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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Ohnmacht Moskaus10.08.2018

US-Sanktionen gegen RusslandDie Ohnmacht Moskaus

"Das ist die Erklärung eines Wirtschaftskrieges!" Mit diesen Worten hat Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew die neuen US-Sanktionen gegen sein Land kritisiert. Darauf müsse seine Regierung reagieren. Tatsächlich sei Moskau allerdings weitgehend ohnmächtig, kommentiert Thielko Grieß.

Von Thielko Grieß

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Das Bild zeigt den russischen Präsidenten Putin und US-Präsident Trump. (dpa-Bildfunk / AP / Evan Vucci)
Der Ton zwischen den Regierungen in Moskau und Washington wird rauer. (dpa-Bildfunk / AP / Evan Vucci)
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Manch einer in Russland verabschiedet sich von anderen in den Sommerurlaub mit dem vorausahnenden Wunsch: "Hoffentlich passiert nichts Schlimmes." Besonders dann, wenn die Auszeit in den August fällt, wenn das politische Leben in Moskau auf sommerliche Art und Weise mehrere Gänge herunter geschaltet wird. Der achte Monat ist jedoch berüchtigt für unvermittelt eintretende Ereignisse großer Tragweite: der Putschversuch im Jahr 1991, der Untergang des Atom-U-Boots Kursk 2000, der Krieg gegen Georgien 2008. Der August in diesem Jahr hat sich zwar bislang nicht für die allererste Reihe qualifiziert. Aber es fehlt nicht mehr viel.

Für Russland steht viel auf dem Spiel

Die neuerlich angekündigten Sanktionen können Russland hart treffen. Zwar beläuft sich das Handelsvolumen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland auf rund 24 Milliarden US-Dollar, was für zwei Länder dieser Größe keine besonders herausstechende Marke ist. Doch die Aufschlüsselung zeigt: Der amerikanische Markt ist für russische Unternehmen wichtiger als umgekehrt. Für Russland steht mehr auf dem Spiel.

Der Handel mit Gütern, die in Sicherheitsbereichen eingesetzt werden können, steht nun prinzipiell zur Disposition. Die Formulierung aus Washington ist so weit gefasst, dass spekuliert werden muss. Ist hochentwickelte Software gemeint, oder fallen bereits Betriebssysteme von Computern und Smartphones darunter? Die Details fehlen noch, auf sie muss das Land nun warten und kann währenddessen nicht viel tun. Moskau besitzt nicht viele Hebel, mit denen es mit Washington gleichziehen kann. Als fast einzige wirkungsvolle Gegenmaßnahme könnte Russland den Verkauf von Raketentriebwerken, сделанные в России, Made in Russia, stoppen. Mit ihnen werden zum Beispiel auch US-Satelliten ins All geschossen und amerikanische Firmen stellen diese Triebwerke nicht her.

Auch deutsche Firmen zittern

Bedrohliches erwächst für die russische Wirtschaft auch noch aus anderer Richtung: Werden wieder Banken getroffen, wird der Handel in der Devise Dollar eingeschränkt, ist auch die europäische, darunter die deutsche Wirtschaft, zurecht alarmiert. Schon im Zuge der vergangenen Sanktionsrunden ist viel Unsicherheit ins Russlandgeschäft gekrochen, könnten doch auch Investments aus Europa sanktioniert werden: Volkswagen dürfte einmal mehr wegen seiner Zusammenarbeit mit dem russischen Fahrzeugkonzern GAZ, und viele andere Firmen auch, zusammengezuckt sein.

Welche Drohung nun wahr wird, haben vor allem die Vereinigten Staaten in der Hand. So sind die Verhältnisse. Sie können dafür sorgen, dass der August dieses Jahres ein dunkler für Russland wird. Doch da das Angekündigte am Ende vor allem auf normale Bürgerinnen und Bürger durchschlagen würde, die nichts Erspartes haben, das sie noch schnell ins Ausland transferieren könnten, bleibt die Hoffnung, dass das auch in Amerika noch rechtzeitig verstanden wird. Sonst passiert, was stets passiert: Russinnen und Russen scharen sich noch entschiedener um ihre Führung.

Thielko Grieß (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Thielko Grieß (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Thielko Grieß, geboren in der Nähe von Osnabrück, hat Kultur-, Politik- sowie Medienwissenschaften in Leipzig, Ljubljana und Jena studiert. Während des Studiums hat er in verschiedenen Hörfunkredaktionen des Mitteldeutschen Rundfunks in Halle und Magdeburg sowie als freier Mitarbeiter für das Deutschlandradio gearbeitet. Er war im Gründungsteam der Nachrichtenredaktion von DRadio Wissen und hat beim Deutschlandradio volontiert. Danach hat er im Deutschlandfunk u. a. die Frühsendung "Informationen am Morgen" moderiert. Nach einem Studienaufenthalt an der Staatlichen Universität im russischen Nowosibirsk berichtet er seit Februar 2017 aus dem Studio Moskau über Russland, Weißrussland, den Kaukasus und Zentralasien.

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