die Seite von Autokraten.

Chaos ist das Machtprinzip des Donald Trump: Spalten, Unfrieden stiften, für Verwirrung sorgen. Und niemals die Initiative aus der Hand geben. Deshalb folgt auf ein Desaster in der Regel gleich das nächste. Das alles im Glauben, dass am Ende der obsiegt, der den Keil am tiefsten treibt.  

Trump ist nicht lächerlich, sondern brandgefährlich

Dieses Credo verfolgt Trump auch innenpolitisch. Deshalb lässt er es zu, dass sich Rechtsextreme  seine Hassparolen zu Eigen machen und ihn für sich reklamieren. Deshalb bedient er antisemitische Klischees, indem er alle Juden, die die Demokratische Partei wählen, für illoyal erklärt, wie gestern geschehen. Auch das, diese Instrumentalisierung der amerikanischen Juden zum Zweck der Mobilisierung seiner politischen Klientel, ist eine moralische Entgleisung ohne Beispiel.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass Donald Trump nicht lächerlich ist. Oder einfach nur peinlich. Sondern brandgefährlich.

Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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