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StartseiteKommentare und Themen der WocheEmpörung hilft nicht weiter01.07.2020

US-Regierung kauft Remdesivir-Produktion aufEmpörung hilft nicht weiter

Dass sich die US-Regierung einen Großteil des Corona-Mittels Remdesivir gesichert hat, sei keine Überraschung, kommentiert Volkart Wildermuth. Empörung helfe hier nicht weiter. Auch der Bundesregierung sei das Motto "Deutschland zuerst" nicht fremd.

Von Volkart Wildermuth

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Eine Ampulle des Medikaments liegt verpackt in einem Plastikbeutel auf einer Hand. (dpa/Ulrich Perrey)
Remdesivir wird weltweit gegen Covid-19 getestet - hier eine Ampulle an der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf (dpa/Ulrich Perrey)
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Präsident Donald Trump kauft Remdesivir-Vorräte auf, meldet der englische "Guardian". Die gesamte Produktion aus dem Juli und fast alle Dosen, die im August und September das Pharmaunternehmen Gilead verlassen, gehen an US-Amerikaner.

Die erste Reaktion: Empörung. COVID-19 ist in den USA auf dem Vormarsch, der Infektionsspezialist Anthony Fauci prognostiziert vor dem Senat demnächst 100.000 Neuinfektionen pro Tag. Und Donald Trump verweigert sich der mühseligen und unpopulären Aufgabe, die Ansteckungsraten zu senken. Er sucht die schnelle, sichtbare Lösung: einen Deal.

Die Wissenschaftlerin Katharina Kleilein untersucht an der Sterilbank im Labor des Life-Science-Unternehmens Yumab die optische Dichte einer Bakterienkultur. Das Startup-Unternehmen forscht zur Entwicklung menschlicher Antikörper und versucht so Medikamente gegen Covid-19 zu entwickeln.  (dpa / Ole Spata) (dpa / Ole Spata)Medikamente zur Behandlung von COVID-19
Die Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus richtet sich auf bekannte Medikamente, die umfunktioniert werden könnten. Bereits in Zulassungsverfahren ist Remdesivir.

Dass Remdesivir kein Wundermittel darstellt, sondern vor allem die Zeit im Krankenhaus verkürzen kann - egal, Hauptsache der Auftritt stimmt. Für die USA bedeutet das keine Wende, aber vielleicht etwas Erleichterung.

Der Rest der Welt hat das Nachsehen und deshalb noch einmal: Empörung. Donald Trump hat immer die Devise vertreten "America first", insofern ist sein Verhalten keine Überraschung. Und wenn wir ganz ehrlich sind – das Motto "Deutschland zuerst" ist weder der Bundesregierung noch der Bevölkerung fremd. Als es auf Italiens Intensivstationen um Leben und Tod ging, wurden Schutzkleidung hierzulande erst einmal gebunkert. Wenn es Spitz auf Knopf geht, ist sich offenbar jeder selbst der nächste.

Verteilungskämpfe werden sich um Impfstoffe drehen

Deshalb hilft Empörung nicht weiter, entscheidend ist mit dieser nur allzu menschlichen Reaktion effektiv umzugehen. Das ist bei Remdesivir offenbar nicht gelungen, aber das ist nicht so fatal. Es gibt genug Vorräte, versichert die Bundesregierung. Die Verteilungskämpfe der Zukunft werden sich um Impfstoffe drehen. Auch da haben schon Überbietungswettkämpfe begonnen, an denen sich auch Deutschland zurecht beteiligt.

Was wissen wir über die Wirksamkeit von Remdesivir gegen COVID-19?
Wie aussagekräftig sind die ersten Studien zu Remdesivir als Medikament in der COVID-19-Therapie? Eine kurze Einordnung von unserem Wissenschaftskorrespondenten Volkart Wildermuth.

Auf Dauer müssen sich Staaten, die nicht nur an sich selbst denken wollen, vorab verbindliche Regeln geben – die im Sinne eines langfristigen Erfolges für alle auch gegen kurzfristige Eigeninteressen bestand haben. Genau das hat die Europäische Kommission bei ihrem COVID-19 Spendenaufruf versprochen. Mehr als zehn Milliarden Euro sind zusammengekommen. Aber noch sind die genauen Regeln nicht vereinbart.

Und so lange das so bleibt, wird es am Ende doch ein Rennen der Egoisten geben. Um das zu vermeiden muss jetzt offen gesagt werden: wir wollen einen Impfstoff, wir zahlen für einen Impfstoff, aber wir sind bereit zu warten, wenn er anderswo dringender gebraucht wird.

33D-Modell des Coronavirus SARS-CoV2 (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte) (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

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