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StartseiteWirtschaft am MittagEffekt könnte schnell verpuffen18.01.2019

US-SteuerreformEffekt könnte schnell verpuffen

Ein Wirtschaftswunder hat US-Präsident Donald Trump versprochen, als er Ende 2017 die Steuerreform unterzeichnete. Nach einem Jahr zeigt sich jedoch: Nicht alle Unternehmen und Berufsgruppen profitieren davon. Einige zahlen sogar mehr. Der gesamtwirtschaftliche Effekt könnte schon bald verpuffen.

Von Katja Ridderbusch

US-Präsident Donald Trump am 22. Dezember 2017 sitzt am Schreibtisch im Oval Officeim Weißen Haus und hält ein Dokument hoch, auf dem sehr groß seine Unterschrift zu sehen ist.  (imago stock&people / UPI)
Die einen profitieren, die anderen spüren nichts - und einige zahlen sogar drauf durch die US-Steuerreform (imago stock&people / UPI)
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Ein gutes Jahr ist es her, seit US-Präsident Donald Trump dem amerikanischen Volk eine, wie er sagte, gigantische Steuerreform zu Weihnachten schenkte. Und tatsächlich: 2018 brachte einen Boom für die Wirtschaft in den USA. Kristin Mäckel ist Partnerin in der internationalen Steuerberatungskanzlei Aprio in Atlanta im Bundesstaat Georgia: "Ich denke, die Steuerreform war insgesamt sehr positiv für die Unternehmen in den USA."

Die wichtigste Änderung: Eine Senkung der Ertragssteuer von 35 Prozent auf 21 Prozent. "Wir hatten bis vor der Steuerreform den höchsten Steuersatz der Welt. Und wir haben uns jetzt ein bisschen angeglichen an den Rest der Welt. Im Grunde sind jetzt die amerikanischen Steuern zusammen mit den Steuern der Einzelstaaten genauso hoch wie in Deutschland – oder genauso niedrig."

Mehr Investitionen durch Sofortabschreibungen

Vor allem das produzierende Gewerbe profitiert von der Reform. Unternehmen wie SPG zum Beispiel, eine mittelständische Baufirma mit 300 Angestellten im Nordosten von Georgia. SPG zahle jetzt 20 Prozent weniger Steuern, sagt CEO Todd Ballard – Geld, das er wieder investiere, in Arbeitskräfte zum Beispiel.  Und die Reform hat noch einen weiteren Vorteil für das Unternehmen.

Vor der Steuerreform konnten Firmen Investitionen in Maschinen von bis zu einer halben Million Dollar pro Jahr sofort abschreiben. Jetzt hat sich die Grenze verdoppelt. Für sein Unternehmen, das jedes Jahr neue Ausrüstung brauche – von Schweißmaschinen bis zu Gabelstaplern – sei das ein riesiger Vorteil, sagt Ballard.

Nachteil für Kleinunternehmer – einigen zahlen jetzt mehr Steuern

Aber es gebe auch ein paar Verlierer, betont Steuerberaterin Mäckel. So könne sich die Steuerreform für Kleinstunternehmer durchaus negativ auswirken. "Wenn man weniger als 50.000 Dollar zu versteuerndes Einkommen hatte, war der Steuersatz vorher bei 15 Prozent. Diese Unternehmen zahlen jetzt 21 Prozent."

Für andere Kleinunternehmen ist die Reform indes neutral. Volkmar Voigt lebt seit 40 Jahren in den USA. Er hat einen Import-Export-Handel für Stahlerzeugnisse in Houston, Texas. Seine Firma hat vier Angestellte.

"Unser Steuersatz hat sich überhaupt nicht geändert. Wir lagen immer nur bei 21 Prozent, einfach weil wir kein Riesen-Unternehmen sind. Wir haben keinerlei Vor- oder Nachteile durch die Steuerreform gehabt."

Der Fixsteuersatz von 21 Prozent gilt nur für Körperschaften, nicht für Personengesellschaften. Für die gibt es weiterhin eine Progression. Zwar können diese Firmen jetzt zusätzlich 20 Prozent ihres Umsatzes abschreiben – allerdings nur, wenn sie in der Fertigung tätig sind. Berufsgruppen wie Anwälte, Unternehmensberater, Software-Entwickler oder Ärzte profitieren nicht von dieser Regelung.

Wirtschaftlicher Effekt der Steuerreform könnte schnell verpuffen

Schließlich: Die Republikaner hatten versprochen, Steuererklärungen würden künftig so einfach sein, dass sie auf eine Postkarte passen. Ein Plan, an den selbst Profiteure der Reform wie Todd Ballard nicht recht glauben.

Im Übrigen: Der gesamtwirtschaftliche Effekt des Gesetzes könnte schon bald verpuffen. Bereits in diesem Jahr, so prophezeite die US-Notenbank Fed, werde die amerikanische Wirtschaft langsamer wachsen. Und einige Ökonomen erwarten für 2020 den Beginn einer Rezession.

Steuerberaterin Kristin Mäckel sieht bei ihren Mandanten vor allem eine Sorge: die mangelnde Planungssicherheit. Denn die Steuergeschenke von Präsident Trump sind zeitlich begrenzt. "Viele Vorsehungen sind nur bis 2021 in das Gesetz geschrieben und müssen dann vom Kongress verlängert werden. Zum Beispiel die Sofortabschreibung der Investitionen. Die ist nur temporär. Also, wenn wir eine neue Regierung haben, kann es durchaus sein, dass diese sich wieder ändern."

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